Zweiter Weltkrieg

14. Oktober 2018 19:12; Akt: 14.10.2018 21:07 Print

Unterwasser-Sarkophag für giftiges Nazi-U-Boot

1945 traf ein britischer Torpedo das deutsche U-Boot U-864. Es sank – und mit ihm die 67 Tonnen Quecksilber an Bord. Nun soll die Gefahr gebannt werden.

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Die Kommune Fedje auf der gleichnamigen norwegischen Insel sieht idyllisch aus. Doch auf dem Meeresgrund davor lauert eine Gefahr. In rund 150 Metern Tiefe liegt ein mit 67 Tonnen Quecksilber beladenes und in zwei Teile gesprengtes U-Boot-Wrack aus dem Zweiten Weltkrieg. Seit 1945 rostet es dort unten vor sich hin und setzt toxisches Quecksilber frei. Eigentlich sollte die U-864 von Kiel aus über den Atlantik um Afrika herum bis zur Insel Penang in Malaysia fahren. Ziel der Mission war es, Technik und andere kriegswichtige Güter nach Japan zu bringen, um das Land beim Krieg gegen die USA zu unterstützen. So hatte das U-Boot neben 1857 mit Quecksilber gefüllten Flaschen auch Flugzeugteile und Zeichnungen des neuen Messerschmitt-Jägers Me-262 und Triebwerkskomponenten von Junkers und BMW an Bord. (Im Bild: eine Me-262 im Jahr 1944) Doch nach einem unplanmässigen Zwischenhalt im Trockenbunker Bruno im norwegischen Bergen – die U-864 hatte zuvor den Meeresboden touchiert – lief alles aus dem Ruder. Zunächst wurde die U-864 während eines Luftangriffs der Briten auf den Bunker durch eine tonnenschwere Tallboy-Bombe beschädigt. Zwar konnte das deutsche U-Boot unbehelligt auslaufen, doch ... ... dann geriet es – insbesondere wegen der durch einen Maschinenschaden ausgelösten Maschinengeräusche – ins Visier der Briten. Das britische U-Boot HMS Venturer ortete das deutsche Unterseeboot, nahm dessen Fährte auf ... ... und versenkte es schliesslich vor Fedje. Es ist bis heute der einzige dokumentierte Fall, bei dem ein getauchtes U-Boot ein ebenfalls getauchtes U-Boot versenkte. (Im Bild: die Position des Wracks U 864) Obwohl seit dem Untergang von U-864 schon viele Jahre vergangen sind, beschäftigt das Wrack die Menschen bis heute. Verantwortlich dafür ist die gefährliche Ladung des Unterseeboots: Rund 67 Tonnen hochgiftiges Quecksilber, aufgeteilt auf 1857 Stahlflaschen, das seit Jahrzehnten austritt. Um zu verhindern, dass noch mehr des giftigen Schwermetalls ins Meer gelangt, ist geplant, das Wrack und weite Teile seiner Umgebung mit einer Art Sarkophag zu bedecken. Konkret sollen 47'000 Quadratmeter Meeresgrund mit einer dicken Schicht aus Sand und Beton zugeschüttet werden. Ob die Pläne tatsächlich umgesetzt werden, ist offen. Denn die finale Entscheidung des norwegischen Parlaments steht noch aus.

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Rund ein halbes Jahr vor Ende des Zweiten Weltkriegs (1939–1945) kam es vor der Westküste Norwegens zu einem bis heute einmaligen Ereignis (siehe Bildstrecke).

Ein Torpedo des britischen U-Boots HMS Venturer traf das deutsche Unterseeboot U-864 und sprengte es in zwei Teile. Die 70-köpfige Mannschaft und drei Gäste kamen dabei ums Leben.

67 Tonnen giftiges Schwermetall

Erst Jahre später – 2003 – wurde das Wrack nach Hinweisen von Fischern in rund 150 Metern Tiefe entdeckt. Weitere zwei Jahre später war klar: Die Ladung von U-864 ist hochgefährlich.

Neben jeder Menge Technik hatte das Tauchboot auch rund 67 Tonnen Quecksilber an Bord; aufgeteilt auf 1857 Stahlflaschen. Wie das Tauchboot selber hatten diese im Laufe der Zeit zu rosten angefangen. Seit Jahrzehnten schon gelangte deshalb Quecksilber ins offene Meer.

Fischen verboten, Sarkophag geplant

Nachdem mehrfach Fische mit erhöhter Quecksilberkonzentration gefangen worden waren, hat man das Fischen in Wracknähe verboten. Damit soll verhindert werden, dass das Gift über die Nahrungskette in den menschlichen Blutkreislauf gelangt und schwere Schäden verursacht.

Nun soll auch die Gefahrenquelle selbst in Angriff genommen werden. Die norwegische Regierung hat dafür gestimmt, dass das Wrack nicht geborgen, sondern abgedeckt wird. Konkret sollen 47'000 Quadratmeter Meeresgrund mit einer dicken Schicht aus Sand und Beton bedeckt werden. 2020 sollen die rund 11 bis 32 Millionen Euro teuren Arbeiten abgeschlossen sein.

Als Vorbild dient der Sarkophag von Tschernobyl. Die Abdeckung des 1986 explodierten Reaktorblocks 4 ist ähnlich aufgebaut.

Anwohner fordern eine andere Lösung

Ob die Pläne tatsächlich umgesetzt werden, ist offen. Denn die finale Entscheidung des norwegischen Parlaments steht noch aus.

Die Bewohner des nahe gelegenen Ortes Fedje und Umweltschützer hoffen, dass der Plan abgelehnt wird. Sie halten das Abdecken des Giftmaterials aus der Nazi-Zeit für nicht ausreichend, wie die Deutsche Presse-Agentur berichtet. Sie fordern, dass U-864 gehoben und das Quecksilber entfernt wird, was Experten aber für zu riskant halten.

Stimmt das norwegische Parlament dem Vorhaben zu, wird diese Animation Wirklichkeit werden. (Video: Youtube/NGI – Norges Geotekniske Institutt)

(fee)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • fabio am 14.10.2018 19:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    fabio

    Im Sibirischen Meer liegen auch no 2-3 russische Atomuboote. Da wäre auch noch handlungsbedarf.

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  • Historiker am 14.10.2018 19:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schon gewusst?

    Vor der Italienisch/Kroatischen Küste im Adria-Meer verteilt liegen noch 45000t (ja, Tonnen) Sprengstoff aus dem zweiten Weltkrieg. Viel Spass beim bädelen mit den Kindern :D

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  • Reto am 14.10.2018 19:38 Report Diesen Beitrag melden

    Flaschen bergen?

    Sollte Doch möglich sein die quecksilber flaschen zu bergen. Sonst wird das nzr hinausgezögert. Und das bei 11mio. ?

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Jürg K. am 15.10.2018 20:23 Report Diesen Beitrag melden

    Mit einem Sarkophag kann man nur Zeit

    gewinnen, aber das Problem nicht lösen. Der Sarkophag in Tschernobyl ist auch längst wieder durchlässig und man baut einen neuen drüber. Will man das in Norwegen auch machen? Und wieder und wieder? Am besten man birgt das Quecksilber jetzt. Das ist auf lange Sicht auch billiger.

  • Pete am 14.10.2018 22:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Spitze des Eisbergs

    Und in der Nord- und Ostsee haben die Briten nach dem 2. WK allein 300000 Tonnen phosphorhaltige Munition versenkt und dem Rost überlassen...

  • Denker am 14.10.2018 22:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    keine Gefahr

    Klar, ist schlimm. Bergen wäre das Beste. Allerdings sehe ich keine Gefahr, da ja bekanntlich Quecksilber sehr schwer und flüssig ist und somit beim Austritt im Schlamm versinken wird, so tief wie es eben möglich ist. Giftig ist es erst, wenn es verdampft, und das wird es in dieser Tiefe ohne Sauerstoff kaum.

    • Robert der Chemiker am 15.10.2018 18:06 Report Diesen Beitrag melden

      @Denker

      Falsch! Das Quecksilber wird von den Meeresorganismen resorbiert (vorallem über die Muscheln und Algen!) und gelangt dadurch in den Nahrungskreislauf. Am Schluss über den Fisch in unseren Tellern. Ein ähnlicher Fall ereignete sich in der japanischen Stadt Minamata (die Minamata-Krankheit verdankt der Stadt ihren Namen), einfach mal googeln.

    • Wissender am 15.10.2018 20:19 Report Diesen Beitrag melden

      Quecksilber braucht Sauerstoff zum

      Verdampfen? Interessante Theorie. Aber falsch.

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  • Niklaus am 14.10.2018 21:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unfähigkeit

    Überall auf dem Meeresgrund ticken Zeitbomben. Aber die Politiker sind nicht in der Lage darauf zu reagieren. Wir würden uns noch wundern, wenn wir alles wüssten.

    • mibu am 15.10.2018 14:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Niklaus

      würden wir alles wissen würden wir unsere elite am kragen zum galgen begleiten.

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  • filosof am 14.10.2018 21:35 Report Diesen Beitrag melden

    nachhaltige Kriege

    Ein Krieg fordert Opfer noch Jahre und Jahrzehnte nach seinem Ende.