Vitamin-E-Acetat

19. November 2019 15:56; Akt: 19.11.2019 15:56 Print

Tote Vaper – US-Behörde nennt mögliche Ursache

von F. Riebeling - Ist das Rätsel um 42 tote und über 2000 schwer erkrankte E-Zigi-Konsumenten gelöst? Die US-Gesundheitsbehörde glaubt, die Ursache identifiziert zu haben.

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47 Tote und über 2000 schwer lungenkranke Personen bereiten der US-Gesundheitsbehörde CDC Sorgen: Was hat ihrer Gesundheit so stark zugesetzt? Und: War wirklich der Konsum von E-Zigaretten dafür verantwortlich? Einige Antworten darauf scheinen nun gefunden. Es gebe «direkte Belege» dafür, dass ein aus Vitamin E gewonnenes und gewissen E-Zigi-Liquids beigemischtes Öl – sogenanntes Vitamin-E-Acetat (Tocopherylacetat) – die Gesundheitsbeschwerden hervorgerufen habe, so Anne Schuchat, stellvertretende Direktorin der CDC, in einer Mitteilung. Schon früh hatte sich abgezeichnet, dass der Verursacher der schweren Lungenschäden in Liquids stecken könnte, die nicht aus dem regulären Handel stammen. Im September 2019 war der Verdacht auf Vitamin E gefallen, das in THC-haltigen Liquids nachgewiesen wurde. (Im Bild: aus dem Verkehr gezogene Schwarzmarkt-Liquids) Doch auch wenn sich der Verdacht nun bestätigt hat, sind laut CDC weitere Untersuchungen notwendig. So könnte es sein, dass noch weitere Chemikalien zu den Erkrankungen beitragen. Vitamin-E-Acetat hat in E-Zigi-Liquids nichts zu suchen, so Frank Henkler-Stephani vom Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR). «Vor allem nicht in dieser Menge. In einigen Liquids lag der Vitamin-E-Acetat-Gehalt zwischen 31 und 88 Prozent. Gleichzeitig war der THC-Gehalt niedriger als angegeben.» (Im Bild: aus dem Verkehr gezogene Schwarzmarkt-Liquids) Dieser Umstand deutet laut Henkler-Stephani darauf hin, «dass der Stoff zum Strecken diente – womöglich als Folge von Ernteausfällen, Preissteigerungen und Lieferengpässen bei Cannabis, die es dieses Jahr in den USA gab.» (Im Bild: illegale Marihuana-Plantage in Kalifornien) Grundsätzlich sei so etwas auch in Europa möglich, so der Experte: «Zwar ist das Hinzufügen von Vitaminen in Liquids in Europa verboten. Den Schwarzmarkt interessiert das aber nicht. Vielleicht hatten wir auch Glück, dass es solche Fälle nicht in Europa gab.» Laut Fachmann Henkler-Stephani müssen Vaper keine Angst haben, wenn sie gängige E-Zigis und Liquids nutzen. Besonders sicher sei es, Geräte und Liquids im Fachhandel zu kaufen und bei Produkten zu bleiben, die bereits schon über Wochen und Monate ohne Probleme gedampft wurden. Gemieden werden sollten E-Zigis und Liquids unklarer Herkunft und Zusammensetzung. Hält man sich daran, drohten Vapern in unseren Breitengraden nach aktuellem Kenntnisstand keine erhöhten Risiken, sofern sie Produkte verwenden, die europäischen Regelungen entsprechen, so Henkel-Stephani. Er betont, dass es bei den Fällen in den USA nicht um die Risiken des E-Zigi-Konsums geht, sondern um solche, die sich aus besonderen Formen des Konsums von Cannabis ergeben haben. (Im Bild: Amerikanerin mit CBD-Vape-Pen) «THC-Liquids sind öliger als klassische E-Zigi-Flüssigkeiten und nur mit angepassten Geräten, wie zum Beispiel den sogenannten Oil Vape Pens (Bild), inhalierbar», erklärt Henkler-Stephani. Doch auch wenn die herkömmlichen Gesundheitsrisiken von E-Zigaretten und ... ... den dazugehörigen Liquids nach bisherigem Wissen deutlich unter jenen von Tabakzigaretten liegen: Harmlos sind sie nicht. Neben Benutzerfehlern geht auch von den handelsüblichen Liquids eine Gefahr aus. So könnten die Verneblungsmittel wie Propylenglykol die Atemwege reizen und die Lungenfunktion vermindern. Zudem entsteht durch Erwärmen des Stoffs kanzerogenes Propylenoxid. Studien haben ausserdem gezeigt, dass beim Verdampfen unter anderem freie Radikale und potenziell schädliche Chemikalien entstehen, die Entzündungen der Schleimhäute fördern und die DNA-Reparatur in den Zellen hemmen können. Derart erhöht sich auch das Krebsrisiko. Eine Arbeit von Stanford-Forschern zeigte ausserdem, dass auch die Auswahl des Aromas einen Einfluss auf die Gesundheit hat. Konkret wird die Ausschüttung von Entzündungsmarkern in den Zellen erhöht und das Zellwachstum beeinträchtigt, was zum Zelltod führen kann. Wie schwerwiegend die Folgen waren, hing stark vom Aroma ab. Als besonders schädlich entpuppten sich die Liquids mit Menthol- und Zimtaroma. Sie reduzierten die Überlebensrate der Zellen am deutlichsten, formulieren die Forscher. Laut den Wissenschaftlern zeigt die im «Journal of the American College of Cardiology» erschienene Studie deutlich, dass E-Zigis keine sichere Alternative zum Tabakrauchen darstellen. Konkret habe sich gezeigt, dass die Liquids Veränderungen bewirken ... ... die stark an jene erinnern, die während der Entwicklung von Gefässkrankheiten auftreten. Das ist angesichts der steigenden Nutzerzahlen – vor allem bei jungen Personen – beunruhigend. Eine Studie der University of North Carolina ergab zudem, dass E-Zigaretten Forscher warnen im Fachjournal «Cardiovascular Research» vor potenziellen Risiken des Dampfens für die Herzgesundheit. Demnach enthalten die für das Dampfen benutzten Liquids Feinstaub, Metalle und Aromen, die kardiovaskuläre Probleme verursachen könnten. Auch ist es möglich, dass die Liquids verunreinigt sind. So seien bereits krebserregende Chemikalien, Schwermetalle und andere Stoffe in entsprechenden Produkten gefunden worden, Sucht Schweiz hat für die im März 2019 vorgestellten Zahlen über 11'000 Schüler im ganzen Land befragt. Dabei zeigte sich, dass Dampfen bei den 15-Jährigen weit verbreitet ist. Eine Studie aus den USA zeigt zudem: 32 Prozent der College-Studenten besitzen eine E-Zigarette, und 50 Prozent haben schon beobachtet, wie andere in der Vorlesung oder in der Bibliothek gedampft haben.

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Was hat die Lungenprobleme ausgelöst, an denen laut der US-Gesundheitsbehörde CDC bislang 42 E-Zigaretten-Konsumenten starben und mindestens 2175 Dampfer in 49-US-Bundesstaaten erkrankten? Die Antwort scheint endlich gefunden.

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Es gebe «direkte Belege» dafür, dass ein aus Vitamin E gewonnenes und den E-Zigi-Liquids beigemischtes Öl – sogenanntes Vitamin-E-Acetat (Tocopherylacetat) die Gesundheitsbeschwerden hervorgerufen habe, so Anne Schuchat, stellvertretende Direktorin der CDC, in einem Pressebriefing. Sie spricht von einem «Durchbruch».

Verdacht bestätigt

Bei einer Untersuchung von Proben von Lungenflüssigkeit von 29 Erkrankten aus 10 Bundesstaaten sei der Stoff in allen Proben gefunden worden. «Es handelt sich um das erste Mal, dass wir eine mögliche besorgniserregende Chemikalie in Proben von Patienten mit diesen Lungenkrankheiten entdeckt haben», teilt die CDC mit.

Schon früh hatte sich abgezeichnet, dass der Verursacher der schweren Lungenschäden in Liquids stecken könnte, die nicht aus dem regulären Handel stammen. Bereits Anfang September 2019 war der Verdacht auf Vitamin E gefallen, das in THC-haltigen Liquids nachgewiesen wurde. Auch 20 Minuten berichtete darüber.

Nun wurde dieser Verdacht bestätigt. Es seien jedoch weitere Untersuchungen notwendig, so das CDC. Es sei nicht auszuschliessen, dass auch weitere Chemikalien zu den Erkrankungen beitrügen.

«Wir hatten Glück, dass es solche Fälle nicht hier gab»


Herr Henkler-Stephani*, wie sicher ist es, dass das Vitamin-E-Acetat in den beanstandeten THC-Liquids für die Todesfälle verantwortlich ist?
Es wurde bei den schweren Fällen in der Lungenflüssigkeit nachgewiesen. Damit ist ein deutlicher Hinweis auf die Kausalität gegeben. Ein abschliessender Beweis ist das aber noch nicht. Auch andere Stoffe könnten eine Rolle spielen.

Was hat der Stoff im E-Zigi-Liquid zu suchen?
Nichts, vor allem nicht in so grosser Menge. In einigen Liquids lag der Vitamin-E-Acetat-Gehalt zwischen 31 und 88 Prozent. Gleichzeitig war der THC-Gehalt niedriger als angegeben. Das deutet darauf hin, dass der Stoff zum Strecken diente – womöglich als Folge von Ernteausfällen, Preissteigerungen und Lieferengpässen bei Cannabis, die es dieses Jahr in den USA gab.

Kann so etwas auch hierzulande passieren?
Sofern es sich um illegale oder Schwarzmarktprodukte handelt, wäre ich mir da nicht sicher. Zwar ist das Hinzufügen von Vitaminen in Liquids in Europa verboten. Den Schwarzmarkt interessiert das aber nicht. Ich kann nicht ausschliessen, dass auch in Europa Haschöl oder manipulierte Produkte mit speziell ausgerichteten Verdampfern konsumiert werden (siehe Box). Vielleicht hatten wir auch Glück, dass es solche Fälle nicht in Europa gab.

Müssen Dampfer Angst haben?
Nicht, wenn sie gängige E-Zigis und Liquids nutzen. Besonders sicher wäre es natürlich, bei Produkten zu bleiben, die bereits schon über Wochen und Monate ohne Probleme gedampft wurden. Man darf nicht vergessen: Wir reden hier nicht von Risiken des E-Zigi-Konsums, sondern von solchen, die sich aus besonderen Formen des Konsums von Cannabis ergeben haben. THC-Liquids sind öliger als klassische und nur mit angepassten Geräten, wie z.B. den sogenannten Oil Vape Pens, inhalierbar. Aber natürlich gibt es auch bei klassischen E-Zigaretten Risiken für die Gesundheit. Die sind zwar deutlich geringer als bei Tabakzigaretten, aber es gibt sie.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • mike am 19.11.2019 13:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    denken bevor man handelt

    1. jeder der sich mal t dampfen auch nur ein bisschen beschäftigt weiss das öl im liquid nichts zu suchen hat. 2. Jeder sollte schlau genug sein keine liquids von suspekten quellen zu beziehen.

  • Mr. Right (Official) am 19.11.2019 13:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ignorant

    Aber natürlich wurde zuerst mal scharf gegen Juul und Co. geschossen. Die Ignorante gesellschaft.

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  • M.Macher am 19.11.2019 13:12 Report Diesen Beitrag melden

    Gute dinge wollen weile haben.

    Das hat ja gedauert. Man könnte noch über 42 Drogentote reden und die E-Zigarette endlich mal aus dem Text streichen. Aber keine Vermischungen mit irgendwelchen Studien die damit nichts zu tun haben oder Gesetzesverschärfungen die allerhöchstens emotional damit zutuen haben, es geht langsam in die richtige Richtung.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Chris am 24.11.2019 09:35 Report Diesen Beitrag melden

    BAG: Spülen

    Und unser BAG? Ein einziger Durchlauferhitzer nur zuständig eigene Mitarbeiter auf eine saftige Pension vorzubereiten! Spülen, mit wenig Wasser!

  • Und wer weiss schon, was diese am 22.11.2019 14:18 Report Diesen Beitrag melden

    Betroffenen sonst noch so Zeugs

    Konsumierten, auch die Aufgliederung, ob und wie intensiv mit AIDS/Lepra,-auslösenden Tintenklecksereien (-inhaltsstoffen) kontaminiert, Fritten- Konsum dürfte da auch noch ein Faktor sein. Aber Prozentual zur Einwohnerzahl der US eine doch vernachlässigbare kleine Anzahl......

  • Influenced am 20.11.2019 16:44 Report Diesen Beitrag melden

    Selten so gelacht

    Jeder der E-Zigaretten raucht, sollte sich fragen ob die an den Haaren herbeigezogene Ziege wirklich verantwortlich ist, oder hier nur ein Opfer präsentiert wird, welches einer Milliarden-Industrie nicht schadet. Es wird Jahrzehnte gehen bis Kläger unwiederbringlich vor einem Gericht beweisen könnten, dass die E-Zigaretten verantwortlich sind. Bis dahin sind keine Produkte aus dem offiziellen Handel verantwortlich.

  • 3 Sterne Koch am 20.11.2019 11:50 Report Diesen Beitrag melden

    Ich bin auf der Arbeit

    täglichen dem Rauch von Öl ausgesetzt. Wo kann ich klagen?

    • Paplo-Ball am 23.11.2019 00:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @3 Sterne Koch

      Atemmaske anziehen oder Sie werden bald gar nicht klagen können.

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  • momo am 20.11.2019 08:06 Report Diesen Beitrag melden

    Was soll diese Aussage?

    "...dass wir eine mögliche besorgniserregende Chemikalie...entdeckt haben." Sonst ist Rauchen ja gesund!?