Schädelfund

17. Oktober 2013 20:02; Akt: 17.10.2013 20:02 Print

Urmenschen in Europa und Afrika waren eine Art

Der Schädel aus Georgien ist 1,8 Millionen Jahre alt und er stellt die Evolutionsgeschichte des Menschen auf den Kopf: Die damaligen Urmenschen waren eine einzige, globale Spezies.

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Die Paläontologen sprechen von einem «verblüffenden» Fund: Ein perfekt erhaltener Schädel von der Fundstelle Dmanisi in Georgien stellt die bisher anerkannten Theorien zur Evolutionsgeschichte des Menschen in Frage: Wie ein schweizerisch-georgisches Forscherteam am Mittwoch vor den Medien berichtete, gehörten die Urmenschen in Europa und Afrika vor rund zwei Millionen Jahren offenbar einer einzigen, globalen Art an. Bislang waren Anthropologen davon ausgegangen, dass es eine Vielzahl lokal angepasster Arten gegeben hat.

Der 1,8 Millionen Jahre alte Schädel und der dazugehörige Kiefer, der fünf Jahre zuvor entdeckt worden war, weisen einen Mix aus Merkmalen auf, die eigentlich verschiedenen Arten der Gattung Homo zugeschrieben wurden. Das sind jene Urmenschen, die sich von Afrika aus in Europa und Asien verbreitet haben.

Der Urzeit-Mann hatte demnach das grösste Gesicht, die massivsten Kiefer und Zähne, aber das kleinste Gehirn der fünf Hominiden-Schädel, die bisher am Fundort Dmanisi in Georgien ausgegraben worden waren. «Wären Hirn- und Gesichtsschädel einzeln gefunden worden, wären sie wahrscheinlich zwei verschiedenen Arten zugeordnet worden», sagte der Anthropologe Christoph Zollikofer von der Universität Zürich.

Nicht verschiedener als heutige Menschen

Die Forscher haben die Variation der Schädelmerkmale der fünf Fossilien analysiert. Diese wiesen zwar eine grosse Bandbreite auf, aber nicht mehr als die individuellen Unterschiede zwischen fünf beliebigen heutigen Menschen, berichten die Forscher in der aktuellen Ausgabe des renommierten Fachjournals «Science».

Das Fazit stellt alles auf den Kopf, was Paläontologen bisher über die Urmenschen vor zwei Millionen Jahren zu wissen glaubten: Nicht nur die fünf Dmanisi-Individuen, sondern auch sämtliche afrikanischen Homo-Fossilien aus dieser Zeit müssen einer einzigen Art angehören.

Sie waren bisher bis zu fünf separaten Arten zugeordnet worden: Unter anderem der Gattung Homo habilis, Homo ergaster und Homo rudolfensis. «Derzeit gibt es so viele Arten wie es Wissenschaftler gibt, die sich damit beschäftigen», sagte die Mitautorin Marcia Ponce de León von der Universität Zürich in einer Mitteilung der Hochschule.

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Eine globale Spezies

Nach Ansicht der Forscher gab es aber keine verschiedenen, lokal angepassten Arten von Urmenschen, sondern eine einzige, gigantische «Paläopopulation», die sich von Afrika bis Europa erstreckte. «Wir haben nun eine einzige, globale menschliche Spezies», sagte Zollikofer.

Diese liesse sich am ehesten als «Homo erectus» – den Aufrechten – bezeichnen. Denn insbesondere die Fossilien in Georgien haben lange Beine und schmale Hüften – was auf aufrechten Gang schliessen lässt. «Homo erectus» wäre demnach vor gut zwei Millionen Jahren in Afrika entstanden und hätte sich bald über Eurasien ausgebreitet – via Dmanisi bis China und Java, wo er ab etwa 1,2 Millionen Jahren nachgewiesen ist.

Die Forscher stützen ihren Befund auf die besondere Situation in Dmanisi: Die fünf Individuen hatten zur fast gleichen Zeit am gleichen Ort gelebt. «Die Knochen wurden innert weniger Jahrhunderte abgelagert», sagte David Lordkipanidze, Direktor des georgischen Nationalmuseums – nur ein Augenblick in der Paläontologie.

Für die Forschenden ist das eine einmalige Chance: «Erstmals kann man die Variation innerhalb einer einzigen Population erforschen», sagte Zollikofer. Alle bisherigen Hominiden-Funde seien über grosse Distanzen verstreut gewesen und stammten aus einer Zeitspanne von mindestens 500'000 Jahren.

Frühester Zahnstocher-Gebrauch

Die revolutionären Erkenntnisse werden durch eine weitere neue Studie der Forscher gestützt, die den frühesten Gebrauch von Zahnstochern dokumentiert. Demnach hatte der exzessive Gebrauch von Zahnstochern und die normale Abnutzung der Zähne die Kiefer der Dmanisi-Urmenschen verformt, was zu grossen individuellen Unterschieden führte, wie das Team unlängst im Fachblatt «PNAS» berichtete.

(sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Don Roberto am 17.10.2013 22:16 Report Diesen Beitrag melden

    Unterhaltsam

    also diese kommentare der Anti-Evolutionisten sind schon richtig witzig....höchst unterhaltsam...6000 Jahre alter Schädel....:-D ... wer weiss, vielleicht finden sie noch die Versteinerung des unheilvollen Apfels der Adam quer in den Hals steckengeblieben ist.....:-D

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  • SrdjanM am 18.10.2013 11:23 Report Diesen Beitrag melden

    Nicht sooo revolutionär...

    @Kein Darwinist: Und wie genau widerlegt dieser Fund die Evolutionstheorie? Es klärt einige Ungereimtheiten, und korrigiert einige falsche Annahmen zu der Entwicklung des Menschen. Diese Idee (nur der Homo Erectus als einziger direkter Vorfahre) gab es schon länger, basierend auf DNA Analysen von Menschen aus versch. indigenen Populationen. An der Theorie selbst ändert das gar nicht, im Gegenteil. Aber gewisse Anthropologen müssen nun ihre Bücher ergänzen.

  • Yahweh am 18.10.2013 12:10 Report Diesen Beitrag melden

    Habe gerade nochmals nachgeschaut

    und es ist tatsächlich so! Heute ist der 18.10.2013. 2013! Bei einigen Kommentaren könnte man meinen es sei das Jahr 1500, also noch vor der Reformation...

Die neusten Leser-Kommentare

  • Ein Atheist am 19.10.2013 13:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    EvD und andere Prähistorker

    Erich von Däniken und andere Prähistoriker haben vielleicht doch recht, zumindest machen ihre Erklärungen viel mehr Sinn und div. gefundendene Schriftstücke bekräftigen ihre Erklärungen und Theorien.

    • Echter Atheist am 19.10.2013 23:40 Report Diesen Beitrag melden

      Von Däniken?

      Sie sind kein Atheist. Ein Atheist lehnt glauben ab. Das beschränkt sich nicht auf Jesus oder Mohammed, sondern gilt genau so für Prä-Astronautik (bitte nicht mit Prähistorik verwechseln). Zudem sollten Schriftstücke nicht Theorien bekräftigen, sondern Theorien sich nach allen bekannten Indizien und Spuren richten. Sonst hat man das typische Problem, dass einige Indizien so zurechtgelegt werden, dass sie mit der Theorie übereinstimmen und der Rest ignoriert wird. Das passiert immer wieder bei unseriösen Wissenschaftlern oder Leuten, die sich so schimpfen.

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  • Wissender am 19.10.2013 08:15 Report Diesen Beitrag melden

    Sechstausend Jahre

    Und den orthodoxen Christen wird durch ihre Kirche weis gemacht, der Mensch existiere erst seit 6'000 (sechstausend) Jahren. Selbstredend, dass alle von Adam und Eva abstammen. Da scheinen diese Wissenschaftler einem Irrtum zu unterliegen. *Ironie aus*

    • Wissenderer, Klugsch... am 19.10.2013 12:21 Report Diesen Beitrag melden

      Tausend Jahre wie ein Tag

      Tja sie sehen ja, scheinbar stammen doch alle von derselben Spezies ab - wie es das Sinnbild von ADam und Eva beschreibt - und wenn man dann noch die Bibelstelle in Betracht zieht, dass 1000 Jahre für Gott wie ein Tag sei, kommen wir ganz gut hin.

    • Pastafari am 19.10.2013 21:56 Report Diesen Beitrag melden

      @Wissender

      Googeln Sie mal "kognitive Dissonanz". Da geht es darum, wie wir Menschen dazu neigen, gewisse Dinge "schönzureden", wenn Widersprüche (hier die wissenschaftlichen Erkenntnisse) auftreten. Die Bibel ist ja laut Christen von "Gott" inspiriert. Wieso soll sie dann zuerst interpretiert werden? Wieso muss man sich die Bibelverse quer durch die Bibel selbst zusammenpuzzeln? Und die Theodizee-Frage scheint mir nicht naiv, sondern praktisch das stärkste Argument gegen einen "allbarmherzigen Schöpfer" zu sein.

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  • Tamara am 18.10.2013 23:51 Report Diesen Beitrag melden

    Ich glaube weder dies noch das

    Jeder Kontinent war ganz einfach mit seinen Völker "besiedelt worden":-) von mir aus von "Gott" oder einfach durch die Entstehung. Der Norden ist kalt, so sind die Menschen hell, je Südlicher desto mehr "Sonnenschutz". Die Asiaten sind auch verschieden mit Inder und Spezie "Chinese" wir erklärt man sich die andere Augenform von denen? Der Inder hat das wiederum nicht. Wir sind zwar gleich und doch nicht gleich. Aus das Kopfdenken nicht. Was lebt ist sonst gleich "aufgebaut":-) auch der Affe:-) Würden wir von Ihm abstammen, gäbe es keine Affen mehr. Es ist wie es ist, lasst die Natur in Ruhe!

    • Bojo am 19.10.2013 18:43 Report Diesen Beitrag melden

      Glauben bringt hier nicht viel

      Lies doch bitte ein *wissenschaftliches* Buch darüber. Alle Menschen gehören einer einzige Rasse an: Homo sapiens. Alle Hunde sind auch nur eine Rasse (Canis lupus familiaris) - und schau mal wie viele Unterschiede es bei denen gibt. Das ist völlig normal, eine äussere Anpassung über viele Generationen hinweg. Was Menschen gemeinhin als 'Rasse' bezeichnen sind bloss soziale Konstrukte. Ausserdem: mit Glauben hat Evolution nichts zu tun, nur mit Verstehen.

    • thomas am 19.10.2013 19:42 Report Diesen Beitrag melden

      Wir stammen nicht vom affen ab

      sondern wir haben den gleichen vorfahren. Das sollten die meisten jetzt doch langsam kapieren

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  • adam am 18.10.2013 19:37 Report Diesen Beitrag melden

    Herrlich!

    Als ich den Artikel entdeckt habe musste ich mir unbedingt die Kommentare ansehen, um mich an der Blödheit zu erfreuen. Ich wurde nicht enttäuscht.

  • Tschonsen am 18.10.2013 16:14 Report Diesen Beitrag melden

    Zufall?

    Die Frage ist nicht wie sondern WER? Das WER der Evolution ist der Zufall, was für mich sehr unrealistisch ist! Genau dort fängt der Glauben an!

    • Peter am 19.10.2013 13:24 Report Diesen Beitrag melden

      Kein Zufall

      Schon blöd, dass Evolution nicht zufällig verläuft, wenn auch ohne Ziel. Das hat mit purem Glück nichts zu tun, sondern läuft strikt nach chemischen und biologischen Prozessen.

    • Thomas Betschart am 19.10.2013 14:04 Report Diesen Beitrag melden

      Jaja, dieser Zufall....

      Ich würde vielleicht mal etwas über die Evolutionstheorie lesen um das Konzept dieses ominösen "Zufalls" (was auch immer darunter verstanden werden mag) besser zu verstehen - aber ja, das allmächtige Etwas im Himmel das sich alles kümmert ist schon einfacher...

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