Falsche Anglizismen

03. Januar 2014 08:38; Akt: 03.01.2014 15:30 Print

Wenn Deutschsprachige Englisch erfinden

«Handy», «Public Viewing» oder «Showmaster»: Deutsch ist voll von englischen Ausdrücken, die in den USA oder Grossbritannien kein Mensch kennt – oder etwas ganz anderes bedeuten.

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Das deutsche «Handy» ist zwar aus dem Englischen entlehnt, dort heisst das Gerät jedoch «mobile phone» oder «cell phone». (Bild: Keystone/Martin Ruetschi)

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Die Touristin aus Oldenburg verstand die Welt nicht mehr. Eine Baseballmütze wollte sie, und wieder und wieder fragte sie den Verkäufer in Manhattan nach einem «Basecap». Doch der guckte sie nur fragend an. Ja, redete denn der Amerikaner kein Englisch? Doch, tat er. Sie aber nicht - zumindest nicht beim entscheidenden Wort. «Basecap» ist ein typisches englisches Wort, das gar kein Englisch ist - eines in einer ganzen Reihe von vermeintlich englischen Wörtern, die nur Deutschsprachige kennen.

Sprachpuristen ärgern sich über diese Begriffe, die in die Rubrik Pseudoanglizismus fallen. Oldtimer und Happy End, Beamer und eben Basecap - so etwas gibt es im Englischen gar nicht, oder es bedeutet etwas völlig anderes. «Beamer» ist Slang für BMW. Der Projektor heisst in den USA schlicht «Projector». Und «Basecap» ist eine Zierleiste, die es im Baumarkt gibt.

«Arschkriecherei»

Das erfolgreichste Wort dieser Art ist «Handy». Der englische Unterhalter Stephen Fry bringt auf der Insel immer noch Menschen zum Lachen, indem er auf Deutsch fragt: «Wo ist mein Handy?». Deutsche gucken verwirrt. Was ist daran denn falsch?

«Viele Deutschsprachige haben das Bedürfnis, zur Benennung der Welt nicht ihre eigene Sprache, sondern die ihrer Kolonialherren zu verwenden», poltert der Vorsitzende des Vereins Deutsche Sprache, Walter Krämer. «Die Londoner ‹Times› hat das einmal als ‹linguistic submissiveness› (sprachliche Unterwürfigkeit) bezeichnet. Wenn man bösartig wäre, könnte man auch Arschkriecherei sagen. Für viele ist ihr Denglisch eine Art selbstgemachter Kosmopolitenausweis nach dem Motto ‹Lieber ein halber Ami als ein ganzer Nazi›.»

Aus Leiche wird Vergnügen

Dabei können die vermeintlich englischen Wörter zuweilen für grosse Verwirrung sorgen. Millionen Deutsche amüsieren sich beim Public Viewing? In Amerika ist Public Viewing die Aufbahrung von Leichen im offenen Sarg. Da passt der «Body Bag» – ein Begriff, mit dem ein Händler ernsthaft einen Rucksack anpries: In den USA ist das schlicht ein Leichensack.

«Viele Pseudoanglizismen sind so integriert, dass man sie gar nicht mehr sieht», sagt der Sprachwissenschaftler Joachim Grzega. «‹Showmaster› wurde von Rudi Carrell erfunden, ‹zappen› kennen nur wir Deutschen, aber der ‹Home Trainer› hat es sogar ins Niederländische geschafft.» Andere könnten dies allerdings auch: Franzosen und Italiener etwa sagten «Footing» zu dem, was auf gut Deutsch «Jogging» heisst. Die Schuldigen sieht Grzega in der Werbung. «Da haben uns Leute klipp und klar gesagt: Uns ist egal, ob das Quatsch ist, aber es klingt cool.»

Sozialarbeiterin oder Hure?

«Ich war sehr verwirrt, als ich meine Schüler nach ihren Berufen fragte», erzählt Cindy Grant. Die New Yorkerin gibt in Kassel einen Erwachsenenkurs für Englisch, und eine Schülerin sagte stolz, dass sie Streetworkerin sei. In Amerika ist das fast gleich klingende Streetwalker die Umschreibung für eine Prostituierte.

Auf Grants verwirrten Blick hin sagte die Sozialarbeiterin stolz, dass der Job ihr ganzes Leben sei und sie ihn mit voller Hingabe den ganzen Tag mache. «Ich dachte erst, wow, dass die Europäer da offener sind, wusste ich, aber das ... wow!» Erst ein Mitschüler mit Amerikaerfahrung löste das Missverständnis auf.

Stephen Fry über Denglisch:

Komiker Stephen Fry macht sich über das deutsche «Handy» lustig. (Video: Youtube/Cro Cop)

(lmm/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Daniel Duden am 03.01.2014 08:51 Report Diesen Beitrag melden

    Unwort des Jahres

    Das Unwort des Jahres "Swissness" Ein konstruiertes Wort, das genau das missachtet, was es bedeuten möchte!

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  • Roberto am 03.01.2014 13:01 Report Diesen Beitrag melden

    Auch bei 20min

    Steht darum dieser Artikel in der Rubrik "News"? Ich frage mich allerdings ob er vielleicht eher in "People" oder "Entertainment" oder doch lieber "Lifestyle" stehen sollte...

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  • Uri Feller am 03.01.2014 11:14 Report Diesen Beitrag melden

    schweizer English

    Dafür sind unsere lässigen Journalisten und supper coolen Radiomoderatoren verantwortlich. Die sprechen ja ständig ein so geiles English.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Oli am 05.01.2014 17:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hehe

    Ich muss immer ab der Kosmetikawerbung lachen im TV, von Estée Lauder, welche eigentlich auch "Estee Lodee" ausgesprochen wird aber die Brabbeltante "Estee Lauder" sagt. Oder Michelin ist auch sowas das eigentlich "Mischlää" heissen würde.

  • Dani M. am 05.01.2014 07:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Durchgeackert...

    Habe die derzeit 447 Kommentare nun alle durchgeackert, um ein Feedback zum Feeling der 20min-Online-User betr. unserer globalised Communication zu erhalten... ;-) Zudem bin ich dabei etwa drei mal auf den Ausdruck "Handytoast" gestossen. Kann mir jemand erklären, was das bedeutet? Ich höre diesen Ausdruck zum ersten Mal und kann mir echt nichts darunter vorstellen. Finde es auch nicht in einem Übersetzungsprogramm als einzelnes Wort. Allenfalls ein Gerät zum Schinken-Käse-Toast herstellen? Schreibt sich dann aber nicht zusammen und. ...toaster mit "er" am Ende. Danke ehrlich für Aufklärung!

  • Dani M. am 05.01.2014 03:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Mobile - Handy - Natel

    Boff! Dass meine kurze Anmerkung zu Mobile, Handy und Natel vom 03.01.2014 um 08.55 eine derartige Menge an Antworten, bzw. Diskussion auslösen würde, hätte ich nicht gedacht! Schlussendlich ist es ja eigentlich egal, welches der Wörter (zumal in der deutschsprachigen Schweiz) verwendet wird, es werden alle 3 verstanden. Mein Favorit ist Mobile, aber allzu eng sollte man das meiner Ansicht nach nicht sehen, es gibt einige ernstere Probleme! Und sowieso, "nimm ich jetzt mis Händy und telefonier dä Sändy", die findet Typen mit Natel eben noch cooler, als solche mit Mobile! ;-)

  • Hädhönter am 05.01.2014 00:49 Report Diesen Beitrag melden

    Vom Pöb zum Cöp

    Nach dem cöp gehen wir meist ins pöb dann haben wir fön !! So falsch Englisch reden leider sehr viele Schweizer. Traurig dass auch in allen Medien vom Cöp usw geredet wird. Da gibts kein ö !!!

    • folran am 05.01.2014 21:19 Report Diesen Beitrag melden

      aber...

      ...was gibt es denn da?

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  • iiiiiiii am 04.01.2014 21:03 Report Diesen Beitrag melden

    Total falsch ausgesprochen!

    Am meisten nervt es mich die schlechte/falsche Aussprache von "th", "w" oder der Kombination vo "q" un "u". "Th" wird nicht wie "s" pder "t" ausgesprochen! Genauso wenig "William" nicht wie "Wolfgang" und "queen" nicht wie "Quqtsch"!