Schwedisches Kriegsschiff Mars

09. Juli 2014 07:16; Akt: 09.07.2014 11:12 Print

Verfluchtes Wrack wird untersucht

Die Legende sagt, dass ein Fluch das schwedische Kriegsschiff Mars untergehen liess. Nun haben Forscher begonnen, die Geheimnisse des 450 Jahre alten Wracks aufzudecken.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

Die Mars war das grösste und stärkste Kriegsschiff ihrer Zeit und der Stolz der schwedischen Flotte. Doch eine Seeschlacht gegen eine deutsch-dänische Allianz wurde ihr 1564 vor der Insel Öland zum Verhängnis. Mit bis zu 173 Kanonen bestückt und entsprechend viel Schiesspulver an Bord war sie ein leichtes Ziel für deutsche Feuerkugeln. Die Hitze an Bord wurde so gross, dass die Kanonen explodierten. Diese Explosionen führten schliesslich zum Untergang des stolzen Schiffes, wie Johan Rönnby, Meeresarchäologe der Södertörn Uni in Schweden, gegenüber «National Geographic» erklärte.

Entdeckt wurde das Wrack, das Rönnerby nun untersucht, von Tauchern der Firma Ocean Discovery. Sie stiessen 2011 in 75 Metern Tiefe auf das bemerkenswert gut erhaltene Wrack. Die Mars war eines der ersten grossen dreimastigen Schlachtschiffe, wie sie im 16. Jahrhundert in Europa aufkamen. Der Fund ist deshalb wichtig, weil die Wissenschaftler bisher recht wenig über die Schiffe dieser Periode wussten. Dass die Mars so gut konserviert ist, ist mehreren Faktoren zu verdanken: wenig Ablagerungen, eine schwache Strömung, brackiges Wasser und das Nichtvorkommen des Schiffsbohrwurms.

Die Forscher und Taucher um Rönneby sind nun daran, das Wrack zu scannen, um dann eine 3-D-Reproduktion am Computer anzufertigen. Sie nutzen diese Technik, da das Wrack mit vertretbarem Aufwand nicht gehoben werden kann und die Gefahr besteht, dass bei einer Bergung Artefakte zerstört werden könnten. Die Laserscans sind auf 2 Millimeter genau und genügen so auch wissenschaftlichen Ansprüchen.

Katholischer Fluch

Die Mars war seit langem das Objekt der Begierde von allerlei Schatzsuchern, Archäologen und Geschichtsfans. Doch erst die 20-jährige Suche von Ocean Discovery war schliesslich von Erfolg gekrönt. Die Männer hinter der Firma – die Brüder Richard und Ingmar Lundgren und ihr Kollege Fredrik Skogh – waren von der Mars besessen, seit sie als Kinder in Stockholm im Wasa-Museum waren.

Doch im Gegensatz zur Wasa, die auf ihrer Jungfernfahrt sank, war die Mars keine Fehlkonstruktion. «Sie war eine funktionstüchtige Kriegsmaschine, die in der Schlacht enorme Leistungen zeigte», erklärte Richard Lundgren. Die Forscher hoffen nun mithilfe moderner Technik die letzten Minuten des Schiffs und der Besatzung zu rekonstruieren und herauszufinden, wie sich die Menschen auf dem Schlachtfeld verhalten haben.

Ob es ihnen auch gelingen wird, die Legende vom Fluch zu entkräften, ist eine andere Frage. Im 16. Jahrhundert waren die Könige Schwedens bemüht, ihre Position zu konsolidieren, so Rönnby. «Doch die katholische Kirche war eine Bedrohung für die neuen Könige, da sie so mächtig war.» Um die weltliche Macht der Bischöfe zu brechen, liessen die Könige die Glocken der katholischen Kirchen konfiszieren, einschmelzen und zu Kanonen für Kriegsschiffe verarbeiten. Und deshalb, so die Legende, war die Mars von Anfang an dem Untergang geweiht. Denn auch ihre Kanonen sollen einst Kirchenglocken gewesen sein.


Richard Lundgren und Johan Rönnby über die Bedeutung der Mars (englisch). (Yoututbe/National Geographic)


Mini-Doku zum Wrack der Mars (schwedisch/englisch). (Youtube/Statens maritima museer)

(jcg)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • nifnof am 09.07.2014 21:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Verflucht

    Dann müssten ja alle mit Kanonen bestückten Schiffe gesunken sein, alle Verteidigungsstellungen explodiert, oder so etwas, sein.

Die neusten Leser-Kommentare

  • nifnof am 09.07.2014 21:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Verflucht

    Dann müssten ja alle mit Kanonen bestückten Schiffe gesunken sein, alle Verteidigungsstellungen explodiert, oder so etwas, sein.