Bestäubungssystem

04. Juli 2014 13:45; Akt: 04.07.2014 13:45 Print

Vögel pudern ihren Kopf, statt Nektar zu trinken

In Zentral- und Südamerika haben Forscher einen neuen Bestäubungsmechanismus entdeckt. Den Unterschied macht ein sogenanntes Blasebalg-Organ.

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Die rosaroten Blüten der Axinaea-Bäume tragen farbige, zuckerhaltige Anhängsel an den Staubblättern. Packen Sperlingsvögel diese männlichen Fortpflanzungsorgane, aktivieren sie ein Blasebalg-Organ, das eine Pollenwolke ausstösst. Dabei bleibt Pollen an Schnabel und Kopf haften.

Macht sich der Vogel dann zu einer neuen Blüte auf, um dort ein weiteres Staubblatt zu fressen, berührt er dabei zwangsläufig das weibliche Organ — die Narbe — der anderen Pflanze und führt so die Bestäubung durch. Das berichten Forscher um Agnes Dellinger von der Universität Wien im Fachjournal «Current Biology».

«Wir waren erstaunt, dass die Vögel nicht wie bei den meisten anderen von Vögeln bestäubten Pflanzen Nektar trinken, sondern die Staubblätter von Axinaea fressen», so die Studienleiterin in einer Mitteilung der Hochschule.

Völlig neues System

Diese Methode unterscheide sich deutlich von bisher bekannten Vogelbestäubungssystemen, betonen die Forscher. Es sei bislang keine von Vögeln bestäubte Pflanze bekannt gewesen, die klar abgrenzbare Blasebalg-Organe zur Verbreitung von Pollen ausbildet.

Dem Vorgang kamen die Forscher mittels Videobeobachtungen, Bestäubungsexperimenten und Laboranalysen zu Aufbau, Struktur und chemischer Zusammensetzung der Staubblätter auf die Schliche.

Die Bäume der Gattung Axinaea gehören zu den Schwarzmundgewächsen mit insgesamt etwa 5000 Arten. Die meisten dieser Pflanzen werden von Bienen bestäubt. Lediglich etwa 100 Arten nutzen die Dienste anderer Tiere wie Käfer, Fliegen oder Kolibris zur Fortpflanzung.

(fee/sda)