Tierforschung

02. Dezember 2008 14:30; Akt: 02.12.2008 14:30 Print

Warme Ohren werden grösser

US-Forscher haben entdeckt, warum Wüstenfüchse längere Beine und grössere Ohren haben als ihre Verwandten aus den kalten Polargebieten: Die Umgebungstemperatur beeinflusst direkt das Knorpelwachstum.

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Je wärmer es sei, so wissenschaft.de, desto schneller wachse Knorpel. Da sich der Knorpel nach und nach in Knochen umwandelt, werden Ohren, Schwanz und Gliedmassen grösser. Bisher wurden die Unterschiede vor allem auf die Versorgung mit Nährstoffen und Wachstumsfaktoren zurückgeführt – schliesslich ziehen sich in der Kälte die Blutgefässe an der Körperoberfläche zusammen, um Energie zu sparen, berichten Maria Serrat von der Kent State University und ihre Kollegen.

Tiere aus kalten Regionen haben im Allgemeinen kürzere Gliedmassen und Schwänze sowie kleinere Ohren als nah verwandte Arten aus wärmeren Gefilden. Diesen Zusammenhang konnte der Zoologe Joel Allen schon vor mehr als 100 Jahren in der Allenschen Regel formulieren.

Kalt und klein, warm und gross

Die unterschiedlich grossen Körperanhänge sind ein evolutionäre Anpassung an die jeweilige Umgebung: In der Kälte profitieren die Tiere von einer kleineren Körperoberfläche, da sie so weniger Wärme verlieren. Umgekehrt kommt eine grosse Oberfläche, etwa durch grosse Ohren, Tieren in warmen Gegenden zugute, weil sie damit überschüssige Körperwärme leichter abführen können.

Die Forscher um Serrat liessen für ihre Studie Mäuse unter verschiedenen Umgebungstemperaturen zwischen 7 und 27 Grad Celsius aufwachsen. Das überraschende Ergebnis: Selbst Mäuse aus dem gleichen Wurf hatten nach acht Wochen messbar längere Beine und bis zu ein Zentimeter längere Schwänze, wenn sie im Warmen gehalten wurden.

Die Allensche Regel spiegelt demnach möglicherweise gar keine genetische Anpassung wider, sondern eher eine direkte körperliche Reaktion auf die Umgebungstemperatur, folgern die Forscher. Allerdings könne nicht ausgeschlossen werden, dass es sich dabei nur um einen von vielen Faktoren handele und etwa bei den Tieren der Arktis zusätzlich genetische Veränderungen vorlägen.