«Stinkender Fluggast»

29. Juni 2018 20:09; Akt: 30.06.2018 00:28 Print

Was lässt lebende Menschen verfaulen?

von Fee Riebeling - Nicht fehlende Hygiene, sondern eine tödliche Infektion liess einen russischen Fluggast so stark stinken, dass sein Flugzeug notlanden musste.

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Sushi-Fans werden das nicht gerne hören: Über den rohen Fisch können auch fleischfressende Bakterien wie Vibrio vulnificus in den menschlichen Körper gelangen. Diese Erfahrung musste jetzt auch ein 71-jähriger Mann aus Südkorea machen. Zwölf Stunden nach seinem Sushi-Mahl schwoll plötzlich seine linke Hand stark an und fing an zu schmerzen. Kurz darauf bildeten sich auf dem gesamten Unterarm Blutergüsse und Blasen, von denen eine so gross wie ein Golfball wurde. Weil Aufstechen der Blasen, Entfernung des infizierten Gewebes und Antibiotika nicht den gewünschten Erfolg brachten, entschlossen sich die behandelnden Ärzte, den betroffenen Arm zu amputieren. Wie eine nekrotisierende Fasziitis auch enden kann, zeigt ein Fall von Anfang Juni 2018: Weil ein russischer Passagier übel stank, musste ein Flugzeug notlanden. Der Mann litt an einer Nekrotisierenden Fasziitis, an der er einen knappen Monat später starb. Welches Bakterium für den Tod des Mannes verantwortlich ist, konnte laut Medienberichten nicht geklärt werden. Es gibt verschiedene Auslöser für eine Nekrose, die Unterhaut und Muskelstränge nach und nach verfaulen lässt. Da ist zum Beispiel der Erreger Vibrio vulnificus (im Bild), der über infizierte rohe Meeresfrüchte oder Wunden in den Körper gelangt. Seinetwegen verlor Richard Empson (M.) ein Bein. Er hatte sich beim Fischen in seichtem Wasser an der Küste von Mississippi angesteckt. Das Problem ist, dass man es oft nicht gleich merkt, wenn sich die Bakterien am Körper zu schaffen machen. Zudem schreitet der Verlauf rasch fort. (Im Bild: Der Knöchel eines anderen Patienten, zwischen den Bildern liegen nur wenige Stunden) Ein weiterer Verursacher einer Nekrose ist das Bakterium Mycobacterium ulcerans. Es löst die Hautkrankheit Buruli-Ulkus aus, die zu offenen Geschwüren führt, und ist eng mit dem Erreger von Tuberkulose und Lepra verwandt. Oft bleiben die Betroffenen entstellt. (Im Bild: Erkrankte Person aus Afrika). Auch zu einer Amputation kann eine Infektion mit dem Bakterium Aeromonas führen. Dies musste die Amerikanerin Aimee Copeland erfahren. Sie hatte sich bei einem Ausflug an den Fluss Tallapoosa im US-Bundesstaat Georgia an der Wade verletzt – und dabei mit dem Erreger infiziert. Die Diagnose: nekrotisierende Fasziitis.

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Ende Mai musste ein Flugzeug der Airline Transavia im portugiesischen Faro notlanden, weil der intensive Geruch eines Russen andere Passagiere nach Luft ringen und kollabieren liess.

Gut einen Monat später wird bekannt: Schuld an dem penetranten Körpergeruch Andrej Suchulins war nicht mangelnde Hygiene, sondern eine bakterielle Infektion, die seine Haut verfaulen liess und schliesslich zum Tod des 58-jährigen Musikers führte.

Nekrotisierende Fasziitis

Wo sich Suchulin mit den todbringenden Bakterien infiziert hat, ist unklar. Es ist aber davon auszugehen, dass er sich eine nekrotisierenden Fasziitis eingefangen hat. Dabei handelt es sich um eine sehr heftig verlaufende Infektionskrankheit der Unterhaut und Muskelstränge. Im schlimmsten Fall frisst sie sich durch den Körper und lässt ihn nach und nach verfaulen.

Die Erkrankung, die mit unspezifischen Symptomen beginnt, kann durch verschiedene Bakterien ausgelöst werden.

Vibrio vulnificus

Im Brack- und Meerwasser lauert beispielsweise das Bakterium Vibrio vulnificus. Es vermehrt sich bei Wassertemperaturen über 20 Grad und kann – einmal im Körper – schwere Wundinfektionen sowie Blutvergiftungen auslösen und zum Tod führen, wie bei Michael Funk aus den USA. Der hatte sich beim Krabbenfischen an der Küste vor Ocean City (US-Bundesstaat Maryland) infiziert und verstarb vier Tage später.

Schon ein Ameisenbiss reicht, damit das Bakterium vom Wasser in den Körper gelangen kann. Die zweite, häufigere Art einer Übertragung ist der Verzehr von rohen infizierten Meeresfrüchten wie zum Beispiel Austern.

Mycobacterium ulcerans

In Australien bereitet derzeit das Bakterium Mycobacterium ulcerans Sorgen, weil es sich dort immer weiter und immer rascher ausbreitet – vor allem bei den unter 15-Jährigen. Es löst die Hautkrankheit Buruli-Ulkus aus, die zu offenen Geschwüren führt und eng mit dem Erreger von Tuberkulose und Lepra verwandt ist.

Auch wenn die Existenz des Erregers seit 1948 bekannt ist, ist bis heute unklar, wie er übertragen wird. Weil häufig Menschen in der Nähe von Flüssen, Seen und Tümpeln erkranken, vermuten Experten, der Erreger könnte im Wasser leben. Auch die Übertragung durch Mücken ist vorstellbar, genauso wie jene durch Opossums oder deren Kot.

Buruli-Ulkus tritt nicht nur in Australien auf, sondern auch in Neuguinea, Japan und Afrika.

Aeromonas hydrophila

Dass auch mit dem für den Menschen eigentlich harmlosen Bakterium Aeromonas hydrophila nicht zu spassen ist, zeigt der Fall Aimee Copeland: Die Amerikanerin hatte sich bei einem Ausflug an den Fluss Tallapoosa im US-Bundesstaat Georgia an der Wade verletzt – und dabei mit dem Erreger infiziert, der in den meisten Fällen lediglich Durchfall auslöst.

Nicht so jedoch bei der damals 24-Jährigen. Bei ihr waren die Folgen dramatisch. Auf die Diagnose nekrotisierende Fasziitis folgte die Amputation eines ihrer Beine sowie die der Hände.

Morbus Fournier

Welches Bakterium für den Tod Suchulins verantwortlich ist, konnte laut Medienberichten nicht geklärt werden. Vorstellbar ist aber, dass der Musiker an der sogenannten Fournier-Gangrän, auch als Morbus Fournier bekannt, litt. Diese äusserst seltene Sonderform der nekrotisierenden Fasziitis betrifft in erster Linie den Leisten- und Genitalbereich.

Zwar ist nichts darüber bekannt, welche Körperpartien bei Suchulin verfaulten. Aber wie es für diese Form der Infektion typisch ist, konnten auch bei ihm die verabreichten Antibiotika die Ausbreitung der Bakterien nicht stoppen.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Cassandra am 29.06.2018 21:45 Report Diesen Beitrag melden

    Grausames Verhalten

    Habe es von Anfang an gesagt dass er krank sein muss. Hoffe an alle die auf ihm rumgehackt haben dass sie sich in Grund und Boden schämen. Wünsche der Familie viel Kraft

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  • BRUMMPÄNGLI am 29.06.2018 21:02 Report Diesen Beitrag melden

    Ganz schlimme Erinnerung

    Was für ein schlimmer Tot...er muss wahnsinnige Schmerzen gehabt haben. Ich schrie selbst 3 Tage lang...weis Staph Aureus ( Bakterien) mein Schultergelenk zerfrassen und es dann zur Blutvergiftung kahm. Es war ein Horrortrip. Ich werde heute beten für alle Menschen die so krank sind. Auf das es Jemandem helfen mag

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  • A.Furrer am 29.06.2018 20:39 Report Diesen Beitrag melden

    Warum?

    Ein verfaulter Tumor stinkt auch entsetzlich. Offene Tumore kamen vor 30 Jahren sehr oft vor. Ebenso verfaulte Körperteile bei Zuckerkranken stinken. Bei medizinischen Kenntnissen und empfindlicher Nase können beide Krankheitsbilder erkannt werden. Nicht jedes Antibiotika nützt. Die Resistenz muss überprüft werden.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Dr. Bakterius am 30.06.2018 11:41 Report Diesen Beitrag melden

    Zur allgemeinen Info

    Zitat "Schuld war nicht mangelnde Hygiene, sondern eine bakterielle Infektion." Mangelnde Hygiene, kann aber die Ursache einer solchen bakteriellen Infektion sein. Mangelhafte Hygiene, kann also sehr wohl die Ursache dieser Krankheit sein.

  • Martin am 30.06.2018 11:33 Report Diesen Beitrag melden

    Tödliche Infektion?

    Ich glaube da hängen ganz viele Dinge zusammen. Z.B. Azitose (Übersäuerung) ist oft ein Thema. Aber klar, das heisst dann einfach so, wie es Experten benennen und das soll man dann einfach glauben - trotz den Hypothesen, auf die sich die heutige Schulmedizin ausschliesslich stützt. Ich habe noch nie irgend eine Ursache gehört - nur Behandlungen von Wirkungen. Und wir sind ja alle blöd und hörig gegenüber den Göttern in Weiss, obwohl immer mehr Menschen chronisch-krank werden. Informiert euch richtig, solange ihr gesund seid.

  • Sonnenschein am 30.06.2018 10:22 Report Diesen Beitrag melden

    Natur wehrt sich

    Ich weiss mein Kommentar klingt hart, aber der Mensch zerstört die Heimat Erde rücksichtslos von Tag zu Tag... Irgendwann muss sich die Natur wehren mit allen Mitteln, auch bei mir, bei jedem. Und das könnte ein Schritt der Natur sein

  • Anna Ida am 30.06.2018 09:55 Report Diesen Beitrag melden

    @BRUMMPÄNGLI

    ich kann es ihnen nachfühlen, meine Tochter hatte vergangenes Jahr auch diesen Keim, es war schrecklich, sie hatte fürchterliche Schmerzen, 5 OP's und sie ist (zum Glück nur leicht) gehbehindert geblieben, inzwischen hat sie sich aber wider gut erholt, ich wünsche ihnen auch alles Gute

  • Remo am 30.06.2018 07:30 Report Diesen Beitrag melden

    Krankheiten

    Sieht aus also müssen wir noch viel mehr über unseren Planeten lernen!!!

    • Christian am 30.06.2018 11:49 Report Diesen Beitrag melden

      @Remo

      Ja bei diesen vielen Krankheiten muss es gegenüberliegend auch viele Gesundheiten haben. Entweder man ist krank oder gesund. Und nicht die Krankheit an sich ist das Problem, sondern WARUM ein Mensch krank wird. Ein Mensch ist nicht geboren worden, um krank zu sein - Kranke Menschen leben ungelöste Konflikte auf allen Ebenen. Leben in Ängsten und mit Befürchtungen. Wird dies nicht gelöst, werden sie krank. Eigentlich logisch und sinnvoll. Und das aktuelle Lebenssystem trägt jetzt auch nicht dazu bei, wirklich gesund zu sein und (existenz-)angstfrei. Und dadurch sind Menschen gut steuerbar.

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