24. Februar 2011 23:00; Akt: 24.02.2011 20:12 Print

Verbauungen halten nicht ewig

von Martina Huber - Vor 100 Jahren wurde der Lammbach gezähmt: Seither schützen 20 Sperren aus Naturstein die Region vor Murgängen. Nun wurde geprüft, ob die Barrikaden noch halten.

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Der Lammbach ist kein Lamm: 300 000 Kubikmeter Schutt und Schlamm wälzte er im Jahr 1896 über Teile der Berner Gemeinde Brienz. Um solchen Murgängen vorzubeugen, errichteten die Dorfbewohner zwischen 1896 und 1913 von Hand 20 Sperren im Graben des Wildbachs.

Tatsächlich blieb er seither ruhig – selbst im August 2005, als zwei andere Brienzer Wildbäche mit Murgängen und Überschwemmungen für Schlagzeilen sorgten. Aber unterdessen hat sich mehr als eine Million Kubikmeter Lockergestein hinter den Natursteinmauern des Lammbachs und an den Seitenhängen angesammelt. Da stellt sich die Frage: Halten die 100-jährigen Bauten im Falle eines Murgangs?

«Die mittlere Lebensdauer einer Natursteinmauer beträgt 60 bis 80 Jahre», sagt Bernd Kister, Geotechniker an der Hochschule Luzern. Spätestens nach 100 Jahren müsse man kontrollieren, wie stabil sie sei, selbst wenn noch keine offensichtlichen Schäden zu sehen seien. So untersuchte er im Auftrag von Brienz und seinen Nachbargemeinden, wie es heute um die Lammbachsperren steht. Seit 2008 hat er vor Ort gemessen, die Geometrie der Gemäuer rekonstruiert, die Festigkeit von Gesteinsproben im Labor getestet und mögliche Szenarien im Computer simuliert.

Das Ergebnis: Die meisten Sperren sind auch heute noch stabil. Aber viele sind weitgehend verdeckt und können dadurch ihre Aufgabe nicht mehr vollständig erfüllen. Im Fall eines grossen Murgangs könnten einige der kleinen Sperren sogar teilweise oder vollständig versagen.

Um diese Gefahr zu bannen, könnte man einen Teil des Gerölls abtransportieren – und womöglich gleich als Rohstoff verwerten: «Im Kanton Schwyz überlegt man derzeit, solchen Kieselkalk unterirdisch abzubauen – hier oben im Lammbach liegt der einfach rum», sagt Kister.

Zudem könnte man die alten Sperren verstärken – oder aber gar nichts ändern und dafür unten im Wildbach einen neuen Schutzdamm errichten. Die genauen Möglichkeiten und deren Kosten-Nutzen-Verhältnis wollen die Gemeinden nun in einem Folgeprojekt abklären.