Chemikalien

29. Juli 2014 14:35; Akt: 29.07.2014 14:35 Print

Verpackungen sind voll von legalen Giften

Lebensmittel-Verpackungen können gesundheitsgefährdende Chemikalien enthalten. Forscher haben nun 175 solcher Substanzen identifiziert, die aber legal verwendet werden dürfen.

storybild

Forscher haben 175 potenziell schädliche Chemikalien identifiziert, die zurzeit legal in Lebensmittel-Verpackungen verwendet werden dürfen. (Bild: Keystone/Christian Beutler (Symbolbild)

Zum Thema
Fehler gesehen?

Verpackungen von Nahrungsmitteln sind nicht ohne: Einige Stoffe, die darin stecken, werden als krebserregend oder als schädlich für die Fortpflanzung eingestuft, andere greifen störend in das Hormonsystem ein. Das geht aus einer kürzlich publizierten Studie der Zürcher Stiftung Food Packaging Forum hervor, über die am Dienstag die Zeitungen «Tages-Anzeiger» und «Bund» berichteten.

Damit sind Verpackungsmaterialien eine mögliche Quelle für Verunreinigungen in Nahrungsmitteln, da Chemikalien vom Material in die Lebensmittel übergehen können, schreiben die Autoren in dem Fachartikel. Mehr als 6000 solche Substanzen erscheinen auf offiziellen und nicht-offiziellen Chemikalien-Listen. Manche wurden mit chronischen Krankheiten in Verbindung gebracht, während es für andere noch keine Analysen ihrer Giftigkeit gibt.

Sünder kennen

Das Ziel ihrer Studie sei es, bekannte Verpackungsmaterialien zu identifizieren, die auch als besorgniserregende Chemikalien gelten. Dazu haben die Autoren Listen von in den USA und Europa zugelassenen Verpackungs-Chemikalien mit zwei Listen von potenziell gefährlichen Substanzen verglichen, der Substitute it Now! (Ersetze es jetzt!) und der TEDX-Liste für hormonell wirksame Stoffe.

Dabei identifizierten sie 175 Chemikalien, die legal in Verpackungen verwendet werden, aber zugleich als potenziell schädlich eingestuft werden. Viele dieser 175 identifizierten Substanzen werden als krebserregend, erbgutschädigend oder als schädlich für die Fortpflanzung eingestuft. Andere greifen störend in das Hormonsystem ein. Eine dritte Gruppe von Chemikalien ist schwer abbaubar und reichert sich im Körpergewebe an.

Für PC und Handys wohl bald verboten

Ein Teil der Substanzen seien Kandidaten für «Substanzen von besonders grosser Besorgnis», heisst es in dem Artikel. Einige davon sollen gemäss der als Reach bekannten EU-Chemikaliengesetzgebung aus dem Verkehr gezogen werden. Damit wären sie in Computern, Handys und Farben nicht mehr zugelassen – wohl aber als Verpackung für alltägliche Lebensmittel.

Die Studie schaffe aber keine Basis für eine Risikobewertung, schränken die Autoren ein. Denn es wurde beispielsweise nicht untersucht, wie hoch die Konzentration der Stoffe in den Verpackungen ist.

Die Studie wurde Anfang Juli im Fachjournal «Food Additives and Contaminants, Part A» publiziert. Erstellt wurde sie vom Food Packaging Forum, einer gemeinnützigen Stiftung mit Sitz in Zürich. Diese wurde Mitte 2012 gegründet und finanziert sich über Spenden. Zu den Sponsoren gehören unter anderem auch die Glasbehälterhersteller Vetropack und Bucher Emhart Glass. Das Food Packaging Forum ist nach eigenen Angaben jedoch unabhängig.

(fee/sda)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Peter Meyer am 29.07.2014 15:13 Report Diesen Beitrag melden

    Im Westen nichts neues...

    Auch das ist kein neues Thema, sondern schon seit langem bekannt. Ich behaupte aber, 95% der Leute ist das "sch.-egal". Die kaufen eh unbesehen alles, was da so in den Regalen steht und schauen nicht einmal was in den Lebensmitteln drin ist... da werden sie der Verpackung eh keine Beachtung schenken. Ich würde gerne wieder so viel wie möglich offen oder in Glasverpackungen kaufen. Leider gibt's heute fast nichts mehr, was nicht in irgend eine doof Plastikverpackung gequetscht wird... schon Salat kriegt man kaum mehr ohne Plastikbeutel drum!

    einklappen einklappen
  • Babs am 29.07.2014 15:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Giftige Stoffe

    Immer diese Verunsicherungen! Endlich verbieten, was giftig ist oder wenigstens ganz klar deklarieren. Aber so werden wir, da ja die wenigsten Chemiker sind, im Ungewissen gelassen und können es selber gar nicht abschätzen! Wen wunderts, wenn man sieht, wieviele unter Hormonstörungen ( Schilddrüse gehört auch dazu) leiden. Tritt auch vermehrt bei Haustieren auf.

    einklappen einklappen
  • Chemiker am 29.07.2014 15:10 Report Diesen Beitrag melden

    Nichts neues. Migrationen von

    Giftstoffen sind bekannt. Vor allem Farben und Verlaufsmittel sind gefährlich. Auch Verpackungen welche aus Bisphenol-A sind.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Peter am 02.08.2014 09:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gift gift

    Leute! Eine biss der Klapperschlange kann tödlich sein wegen den Gift. Und diese Gift rettet menschen, wenn man richtig Dosiert. Mit dem Alkohol ist es auch so, und und und. Merkt ihr schon etwas?

  • Regi am 01.08.2014 00:16 Report Diesen Beitrag melden

    wissen vs. glauben

    Manipulierend, mit unvollständigen Recherchen- so wird "informiert", und da wir nicht zu jedem Thema Expertenwissen haben, bleibt uns nur übrig zu glauben oder nicht zu glauben. Lebensmittelverpackungen werden mit Farben und Lacken einer hochspezialisierten, eher kleinen Branche hergestellt, die europaweit vernetzt ist und ihre Rezepte regelmässig den neusten EU Gesetzen anzupassen verpflichtet ist.

  • Radikk am 31.07.2014 08:12 Report Diesen Beitrag melden

    Ungeschriebenes

    Kann es sein, dass sogar in gewissen Lebensmitteln Stoffe drin sind die nicht deklariert sind und uns abhängig machen? Beim Katzenfutter ist das schon so.

  • Isch am 31.07.2014 06:42 Report Diesen Beitrag melden

    Das regelt sich von selbst... irgendwann

    Wenn das Erdöl erst mal alle ist, gibt's auch kein Plastik mehr.

  • Alu-esser am 31.07.2014 00:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Chumä nid druss

    Verpackungen sollte man auch nicht essen. Ich habe noch nirgends gelesen oder gehört, dass zb. eine Pet-Flasche pro Tag gesund sei.