Astronomie

02. Februar 2011 22:34; Akt: 02.02.2011 22:37 Print

Weltraumteleskop erspäht fernes Sonnensystem

Das Weltraumteleskop «Kepler» hat ein fernes Sonnensystem mit mindestens sechs Planeten aufgespürt.

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Die sogenannten Exoplaneten umkreisen einen sonnenähnlichen Stern, der rund 2000 Lichtjahre von der Erde entfernt ist. Mit 2,3 bis 13,5 Mal der Masse der Erde gehören die neu entdeckten Planeten zu den leichtesten, die bislang ausserhalb unseres Sonnensystems gefunden worden sind, schreiben die Forscher um Daniel Fabrycky von der Universität Kalifornien in Santa Cruz im Fachmagazin «Nature». Für Leben ist es auf ihnen allerdings zu heiss.

Fünf der sechs Planeten umkreisen ihren Heimatstern Kepler-11 in weniger als 50 Tagen und enger als der innerste Planet Merkur unsere Sonne. Der sechste Planet zieht weiter ausserhalb seine Bahn und umrundet den Stern alle 118 Tage einmal. «Die grössten der sechs Planeten ähneln wahrscheinlich Neptun und Uranus, aber die drei leichtesten sind anders als alles, was wir aus unserem Sonnensystem kennen», erläuterte Fabryckys Kollege Jonathan Fortney.

Verräterische Verdunkelung

«Kepler» war auf das Sonnensystem gestossen, weil die Planeten von der Erde aus gesehen genau vor ihrem Heimatstern vorbeiziehen. Dabei bedecken sie ihn jeweils ein klein wenig, was zu winzigen, regelmässigen Helligkeitsschwankungen des Sterns führt. Aus der Stärke der Schwankungen lässt sich der Durchmesser jedes Planeten bestimmen, aus der Zeit zwischen zwei gleichen Abschattungen die Umlaufzeit.

Die fünf inneren Planeten des Systems kreisen zudem auf so nahen Bahnen, dass sie sich gegenseitig beeinflussen. Das führt zu ganz leichten Abweichungen in der Umlaufzeit, woraus sich wiederum die Masse der inneren fünf Planeten berechnen lässt. Die Masse des äusseren, sechsten Planeten ist unbekannt.

Die inneren fünf Planeten haben alle eine geringere Dichte als die Erde. «Es sieht so aus, als könnten die innersten beiden hauptsächlich aus Wasser sein, mit einer dünnen Hülle aus Wasserstoff-Helium-Gas», berichtete Fortney. Diejenigen weiter draussen hätten wohl eine bedeutende Wasserstoff-Helium-Atmosphäre.

Schon einige Planetenfamilien

Das System ist nicht das erste mit mehreren Planeten. Im August letzten Jahres hatten zum Beispiel Forscher der Universität Genf bekanntgegeben, ein Sternensystem mit mindestens fünf, vielleicht sogar sieben Planeten entdeckt zu haben. Bisher wurden insgesamt mehr als 500 Exoplaneten entdeckt, um rund 60 Sterne kreist mehr als ein Planet.

Die «Kepler»-Entdeckung gibt den Forschern wertvolle Einblicke in die Entstehung von Sonnensystemen. Denn wie bei unserem eigenen System kreisen die fernen Planeten alle in einer Ebene um ihren Stern. Das stützt die Vorstellung, dass Planeten in flachen Staubscheiben entstehen, die um junge Sonnen kreisen.

Die engen Bahnen der inneren fünf Planeten sprechen zudem dafür, dass sich Trabanten schon sehr früh in der Entstehung eines solchen Systems formen können. Vermutlich haben sich die fünf Planeten weit draussen in der Staubscheibe gebildet, sind dann vom übrigen Staub abgebremst worden und dabei nach innen gewandert, meinen die Astronomen.

(sda)