Zu schön zum Fliegen

02. Juli 2014 19:42; Akt: 02.07.2014 19:42 Print

Urvogel nutzte Federn für Balz und Brut

Schon früher putzte man sich für die Partnersuche heraus: Der Archaeopteryx entwickelte seine Federn nicht zum Fliegen, sondern zum Schutz vor Kälte — und zum Flirten.

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Sich hübsch machen für die Brautschau: Das tat schon der Archeopteryx vor 150 Millionen Jahren. «Dies vermutlich nicht so ausgeprägt, wie Vögel es tun — aber wahrscheinlich in irgendeiner Form schon», sagt Oliver Rauhut von der Bayerischen Staatssammlung für Paläontologie und Geologie und Mitautor einer in der Fachzeitschrift «Nature» veröffentlichten Studie. Vor allem mit den Federn an Schwanz, Flügeln und Hinterbeinen wollte der Urvogel Partnern gefallen.

Die Forscher fanden auch Hinweise dafür, dass der Archaeopteryx tatsächlich fliegen konnte. Das war bisher nicht sicher — manche Forscher nahmen an, dass er sich vor allem hüpfend fortbewegte. «Interessanterweise waren die seitlichen Schwanzfedern von Archaeopteryx aerodynamisch geformt und dürften daher auch eine wichtige Rolle bei der Flugfähigkeit gespielt haben», sagt Ko-Autor Christian Foth.

Die Forscher von Staatssammlung und Ludwig-Maximilians-Universität hatten den elften, 2011 entdeckten Archaeopteryx untersucht. Er hat von allen Funden das besterhaltene Federkleid. Ergebnis: Die Vorfahren der Vögel legten sich ihre Federn nicht zu, um sich in die Lüfte zu schwingen. Erst als sie einmal da waren, dienten sie vermutlich auch zum Fliegen.

Auch der T-Rex war mal flauschig

Auch andere Saurier-Studien hatten in diese Richtung gewiesen: Vor zwei Jahren hatten die Münchner Forscher einen jungen Verwandten des Tyrannosaurus untersucht. Unter ultraviolettem Licht sahen sie die Reste der Haut und des Federkleides als leuchtende Flecken und Fasern — der Beweis, dass Jungtiere Federn hatten. Rauhut schloss damals nicht aus, «dass auch ein ausgewachsener Tyrannosaurus rex noch flauschig war».

Auch Funde aus China brachten das Bild der drachenartigen Reptilien ins Wanken. Da die wärmende Bedeckung nur Sinn ergibt, wenn Tiere ihre Körpertemperatur regeln können, müssen Dinosaurier und Archaeopteryx eine Art Warmblüter gewesen sein. Damit waren sie auf eine Art höher entwickelt als manche der heutigen Reptilien.

Diese hochentwickelten Raubsaurier nutzten die Federn vermutlich auch beim Laufen: Ihre Schwingen dienten zum Halten der Balance, ähnlich wie bei Straussen. Mit den Federn konnte sich der Archaeopteryx auch aufplustern. «Das vergrössert die Oberfläche und macht die Tiere imposanter», sagt Rauhut. Vielleicht diente das als Drohgebärde gegenüber Feinden — oder bei der Partnersuche.

Gemustertes Federkleid

Noch rätseln die Forscher, wie bunt der Urvogel war. Ziemlich sicher ist: Er war nicht knallbunt wie ein Papagei — aber auch nicht nur schwarz-weiss wie oft dargestellt. Vor einem Jahr ergab eine Studie, dass die Federn dunkle Kanten und Spitzen hatten und das Federkleid gemustert war.

Mit einer speziellen Röntgentechnik entdeckte das Team der Universität Manchester und des Berliner Museums für Naturkunde damals auch Metallspuren, die auf helle Farben in der Federmitte hindeuten. Die Dino-Welt war nach den neuen Erkenntnissen vielfältiger und bunter als bisher angenommen.

(fee/sda)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Msch am 03.07.2014 08:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Keinen Überraschung

    Es ist ja wohl sonnenklar, dass sich die Tiere die Federn ursprünglich nicht fürs Fliegen "zugelegt" haben. Es wär' ja toll, wenn man sich biologische Merkmale einfach so "zulegen" könnte - dann hätten die Menschen bestimmt schon längst Flügel. Aber die Evolution hat keine konkreten "Ziele" - wie. z.B. die Fähigkeit zum Fliegen - auf die hin sich die Individuen dann entwickeln.

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  • Msch am 03.07.2014 08:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Keinen Überraschung

    Es ist ja wohl sonnenklar, dass sich die Tiere die Federn ursprünglich nicht fürs Fliegen "zugelegt" haben. Es wär' ja toll, wenn man sich biologische Merkmale einfach so "zulegen" könnte - dann hätten die Menschen bestimmt schon längst Flügel. Aber die Evolution hat keine konkreten "Ziele" - wie. z.B. die Fähigkeit zum Fliegen - auf die hin sich die Individuen dann entwickeln.