Uni Zürich

10. März 2011 23:00; Akt: 10.03.2011 19:31 Print

Was das Glück im Leben ausmacht

von Martina Huber - Was macht uns glücklich? Psychologen der Uni Zürich haben ältere Menschen zu den Höhen und Tiefen ihres Lebens befragt.

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Der Blick zurück hat einen therapeutischen Effekt. (Foto: Istock)

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Seit 2003 ist eine Gruppe von Psychologen der Uni Zürich dem Glück auf der Spur. Sie liessen acht Frauen und sieben Männer – alle psychisch gesund und über siebzig Jahre alt – auf ihr Leben zurückblicken und erzählen: Was machte sie glücklich? Und wie gingen sie mit schweren Situationen um?

Die Antworten waren sehr individuell. Doch insgesamt überraschte Studienleiterin Marie-Luise Hermann, wie wenig sich die Glücksvorstellungen der beiden Geschlechter unterschieden: Zentral waren Erfolg im Beruf sowie die Familie. Hermann hätte nicht erwartet, dass die Männer dieser Generation den Erlebnissen mit der Familie sowie dem Zusammenleben mit der richtigen Partnerin einen so hohen Stellenwert einräumen würden – und dass andererseits den Frauen die berufliche Selbstverwirklichung so wichtig wäre.

Weiter stellt die Studienleiterin fest: «Am zufriedensten waren diejenigen, die einen schweren Schicksalsschlag erlitten und diesen bewältigt haben.» So verlor eine der Befragten ihr erstes Kind. Mit Unterstützung aus ihrem sozialen Umfeld, mit persönlichen Trauerritualen und dem Glauben schaffte sie es, diesen Verlust zu bewältigen. Schliesslich brachte sie noch einmal Kinder zur Welt – und ist heute sehr glücklich.

Eine andere Befragte litt seit der Geburt an einer körperlichen Behinderung. Sie liess sich aber nicht in die Rolle der «armen Tante» drängen, sondern erlernte einen Beruf und arbeitete als Laborantin unter anderem in der Entwicklungszusammenarbeit. Auch sie blickt heute sehr zufrieden auf ihr Leben zurück.

Hermann rät auch Jüngeren, zwischendurch bewusst das eigene Leben zu reflektieren: «Es hat einen therapeutischen Effekt, sich die schönen Ereignisse und die damit verbundenen Glücksgefühle noch einmal ins Gedächtnis zu rufen.» Das helfe auch, schwierige Situationen im Gesamtzusammenhang zu sehen und mit der Zeit zu bewältigen.