Ernst gemeinter Rat

06. Juli 2019 18:57; Akt: 06.07.2019 18:57 Print

Warum du öfter mal ins Meer pinkeln solltest

Wasser lassen, wo andere Menschen baden? Das ist laut Forschern aus den USA völlig okay. Hier ist die Erklärung.

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«Bitte hier nicht urinieren» – das gilt laut amerikanischen Forschern nicht fürs Meer. Denn wer sich im Wasser erleichtert, tut diesem noch etwas Gutes – unter anderem weil durch die im Urin enthaltenen Stoffe das Wachstum von Wasserpflanzen angeregt wird. Ausserdem kann man den Harndrang sowieso nicht ewig zurückhalten. Zwar kann die menschliche Blase nicht platzen. (Im Bild: ein platzender Luftballon) Aber irgendwann gibt jede Blase dem Druck nach – man nässt sich ein. Das ist die medizinische Erklärung: ... Für den unangenehmen Druck im Unterleib sorgen Dehnungssensoren in der Blasenwand (zartlila). Diese stossen bereits bei halb gefüllter Blase an das Rückenmark, ... ... welches die Information dann ans Gehirn weiterleitet und ihm mitteilt, dass es an der Zeit wäre, sich zu erleichtern. Und das immer eindringlicher. Dass während dieser Phase kein Unglück geschieht, dafür sorgt der Schliessmuskel. Doch irgendwann gibt er nach und der Urin läuft aus: Man macht sich in die Hose, in der Regel lange bevor sich die Blase völlig füllt. Damit ist es höchst unwahrscheinlich, dass selbige platzt. In den wenigen Fällen, in denen es trotzdem passierte, spielten immer äussere Einflüsse wie Schläge oder Stürze eine Rolle. Ganz unproblematisch ist langes Einhalten allerdings auch nicht: Denn nur wer die Blase regelmässig leert, der spült auch eventuelle Bakterien heraus und verhindert deren Vermehrung. Das ist auch der Grund, weshalb man Frauen, die oft unter Blasenentzündungen leiden, rät, trotz der Schmerzen regelmässig das WC aufzusuchen. Auch sonst kommt dem weiblichen Geschlecht eine Sonderrolle zu: Weil sich in ihrem Bauchraum die Gebärmutter befindet, ist ihre Blase auf nur etwa 250 bis 550 Milliliter begrenzt. Die der Männer hingegen kann rund 350 bis 750 Milliliter fassen. Danach wird es unangenehm. Das Fassungsvermögen der weiblichen Blase verringert sich während eine Schwangerschaft übrigens weiter, ... ... weil dann die Gebärmutter zusätzlich auf die Blase drückt. Entspannung gibt es dafür in der Nacht. Denn dann kann die Blase etwa doppelt so viel Urin wie tagsüber halten. Dafür muss es am Morgen dann meistens schnell gehen.

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Sich im Meer zu erleichtern, ist laut US-Wissenschaftlern völlig in Ordnung – genauso wie das Wasserlassen unter der Dusche. Mehr noch: Die Forscher der American Chemical Society (ACS) befürworten das Urinieren ins Meer sogar ganz offiziell in einem Video (siehe unten). 20 Minuten hat ihre Argumente zusammengefasst:

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Hast du auch schon mal ins Meer gepinkelt?

1. Argument

Wenn man seinem Harndrang im Meer nachgibt, fügt man diesem nichts hinzu, was nicht ohnehin schon drin ist.

Anders ausgedrückt: Unser Urin besteht zu 95 Prozent aus Wasser (H2O). Auf einen Liter Urin kommen darüber hinaus noch etwa ein bis zwei Gramm Natrium und Chloride. Nachdem das Meerwasser zu 96,5 Prozent aus H2O besteht und eine höhere Konzentration an Chloriden und Natrium aufweist, ändert sich sozusagen nichts an der Zusammensetzung.

2. Argument

Auch die Angst, dem Meerwasser durchs Wasserlassen womöglich Schadstoffe hinzuzufügen, nehmen die Wissenschafter.

Ihre Begründung: Selbst wenn jeder Mensch dieser Erde zeitgleich ins Meer pinkeln würde, würde der dadurch ausgeschiedene Harnstoff – das Hauptabfallprodukt unseres Urins – gerade einmal ein 60-Billionstes der gesamten Wassermenge (350 Trillionen Liter!) ausmachen. Zudem sei dieser ungiftig.

3. Argument

Im Harnstoff sind fast 50 Prozent Stickstoff enthalten. Dieser verbindet sich mit Wasser, um Ammonium zu produzieren. Das wiederum wird von Wasserpflanzen und Algen als Nährstoff aufgenommen.

Das heisst konkret:Das Pinkeln ins Meer fügt diesem nicht nur keinen Schaden zu, sondern kommt dem Wachstum der Pflanzen sogar noch zugute.

4. Argument

Das letzte Argument dürfte auch die letzten Zweifler überzeugen: Wenn wir im Ozean schwimmen, baden wir laut den Forschern nämlich ohnehin in Urin. Schliesslich pinkelt jedes einzelne noch so kleine Meerestier ins Meer. Genauso wie die grossen: Ein Wal beispielsweise lässt tagtäglich stolze 970 Liter Urin ins Meer ab. «Wenn dadurch also kein Schaden angerichtet wird, dann richten wir Menschen erst recht keinen an», erklären die Wissenschaftler.


Im Clip findest du das ganze Argumentarium der Forscher – in der Bildstrecke oben ein weiteres, bisher nicht erwähntes. (Video: Youtube/Reactions)

(heute.at/ek/fee)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Melanie am 06.07.2019 19:13 Report Diesen Beitrag melden

    Mit gutem Gewissen

    Juhuu dann brauch ich ja kein schlechtes Gewissen mehr zu haben. Muss gerade an meine Kollegin denken, die ins Meer pinkeln ein absolutes no-go findet und am Strand jeweils immer schön die Strandtoilette aufgesucht hatte, deren Inhalt wahrscheinlich ein paar Stunden später im Meer entleert wird. Im See und Meer finde ich es okay, aber bitte nicht im Schwimmbad.

  • Biene Maja am 06.07.2019 19:41 Report Diesen Beitrag melden

    Müllhalde Meer

    Wenn doch nur Urin im Meer landen würde...

  • Urinator am 06.07.2019 20:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kalter Kaffee

    Da wo ich immer hinpinkle steht jetzt ein Urwald....

Die neusten Leser-Kommentare

  • Nationless am 08.07.2019 00:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Aber bitte nicht im Zürisee

    Es kommt immer auf die Menge drauf an. Da könnte man gerade so ungeklärten Abwässer ins Meer leiten, welche eben durch den Stickstoff aus unseren Ausscheidungen das Algenwachstum beschleunigt. Das muss nicht sein, denn die Meere sind schon überdüngt. Urin macht selbst unsere Kläranlagen zu schaffen indem diese den Stickstoff nicht fällen können und trotzdem die Gewässer zusammen mit der Landwirtschaft überdüngen. Man denke an die überfüllten Strände, wenn da jeder reinpinkelt, zusammen mit schlechten Klärwerke, plus Litering im Meer. Pfui.

  • wildfox am 06.07.2019 22:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Pinkler

    Ich pinkle gerne ins Meer und geniesse auch gerne mal einen Schluck Salzwasser. Thank you buddies for peeing!

  • Chris Fisiklehrer am 06.07.2019 22:27 Report Diesen Beitrag melden

    Mit dem Wasserlassen

    habe ich absolut kein Problem. Überall ist es OK, nur im Winter am Strassenrad, vor der Beiz gefallen mir diese gelben Spuren nicht besonders. Gefährlich würde es nur, wenn alle 7 Milliarden ins Meer pinkeln. Dadurch würde der Meeres Spiegel um etwa 2-3 cm. pro Jahr steigen.

  • Bisifischi am 06.07.2019 22:24 Report Diesen Beitrag melden

    Achtung

    In einigen tropischen Ländern, gibts ein Fisch, der gerne pinkelnden Münner in die Harnröhre schwimmt. Ist sehr schmerzhaft.

  • Der gute am 06.07.2019 22:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Macht nix

    Das mache ich sogar im Rhein und die Fische machens ja auch.