Wasch-resistent

26. Juni 2016 08:56; Akt: 26.06.2016 08:56 Print

Unter unseren Nägeln lebt ein wahrer Mikroben-Zoo

Nagelkauen ist nicht schön. Noch unschöner ist allerdings, was dabei alles in Ihren Mund gelangt. Denn zwischen Nagel und Fingerspitze ist der Teufel los.

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Finger im Mund sind ungesund: Weil unter den Fingernägeln zahlreiche Bakterien stecken, sollten Nagelkauer wie Britney Spears ihre Leidenschaft besser schnell aufgeben. Dass sich das lohnt, haben gezeigt. 2007 untersuchten sie den Speichel von Probanden auf E.-coli-Bakterien, die Durchfall und Übelkeit auslösen können. Das Ergebnis: 76 Prozent der Nägelkauer wurden positiv getestet, bei den Nicht-Kauern waren es nur 26,5 Prozent. Eine der ersten Studien zu diesem Thema führten 1988 Forscher der University of Pennsylvania durch. Sie analysierten die Hände von 26 Erwachsenen. Ihr Fazit: Zwischen Nagel und Fingerkuppe verstecken sich zwar als auf jedem anderen Sektor der Hand. Dass sich die Mikroorganismen unter den Nägeln derart ansammeln, liegt laut den Forschern daran, dass die unter den Nägeln sitzende Feuchtigkeit die perfekten Bedingungen zur Vermehrung bietet, und daran, dass der Nagel die Bakterien wie ein Regenschirm vor Einwirkung von aussen schützt. Künstliche Nägel verschärfen das Problem weiter, wie eine mit Krankenschwestern zeigt. Demnach trugen diejenigen mit Plastik-Krallen deutlich mehr Erreger mit sich herum als jene, die ihre Hände natürlich hielten. Ob sie deshalb mehr Bakterien ... ... auf die Patienten übertragen, konnten die Forscher damals nicht sagen. Sicherheitshalber rieten sie Spitalangestellten aber, punkto Nageldesign auf Natürlichkeit zu setzen. Denn auch Handschuhe lösten das Problem kaum, weil sie durch die künstlichen, meist längeren Nägel schneller reissen würden. Doch wie verhält es sich mit kurzen, aber lackierten Fingernägeln? Dieser Frage gingen 1993 Pfleger des Johns Hopkins Hospitals in Baltimore nach. Dafür unter lackierten Kunst- und farbigen Naturnägeln jeweils vorm Auftragen der Politur und vier Tage danach. Dabei zeigte sich, dass Nagellack auf natürlichen Nägeln deutlich weniger problematisch ist, als jener auf künstlichen Krallen. Obwohl unter den Fingernägeln derart viel los ist, muss man sich vor seinen eigenen nicht ekeln. Denn gegen das Treiben an den Fingerkuppen hilft vor allem eins: Anständige Hygiene. Wie man den Bakterien am besten zu Leibe rückt, erklärten 2002 Forscher von der University of Georgia. Sie hatten Probanden winzige Fleischpartikel unter die Nägel geschoben und sie gebeten, diese zu reinigen. Dabei zeigte sich, dass deutlich mehr Bakterien verschwanden, wenn die Hände nicht nur gewaschen, sondern auch mit der Nagelbürste behandelt wurden. Richtig rein wurden dabei allerdings auch nicht alle, sondern nur die kurzen Nägel. Je länger sie waren, desto mehr Bakterien fanden die Forscher am Schluss noch.

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Fingernägel gelten als Visitenkarte: Sind sie kräftig und gepflegt, signalisieren sie Vitalität und Gesundheit. Doch der schöne Schein trügt. Denn egal wie gut die Nägel – ob echt oder künstlich – aussehen: Es sind Bakterienschleudern.

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Zwischen Nagel und Fingerkuppe, dem sogenannten subungualen Bereich, verstecken sich mehr Krankheitserreger als auf jedem anderen Sektor der Hand. Und das unabhängig davon, wie sorgfältig und regelmässig man sich Hände und Finger wäscht.

Nagel schützt Bakterien vor Seife

Dass sich die Mikroorganismen unter den Nägeln nicht nur ansammeln, sondern auch noch munter vermehren, daran sind laut Forschern der University of Pennsylvania zwei Dinge schuld: Einerseits bietet die unter den Nägeln sitzende Feuchtigkeit die perfekten Bedingungen zur Vermehrung, andererseits schützt der Nagel die sich darunter befindlichen Bakterien auch vor antimikrobieller Seife, die die unliebsamen Gäste eigentlich abtöten sollte, wie es im «Journal of Clinical Microbiology» heisst.

Obwohl die Erkenntnis aus dem Jahre 1988 stammt und seither von mehreren Wissenschaftlerteams bestätigt und erweitert wurde (siehe Bildstrecke), sind die Ratschläge, wie man des Problems Herr werden könnte, immer noch dieselben: Um die Ausbreitung von Krankheiten wie Magen-Darm-Infektionen (siehe Box) zu stoppen, sollte man sich nicht nur ausgiebig die Hände waschen, sondern auch Fingernägel sowie den subungualen Bereich schrubben. Frauen halten im besten Fall auch die Nägel kurz und natürlich, fasst die «BBC» zusammen.


Hand- und Fingerhygiene ist so einfach, man muss es nur tun. (Video: BAG)

(fee)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Rolf am 26.06.2016 10:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Quatsch mit Sauce

    So ein Seich! Der Mensch ist von Bakterien besiedelt seit es ihn gibt. Man lebt nicht gesünder wenn man versucht sich keimfrei zu machen.

    einklappen einklappen
  • G. Ut am 26.06.2016 10:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    warum

    wird eine solche Riesenpanik vor Mikroben geschürt? Wäre die Natur gegen den Menschen, hätten uns die überall vorhandenen (besonders in der Luft) Mikroben schon längst ausgerottet.

  • U.W.H. am 26.06.2016 10:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Übertrieben .......

    Alles muss klinisch rein sein ............ so haben wir mit der Zeit keine Abwehrstoffe mehr!

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Manuel am 27.06.2016 23:38 Report Diesen Beitrag melden

    Na und??

    Was uns nicht tötet härtet uns ab! Macht doch kein Drama wegen ein paar Bakterien und Mikroben! Darum sind wir fit und gesund!

  • felice am 27.06.2016 17:29 Report Diesen Beitrag melden

    knabbern nein, schnüffeln ja

    Drum sollte man die Finger nicht andauernd in den Mund nehmen. Riechen darf man aber schon... so wie Jogi Löw.

  • Büezer am 27.06.2016 12:43 Report Diesen Beitrag melden

    Alles Steril

    Keine Bakterien Keine Keime... alles soll sauber und steril sein. Landet dann doch mal was auf Dich, gehst daran drauf.... Unser Körper braucht das um auch dagegen anzukommen. Wenn er das packt dann haben wir ein Immun System das arbeitet....

  • WaleLi am 27.06.2016 11:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Labor

    Wir geben uns Mühe, wie fast im Labor zu leben, je mehr wir das tun, umso anfälliger und kränker werden wir. Auch unser Immunsystem braucht Trainingsmöglichkeiten.

  • C.Käser am 27.06.2016 10:32 Report Diesen Beitrag melden

    Kann so ganz schlimm nicht sein

    wenn man sich den Zuwachs der Weltbevölkerung seit dem 19. Jahrhundert anschaut.