Eisbären

08. Februar 2011 17:00; Akt: 08.02.2011 16:34 Print

Weniger Babys wegen Erderwärmung

Die kürzere Frostperiode in der kanadischen Hudson-Bay verringert zunehmend die Chancen von Eisbärenweibchen, Nachwuchs zur Welt zu bringen.

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Die im Osten Kanadas gelegene Hudson-Bay ist der südlichste Lebensraum des Eisbären in der Arktis. Die Erderwärmung setzt dort den Tieren besonders zu. Allein im letzten Jahrzehnt schrumpfte die Population in der westlichen Bucht um ein Viertel, von 1200 auf 900 Tiere. Ursache ist gemäss Forschern die kürzere Frostperiode, wie sie im Fachmagazin «Nature Communications» schrieben.

Denn der Winter bietet den Eisbären die beste Lebensgrundlage: Auf der acht Monate zugefrorenen Bucht jagen sie nach Robben, ihrer Hauptnahrungsquelle. Nach der Eisschmelze ziehen sie sich auf das Festland zurück und zehren von den angefressenen Polstern. Diese Reserven sind für die Weibchen besonders wichtig.

Kleinere Würfe und Fehlgeburten

Die trächtigen Tiere ziehen sich von Oktober bis zum Frühjahr in Geburtshöhlen zurück, wo sie ein bis drei Junge zur Welt bringen. Fehlen ihnen aber die nötigen Energiereserven, steigt das Risiko, dass sie die Höhlen meiden, kleinere Würfe zur Welt bringen oder Fehlgeburten erleiden, wie Forscher der Universität Alberta in Kanada herausgefunden haben.

Schon Anfang der 1990er Jahre brachten 27 Prozent der trächtigen Eisbärinnen keinen Nachwuchs zur Welt, wie die Forscher schreiben. Die Eisschmelze beginnt in der Hudson-Bay pro Jahrzehnt um etwa eine Woche früher, was die Jagdsaison der Raubtiere zunehmend schrumpfen lässt.

Kein Nachwuchs mehr?

Sollte die Eisschmelze im Vergleich zu 1990 um einen Monat früher einsetzen, könnten sich 40 bis 73 Prozent der Weibchen nicht mehr fortpflanzen, kalkulieren die Wissenschaftler. Sollte das Frühjahr sich gar um zwei Monate vorverlagern, so drohen demnach 55 bis 100 Prozent der Tiere ohne Nachwuchs zu bleiben.

«Die Vorhersagen sind ein weiterer Hinweis darauf, dass die Population der westlichen Hudson-Bay unter den erwarteten Klimabedingungen wohl nicht lebensfähig bleibt», heisst es in der Studie. Gefährdet seien aber auch die weiter nördlich gelegenen Gruppen. Insgesamt leben in der Arktis 20'000 bis 25'000 Eisbären.

(sda)