Richard III.

13. Februar 2014 05:37; Akt: 13.02.2014 11:40 Print

Was ist in der DNA eines Königs und Tyrannen?

Im August 2012 wurden die Gebeine von Richard III. gefunden, der England Ende des 15. Jahrhunderts regiert hatte. Forscher wollen nun sein gesamtes Erbgut entschlüsseln.

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Das Modell von Richard III. (1452 – 1485), der 1483 den englischen Thron bestieg, aber bereits mit 32 Jahren in der Schlacht von Bosworth 1485 den Tod fand. Das früheste Porträt des Königs, das bis heute überdauert hat. Es zeigt eine gewisse Ähnlichkeit mit der Rekonstruktion der Wissenschaftler. Geleitet wurde die Rekonstruktion von der Professorin Caroline Wilkinson von der Universität von Dundee in Schottland. Finanziert wurden die Arbeiten von der Richard-III.-Gesellschaft. Bild: Die Autorin Philippa Langley von der Richard-III.-Gesellschaft präsentiert das Modell in London. Erst am 4. Februar 2013 hatte die Universität Leicester bekannt gegeben, dass es sich bei einem im vergangenen September unter einem Parkplatz der Stadt gefundenen Skelett um die jahrhundertelang verschollenen Überreste Richards III. handelt. Dies ergab ein DNA-Vergleich mit einem Nachfahren des Königs sowie eine Radiokarbonuntersuchung. Nun streiten sich die englischen Städte York und Leicester um die Gebeine von König Richard III. Zunächst hatte es geheissen, die sterblichen Überreste sollten in der Kathedrale von Leicester beigesetzt werden. Dann meldete York Ansprüche an: Richard III. war ein Spross des Adelshauses von York, er müsse daher in dieser Stadt seine letzte Ruhe finden. Die Richard III.-Gesellschaft bemüht sich um eine historische Neubewertung der Rolle des Königs. William Shakespeare hatte ihn als buckligen Thronräuber dargestellt, der über Leichen ging. Viele Historiker halten das Bild für überholt. Mit dem Tod Richards des III. endete die Epoche der Rosenkriege, in der sich zwei Nebenlinien der Plantagenet-Dynastie – die Häuser York und Lancaster – einen jahrzehntelangen blutigen Machtkampf geliefert hatten.

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Im August 2012 fanden Archäologen unter einem Parkplatz im mittelenglischen Leicester bei Grabungen ein Skelett. Anhand von DNA-Spuren aus den Knochenresten konnten sie nachweisen, dass es sich um die jahrhundertelang verschollenen Überreste von König Richard III. handelt. Mehr als 500 Jahre nach seinem Tod wollen britische Forscher sein gesamtes Erbgut entschlüsseln.

Das Team um die Genetikerin Turi King erhofft sich unter anderem Aufschluss über Haar- und Augenfarbe des englischen Monarchen sowie über die Frage, ob seine berühmte Wirbelsäulen-Verkrümmung angeboren war. «Die Entschlüsselung seines Erbguts ist ein einzigartiges Projekt», erklärte King am Dienstag. «Es lehrt uns nicht nur eine Menge über Richard III., sondern treibt auch die Diskussion voran, was die DNA über unsere Identität, unsere Vergangenheit und unsere Zukunft verrät.»

Das gesamte Erbgut einer historischen Persönlichkeit

Es ist das erste Mal, dass auf der Basis von DNA-Spuren das gesamte Ergbut einer historischen Persönlichkeit entschlüsselt werden soll. Umgerechnet 120'000 Euro werden für das einjährige Projekt veranschlagt, die Kosten übernehmen die beiden Fonds Wellcome Trust und Leverhulme Trust.

Richard III. war nach seinem Tod in der Schlacht von Bosworth nackt auf einem Pferd nach Leicester gebracht worden, um den Hass auf den Herrscher zur Schau zu tragen. Historiker gingen davon aus, dass er in einer Franziskaner-Kirche bestattet wurde, die im 16. Jahrhundert zerstört wurde.

Das Skelett wurde an einer Stelle exhumiert, an der vermutlich der Chor der Kirche stand. Über seine künftige Ruhestätte ist inzwischen ein Gerichtsstreit entbrannt. Richard III. hatte England von 1483 bis 1485 regiert und wurde durch das gleichnamige Drama von William Shakespeare unsterblich, der ihn als blutrünstigen und machtbesessenen Herrscher darstellte.

(lmm/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Karl am 13.02.2014 22:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Der Arme

    Warum beerdigen die einen König unter einem Parkplatz? War wohl nicht sehr beliebt.

  • Louise am 13.02.2014 08:23 Report Diesen Beitrag melden

    Germanische Physiognomie

    Den haben sie schön rekonstruiert. Sieht ziemlich selbstbewusst und kämpferisch aus, mit angelsächsischen Lippen und einem (irgendwie) Habsburger-Kinn. Die waren zwar nicht mit im Spiel, aber das Kinn hat trotzdem Ähnlichkeit.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Karl am 13.02.2014 22:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Der Arme

    Warum beerdigen die einen König unter einem Parkplatz? War wohl nicht sehr beliebt.

  • Louise am 13.02.2014 08:23 Report Diesen Beitrag melden

    Germanische Physiognomie

    Den haben sie schön rekonstruiert. Sieht ziemlich selbstbewusst und kämpferisch aus, mit angelsächsischen Lippen und einem (irgendwie) Habsburger-Kinn. Die waren zwar nicht mit im Spiel, aber das Kinn hat trotzdem Ähnlichkeit.

    • Päde am 13.02.2014 14:29 Report Diesen Beitrag melden

      Nicht angelsächsisch

      Richard III. stammt aus dem Hause Plantagenet, da ist nicht viel Angel Sachsen drin, das Geschlecht kommt aus Frankreich, also Franken udn die eingeheirateten Damen kommen von überall aus Europa, z.B. Spanien etc. In England waren zu dieser Zeit nur noch die niederen Ränge Angel Sachsen.

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