Djatlow-Pass

13. Februar 2019 21:26; Akt: 13.02.2019 21:26 Print

Was ist damals am «Berg des Todes» passiert?

von F. Riebeling - Vor 60 Jahren starben am Djatlow-Pass in Russland neun Studenten einen grauenvollen Tod. Nun soll ermittelt werden – irgendwie.

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60 Jahre ist es her, dass am Djatlow-Pass in Russland eine Gruppe Wanderer unter bis heute ungeklärten Umständen ums Leben kam. Nun sollen neue Ermittlungen Licht ins Dunkel der Geschehnisse am «Berg des Todes» bringen. Was man bisher weiss: Acht Männer und zwei Frauen wollten 1959 zum Berg Otorten im Ural wandern. Doch dort kamen sie nicht an. Stattdessen wurden sie später tot und grob entstellt aufgefunden. Die Umstände sind bis heute ungeklärt. Von ihrem schlimmen Schicksal ahnte die Truppe – hier gemeinsam mit ihren Unterstützern – vor Antritt der Expedition nichts. Zwar galt die Route damals aufgrund des Wetters und des hohen Schnees zu dieser Jahreszeit als sehr schwierig, aber Grund zur Sorge hatte keiner der Expeditionsteilnehmer. Sie waren alle erfahren und freuten sich auf das bevorstehende Abenteuer. Als Juri Judin nach kurzer Zeit verletzungsbedingt aufgab, zogen seine Freunde zu neunt weiter. Wegen schlechter Wetterbedingungen kamen sie jedoch schnell von der geplanten Route ab. Eigentlich wollten sie schon am ersten Tag den Djatlow-Pass überqueren, ... ... aber stattdessen errichteten sie ihr Nachtlager beim Berg Kholat Syakhl (Berg des Todes) – ein tödlicher Fehler, denn keiner von ihnen überlebte die Nacht. Als die Leichen der Studenten in den eisigen Berghängen gefunden wurden, wiesen sie unglaubliche Verletzungen auf. Die Körper der Toten waren teilweise unbekleidet, ihre Schädel eingeschlagen, die Rippen gebrochen. Einem Opfer fehlten Zunge und Augen. Kampf- oder auf das Lager zulaufende Spuren fanden die Entdecker nicht. Tests zeigten eine hohe radioaktive Verstrahlung der Kleidungsstücke der über Nacht ergrauten Opfer. Was mit den neun Bergsteigern passiert ist, ist bis heute offen, was Spekulationen befeuert. Während die offiziellen Stellen bis heute beteuern, die Studenten seien eines natürlichen Todes gestorben, verdächtigen andere wahlweise das Nomadenvolk der Mansen, biologische Phänomene wie die sogenannte Hyperthermie-Demenz, Blitze oder den russischen Yeti. Andere wiederum sind davon überzeugt, dass das Massaker die Tat von Ausserirdischen gewesen ist. Doch es gibt auch die These, dass die Gruppe von einer streng geheimen, sowjetischen Waffe getötet worden sein soll. Eine nachvollziehbare Haltung, die zumindest eine Erklärung für die radioaktive Kontamination, die plötzliche Alterung und das abwiegelnde Verhalten der offiziellen Stellen liefern würde.

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16 Tage – so lange hätte die Wanderung der russischen Studenten zum Berg Otorten im Uralgebirge eigentlich dauern sollen. Doch die jungen Männer und Frauen, die am 25. Januar 1959 aufgebrochen waren, kamen nie am Ziel an.

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Stattdessen starben sie in der Nacht auf den 2. Februar 1959 unter mysteriösen Umständen. Zwar sprachen die offiziellen Stellen seither davon, dass sie erfroren seien. Doch bis heute gibt es Zweifel an der Version.

Radioaktivität widerspricht offizieller Todesursache

So waren die Leichen teilweise nackt, ihre Schädel eingeschlagen und die Rippen gebrochen. Einer Leiche sollen Zunge und Augen gefehlt haben. Zudem waren die Toten über Nacht ergraut und ihre Kleidung strahlte radioaktiv. (Die gesamten Umstände von damals lesen Sie hier)

60 Jahre später haben die russischen Behörden erklärt, Licht ins Dunkel bringen zu wollen. So sollen in den kommenden Monaten drei mögliche Ursachen neu untersucht werden: Lawine, Wirbelsturm und Schneebrett.

Konkrete Pläne, kritische Stimmen

Dafür wollen sie in einem sogenannten Reenactment-Experiment den vermuteten Ablauf jener Nacht nachspielen und mithilfe alter Medienberichte und Zeitzeugenaussagen das Verhalten der Opfer in Extremsituation neu einschätzen. Auch deren Exhumierung ist angedacht.

Der Plan gefällt nicht allen. Kritiker monieren, dass von den zahlreichen Theorien ausgerechnet die drei geprüft werden sollen, die damals bereits ausgeschlossen worden waren und am wenigsten wahrscheinlich sind.

Im Film «Devil's Pass» (2014) will eine Gruppe US-Studenten den Todesfällen am Djatlow-Pass auf den Grund gehen – und kommt selbst ums Leben. (Video: Ascot Elite Entertainment)

Jede Menge absurde Theorien

Theorien zu der Nacht, in der die neun Studenten zu Tode kamen, gab und gibt es viele. Tatsächlich soll es im Laufe der Zeit bis zu 90 verschiedene Erklärungsversuche gegeben haben. So könnten etwa die Zelte von Blitzen getroffen worden sein, was bei der Wandertruppe zu Verwirrung und Panik geführt haben könnte. Das würde zumindest die zerrissene Kleidung der Opfer und das Fehlen der Augen und Zungen erklären.

Zwischenzeitlich war der Verdacht auch auf das Nomadenvolk der Mansen gefallen, die im Norden des Urals leben. Sie wurden verdächtigt, die Wanderer ermordet zu haben. Allerdings fanden sich nie Belege für diese Annahme.

Eine weitere Erklärung hat die sogenannte Hyperthermie-Demenz im Fokus. Wer eine solche entwickelt, überhitzt plötzlich, vergisst, wie kalt es wirklich ist und entkleidet sich. Das hätte im Fall der Studenten tatsächlich tödlich geendet. Denn in jener Nacht herrschten in der Unglücksregion Temperaturen um minus 25 Grad Celsius.

Geheime Raketenstarts?

Forscher und Dokumentarfilmer Mike Libecki hingegen glaubt, dass der Menk die jungen Leute tötete. So nennen die Russen den Yeti.

Eine weitere Theorie stammt von dem UFO-Experten Paul Stonehill. Er ist davon überzeugt, dass es das Werk von Ausserirdischen gewesen ist. «Diese Menschen wurden ermordet. Aber der Täter war kein Mensch.» Dafür sprächen die Berichte von anderen Wanderern, die von orangefarbenen Kugeln am Himmel berichtet hatten.

Geheime sowjetische Waffe

Auf die Feuerkugeln am Himmel stützt sich auch eine weitere Theorie. Laut dieser könnte die Gruppe von einer streng geheimen, sowjetischen Waffe getötet worden sein. Zwar ist dies von den Behörden immer bestritten worden, doch es gibt auch andere Stimmen – wie die von Ria Bartholomej, der Frau eines der Weggefährten der Opfer.

Sie bezieht sich dabei auf ein Buch des russischen Militärs, wie Stern.de sie unter Berufung auf eine russische Nachrichtenagentur zitiert: «Uns wurde weisgemacht, dass es Anfang Februar [1959] keine Raketenstarts gab, und plötzlich taucht ein Buch auf, das auf 1204 Seiten alle Raketenstarts dieser Zeit dokumentiert.»

Demnach kam es am 2. Februar um 6 Uhr morgens während eines Raketenstarts von Kapustin Jar – einem einst sowjetischen und jetzt russischen Raketentestgelände – zu einer Notsituation, nach welcher das Manöver abgebrochen werden musste. Möglicherweise sind die Wanderer deswegen ums Leben gekommen.

War der Geheimdienst am Werk?

Ob es sich bei der erwähnten Rakete um eine mit Atomsprengköpfen handelte, ist nicht überliefert. Und so gibt es auch verschiedene Ansätze, die radioaktiv strahlende Kleidung der Opfer zu erklären.

Während einige Quellen davon sprechen, die Radioaktivität stamme aus atomaren Forschungsstätten, in denen mehrere Opfer gearbeitet haben sollen, vermuten andere wie der Buchautor mit dem Pseudonym Aleksej Rakitin, dass es etwas mit dem sowjetischen Geheimdienst, dem KGB, zu tun haben könnte.

Wie Rakitin in seinem 2018 auf Deutsch erschienenen Buch «Die Toten vom Djatlow-Pass. Eines der letzten Geheimnisse des Kalten Krieges» schreibt, hatten drei der Wanderer Verbindungen zum KGB und sollten eine auf Pullovern und Hosen angebrachte Probe mit radioaktiven Strontium-90s an westliche Geheimagenten übergeben. Jedoch sei der Plan gescheitert und die Truppe habe umgebracht werden müssen.

Ob an all den Theorien etwas dran sein könnte oder ob sie ins Reich der Verschwörungstheorien gehören, ist nach wie vor offen. Es ist jedoch fraglich, ob die neu angestossene Untersuchung hier Klärung bringen kann.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Typisch am 13.02.2019 22:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Russland

    Der eine hat keine Augen und Zunge mehr, der andere hat alles gebrochen, der nächste ist verstrahlt und ein weiterer noch Nackt....ja, untersuchen wir auf Lawinen und Wirbelstürme

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  • guiop am 13.02.2019 21:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    grausig

    Ich habe eine Dokumentation darüber geschaut die alle Bilder der Leichen zeigte.... Ich konnte danach nicht mehr einschlafen. Grausig diese Bilder und ein extrem Interessantes Thema

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  • Svea am 13.02.2019 21:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Interessant

    Ich rechne nicht damit dass die die Wahrheit finden oder finden wollen. Sehr spannend trotzdem

Die neusten Leser-Kommentare

  • Ameliore am 14.02.2019 19:38 Report Diesen Beitrag melden

    Wie soll ein Blitzeinschlag

    das Fehlen der Zunge erklären? In der Wildnis werden auch Menschen, einmal gestorben, schnell zur Beute von Aasfressern. Der Zustand der Leichen, die nach ein paar Tagen erst gefunden wurden, gibt also kaum Auskunft über die tatsächliche Todesursache.

    • Mart am 14.02.2019 19:46 Report Diesen Beitrag melden

      Verwessung und Assfrass.

      Ein paar Tagen? Die Leiche mit der fehlenden Zunge wurde 2 Monate! später gefunden.

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  • qwertz am 14.02.2019 13:21 Report Diesen Beitrag melden

    Mythen Metzger schauen

    der Youtuber "Mythen Metzger" hat einige sehr gute Videos zum Thema Djatlov Pass gemacht, sehr sehenswert. Auf dem Kanal hat es auch noch zu anderen Mythen-Themen viele gute Videos.

  • Mart am 14.02.2019 11:17 Report Diesen Beitrag melden

    Banaler Unfall

    Am wahrscheinlichsten ist das sie in der Nacht in Panik geraten sind und dann fluchtartig das Zelt verlassen haben. Die Frage ist nun warum sie in Panik geraten sind und warum sie nicht mehr zu den Zelten zurück gingen. Für die Panik könnte ein Naturereignis (z.b. Lawine) verantwortlich sein, dafür das sie die Zelte nicht mehr gefunden haben die Dunkelheit und ein Schneesturm, alles andere läst ich plausibel erklären.

    • Wortlimite. Es geht weiter mit natürlich am 14.02.2019 13:32 Report Diesen Beitrag melden

      Einfache, dokumentierte Erkärung

      Es gab in der Nacht vermutlich eine unerwartete Rauchentwicklung. Der Ofen war eine Eigenkonstruktion. Das Zelt wurde VON INNEN zerschnitten. Erst Öffnungen um den Rauch ab ziehen zu lassen (Fotos) dann ein grosses Loch (Foto) um schnell raus zu kommen ohne zu ersticken. Das Zelt war zerstört und einige Kleider verbrannt (Foto aus der Kamera der verunfallten Gruppe). Als sie aus dem Zelt raus waren sind sie RUHIG und GEORTNET, ohne Eile abgestiegen um in den Wald zu kommen (Fotos von Spuren die belegen das keine Panik herrschte). Danach hetten sie keine richtige Ausrüstung mehr für -25Grad.

    • asdf am 14.02.2019 14:57 Report Diesen Beitrag melden

      wie plausibel erklärst du

      die Verstrahlung bei einem der Toten?

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  • Marco Stadler am 14.02.2019 10:54 Report Diesen Beitrag melden

    Es gibt auch weniger abstruse Theorien

    Eine der gängigsten Theorien wird hier nicht erwähnt. Ist vielleicht nicht gruselig genug, dafür aber nachvollziehbar: Viele Experten sehen mittlerweile Infraschall als Ursache des Todes der Wanderer an. Spezielle Windsituationen sollen Geräusche weit jenseits des Hörbaren erzeugt haben. Dies hätte anschließend zu einer Panik im Zelt gefühlt. Tiefe Infraschall-Emissionen erzeugen Ohrendruck, Vibrationen sowie Angst- oder Unsicherheitsgefühle bis hin zu Panikattacken. Das hat die Wanderer vielleicht panisch in die Nacht laufen lassen, ohne sich um entsprechende Kleidung zu kümmern.

    • Ivan am 14.02.2019 12:11 Report Diesen Beitrag melden

      Genau so

      DANKE. War ganz bestimmt so. Infraschall ist auch der Grund für 99% von Geistererscheinungen oder sonstigen unerklärlichen Phänomenen

    • Valiant Thor am 14.02.2019 16:13 Report Diesen Beitrag melden

      das Erklärt aber nicht die Erscheinung

      welche die Gruppe auf dem Weg zum Pass hinter sich fotografiert hatten. Wobei so ein Monster theoretisch sicher auch infraschall Laute produzieren könnte.

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  • Heidi Heidnisch am 14.02.2019 10:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Irrsinn

    In den frühen 90-igern ist in Goa ein Martial Art Trainer durchgedreht und hat die 7 anwesenden Schüler mit dem Beil umgebracht. Er ist nie verhaftet worden. So etwas könnte auch in diesem Fall geschehen sein. Entweder ist der Täter entkommen oder hat sich selbst gerichtet.

    • Sensationsgier am 14.02.2019 13:36 Report Diesen Beitrag melden

      An drei verschiedenen Tatorten?

      Die Leute sind an verschiedenen Orten gestorben. Der Täter müsste also dreimal durchgedreht sein. Und die "Verstrahlung" der zwei Nuklearwerkstattarbeiter (NICHT das ganze Team war "verstrahlt" war gerade mal auf dem Grenzwert der natürlichen Strahlung. Also kurzfristig völlig harmlos.

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