Medizin

04. Februar 2011 10:56; Akt: 04.02.2011 13:26 Print

Viagra aus dem Netz schadet der Gesundheit

Erektionsförderer, Psychopharmaka und Schlankheitsmittel werden am liebsten im Ausland bestellt. Swissmedic warnt nun: Mit illegalen Arzneimitteln gefährde man seine Gesundheit.

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Die Schweizer Zollbehörde entdeckt besonders viele Medikamente aus Indien. (Bild: Keystone)

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Seit 2008 hat sich die Zahl der am Schweizer Zoll abgefangenen Medikamenten-Sendungen beinahe verdreifacht. Viele kamen aus Indien.

2008 hielten die Zöllner 687 verdächtige Sendungen zurück, 2010 bereits 1861. Die Zahl der illegalen Arzneimittelimporte dürfte indes bedeutend höher sein. Das Schweizerische Heilmittelinstitut Swissmedic rechnet laut Angaben vom Freitag mit mehr als 50 000 Sendungen im Jahr.

Vor allem Erektionsförderer

Bestellt wurden 2010 vor allem Erektionsförderer - rund ein Drittel der beschlagnahmten Produkte - sowie Schlankheitsmittel, Muskelaufbaupräparate, Schlafmittel, Psychopharmaka sowie hormonale Präparate zum Aufhellen oder Bräunen der Haut.

Die meisten Pakete (45 Prozent) kamen aus Indien. Dahinter folgen Westeuropa (vor allem Grossbritannien, Deutschland, Griechenland, Portugal), Asien (Thailand, China, Türkei), Inselstaaten wie Vanuatu oder Seychellen und Nordamerika. Aus 72 Staaten wurden Sendungen beschlagnahmt.

Die meisten Medikamente kommen aus Indien

Bei den Arzneimitteln aus Indien stellte Swissmedic eine kontinuierliche Zunahme fest; ihr Anteil stieg zwischen 2008 und 2010 von 30 auf 45 Prozent der sichergestellten Sendungen. Doch auch viele Pakete aus Westeuropa enthielten Medikamente aus Indien.

Untersuchungen zeigten, dass Produkte aus nicht kontrollierten Bezugsquellen schwere Mängel aufwiesen, etwa fehlerhafte oder mangelhafte Angaben zu Wirkstoffen. Rezeptpflichtige Medikamente wurden teilweise ohne Packungsbeilage ausgeliefert, also ohne Dosierungsangabe oder Hinweise auf Vorsichtsmassnahmen.

Im Internet angepriesene europäische Originalmedikamente können sich als qualitativ schlechte Imitate aus Indien erweisen, warnt Swissmedic.

Ohne Fachwissen

Die Betreiber der Webseiten hätten oft kein medizinisches Fachwissen und böten die Arzneimittel aus rein kommerziellen Interessen und mit irreführenden Angaben an. Sie operierten häufig in Staaten, mit denen die Schweiz kein Rechtshilfeabkommen habe. Bestraft werden könnten sie daher nicht.

Wer solche Angebote nutzt, riskiert Kosten und in gravierenden Fällen zusätzlich ein Strafverfahren. 2010 eröffnete Swissmedic in 1735 Fällen ein Verwaltungsverfahren, das die Besteller mindestens 300 Franken kostet. Die meisten beschlagnahmten Sendungen wurden vernichtet.

Strafverfahren leitete Swissmedic in Fällen ein, in denen der Verdacht bestand, dass gesundheitsgefährdende Arzneimittel in der Schweiz weiterverkauft werden sollten.

(sda)