Vorbild Kafka, Darwin und Proust

11. März 2015 17:50; Akt: 11.03.2015 17:59 Print

Wenn Schmatzen Sie nervt, sind Sie ein Genie

Wer das Schmatzen seines Tischnachbarn nicht ignorieren kann, darf sich freuen. Denn laut US-Forschern dürfte er ein kreatives Genie sein.

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Von dem grossen Autor Marcel Proust ist bekannt, dass er während des Schreibens Ohrstöpsel trug, weil er nicht in der Lage war, die Geräusche seiner Umgebung zu ignorieren. Sogar seinen Schlafzimmerboden soll er mit schrittdämpfendem Kork ausgelegt haben. Ähnlich soll es auch Franz Kafka und Charles Darwin ergangen sein.

Umfrage
Fällt es Ihnen leicht, unwichtige Geräusche auszublenden?
4 %
30 %
66 %
Insgesamt 3609 Teilnehmer

Dass die Unfähigkeit, störende Geräusche wie Flüstern, Rascheln oder Schmatzen auszublenden, nicht von ungefähr kommt, sondern typisch für kreative Menschen ist, berichten nun Forscher der Northwestern University im US-Bundesstaat Illinois im Fachjournal «Neuropsychologia».

Mehrstufiges Verfahren

Für seine Studie überprüfte das Team um Darya Zabelina, ob sich bei unterschiedlich kreativen Menschen auch das «Sensory Gating» unterscheidet. Dabei handelt es sich um eine Art der Reizverarbeitung, bei der wichtige Informationen direkt verarbeitet, weniger wichtige aber unterdrückt werden.

Zabelina und ihre Kollegen befragten 100 Teilnehmer einerseits zu ihren bisherigen kreativen Leistungen. Andererseits überprüften sie den spontanen Einfallsreichtum der Probanden. Dafür mussten diese innert kürzester Zeit verschiedene vorgegebene Szenarios weiterentwickeln. In einem weiteren Experiment wurde zudem die Reaktion der Teilnehmer auf akustische Reize überprüft.

Deutliche Unterschiede

Die Auswertung der Daten zeigte, dass zwischen der Unfähigkeit, Umgebungsgeräusche wie das laute Schmatzen des Tischnachbarn ausblenden zu können, und Kreativität ein Zusammenhang besteht. So war der Einfallsreichtum jener Probanden umso höher, je schlechter sie Geräusche ignorieren konnten, teilt die Hochschule mit.

Die Forscher vermuten, dass die weniger guten Filter kreativen Menschen helfen, Ideen von aussen, die gerade nicht im Zentrum ihrer Aufmerksamkeit stehen, aufzunehmen und so die Kreativität zu fördern. Mit anderen Worten: Sie profitieren von ihrer Schwäche.

(fee)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Platons Bro am 11.03.2015 17:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Genius

    Welt freu dich schon auf meine Bücher!! Ich bin seit heute ein teil der Genie Familie...

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  • Tagträumer am 11.03.2015 18:12 Report Diesen Beitrag melden

    Aufmerksamkeit

    Ich denke eher, dass bei Marcel Proust, Franz Kafka und Charles Darwin heute ADS/ADHS diagnostiziert und sie mit Ritalin zugeballert würden. Das gehört ja heute zum guten Ton...

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  • Kreative Berühmtheit am 11.03.2015 18:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Da bin ich!

    Huch, dann werde ich tatsächlich berühmt, wow. Ich werde diesen Bericht in meiner Dankesrede erwähnen, die erklären soll warum ich so kreativ talentiert bin :) Ihr werder also bald von mir hören...

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Layia am 12.03.2015 22:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    psychisch bedingt

    Ist oft psychisch bedingt. die stimme des eigenen herzens wird ignoriert umso mehr wird der fokus somit (unbewusst) auf solche alltagsnebengeräusche gelegt und umso mehr gehört und wahrgenommen um die innere stimm zu überhören. was sehr belastend sein kann (rede aus erfahrung) darum hört auf eure innere stimme und ignoriert sie nicht. dann besserts. braucht aber teilweise enorm zeit und überwindung, da die stimme oft zulange ignoriert bzw. überhört wird/wurde.

  • O. H. Rensausen am 12.03.2015 22:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ruhe bitte. Dankeschön.

    Gestern im Zug eine Frau mitte 20, welche lautstark und mit offenem (!) Mund an ihrem Bonbon rumlutschte. Heute eine Teenagerin vis-à-vis, welche alle paar Sekunden Chips in ihren Mund legte und begann, gaaanz langsam darauf herumzukauen. Kniiiiirsch. Schmatz. Kau. - und mir stellts die Haare zu Berge. Ich weiss nicht warum, aber diese Geräusche gehen bei mir durch den ganzen Körper... Brrr... Bitte an alle ÖV-Schmatzer: Lernt Manieren und nehmt Rücksicht auf die anderen Pendler. Gepriesen sei indes der Erfinder der Kopfhörer. ;)

  • nich zwingend am 12.03.2015 21:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    oder adhs

    aber leute mit adhs sind ja auch nicht zwingend genies. und die können sich auch nicht gtu konzenzrieren. korrigiert mich wenn ich was falsches sage.

    • Nadine am 12.03.2015 22:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      ADHS

      Stimmt schon. Die Konzentration hält sich nicht so lange, da eben die Eindrücke ungefiltert aufgenommen werden. Da ist das Hirn sehr gefordert, da es alle "unnütze" Infos auch speichert. Kommt dazu, dass die Wahrnehmung meistens sehr ausgeprägt ist, was wiederum noch mehr Eindrücke ins Hirn liefert. Wer es im Erwachsenenalter schafft damit umzugehen, kann sich über eine unglaubliche ausgeprägte, nicht erlernbare Wahrnehmung freuen.:-) Ja, und meistens auch über eine sehr kreative Ader, da der Speicher ziemlich voll ist und sich alles kreuz und quer verbinden lässt... Für alle, die das nicht verstehen ein Beispiel- Bei einem Spaziergang im Wald sieht man ein Holzstrunk. 8 von 10 sehen in nicht, da er versteckt zwischen Blättern liegt. Einer sieht in zwar, registriert in aber nicht. Der Zehnte über legt sich, wie er das Ding nach Hause schleppt. Bildlich sieht er damit mindestens drei verschiedene verarbeitete Kunstwerke, plant die benötigte Zeit dafür und überlegt sich, wo das fertige Werk hin soll. Also ganz schön anstrengend so ein Spaziergang. Und ja, ich bin froh, ist nur einmal im Jahr Altmetallsammlung:-)

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  • Thomas Kofler am 12.03.2015 21:02 Report Diesen Beitrag melden

    Geplärr im Radio und Muzak im Kaufhaus

    reichen bei mir für Konzentrationsschwäche und ein Gefühl der Irritation. Mein SSO hat wenigstens akzeptieren können, dass wir beim gemeinsamen Essen das Radio abstellen. Aerzte sagten mir, ich sei hypersensibel: Ich empfinde die akustische Umweltverschmutzung zuweilen als Last.

  • wurks am 12.03.2015 20:45 Report Diesen Beitrag melden

    Starker ReizFilterer mit kreativem Beruf

    Im hinteren Büro lief irgendeine Maschine - ein Mordskrach! Das fiel mir auf - als der Krach plötzlich aufhörte. Ich kann Geräusche ohne Informationswert sehr gut wegfiltern. Trotzdem war ich immer sehr kreativ, ich hatte Note 6 im Zeichnen und machte auch den Vorkurs der Kunstgewerbeschule. Und ich habe jetzt auch einen Beruf im Grafischen Gewerbe.