Entscheidender Ton

09. Februar 2020 21:42; Akt: 09.02.2020 21:42 Print

Wenn dein Wecker so tönt, wirst du schneller munter

Laut und schrill oder sanft melodisch: Welche Geräusche dein Wecker macht, entscheidet, wie gut du aus dem Bett kommst.

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Auch wenn es im ersten Moment merkwürdig tönt: Lass dich von einem sanften Song wecken, zum Beispiel von «Close To Me» von The Cure. Denn, das haben Forscher der RMIT University im australischen Melbourne herausgefunden, das sorgt für einen leichteren Übergang ins Wachsein als etwa schrilles Klingeln. Die aktuellen Forschungsergebnisse könnten wichtige Auswirkungen für all jene haben, die direkt nach dem Aufwachen Höchstleistungen erbringen müssen wie etwa das Pflegepersonal in Spitälern, Belegärzte oder Notfallsanitäter. Doch nicht nur die Art des Aufwachens ist wichtig, auch der Schlaf selbst. Denn der menschliche Körper braucht Ruhephasen, um gesund zu bleiben. Denn chronischer Schlafmangel beschert den Betroffenen Momente geistiger Abwesenheit, verminderter Aufmerksamkeit sowie Stimmungsschwankungen und macht dick. Kurz: Er macht auf Dauer krank. Doch Schlaf sorgt nicht nur – anders als bislang gedacht – für Erholung, sondern hilft auch, um zu vergessen. Das Team beobachtete in seiner Studie, dass während des Schlafes die Synapsen im Gehirn teilweise zerschnitten werden. Auf diese Weise gehen unwichtige Erinnerungen, die nicht mehr benötigt werden, verloren. Schuld daran ist vor allem ein Oberflächenprotein an den Synapsen des Gehirns: das sogenannte Homer1A, wie Graham Diering von der Johns Hopkins Universität mithilfe von Labormäusen festgestellt hat. Schlaf fördert den Aufbau des Proteins, das seinerseits durch Kappen der Synapsen das Vergessen fördert. Allerdings werden während des Schlummerns nur etwa ein Fünftel der Synapsen gekappt. Das sorgt dafür, dass wirklich wichtige Informationen nicht verloren gehen. Doch das ist nicht das einzig Wissenswerte zum Thema Schlaf. Weitere spannende Fakten erfahren Sie in den folgenden Slides. Wer zu wenig schläft, schadet seiner Gesundheit. Doch auch zu lange Ruhephasen sind laut Forschern der Cambridge University schädlich. Wer länger als acht Stunden pro Nacht schläft, hat ein um 46 Prozent höheres Risiko für Schlaganfälle als die, die es auf sechs bis acht Stunden Nachtruhe bringen. Vor einem langen Festivalwochenende oder einer wilden Partynacht besonders viel zu schlafen, bringt nichts. Denn der Körper kann Erholung nicht speichern. Das heisst: Er wird genauso müde sein wie ohne den Extraschlaf. Wer nachts nicht genügend Schlaf bekommt, sollte sich täglich Zeit für ein kleines Nickerchen nehmen. Dieses sollte laut dem deutschen Schlafforscher Jürgen Zulley nicht länger als 30 Minuten dauern. Denn danach setzt die Tiefschlafphase ein und das Erwachen daraus fällt entsprechend schwer. Nicht nur Erwachsene, auch Babys sollten viel schlafen. Denn wie US-Forscher 2006 in einer Studie zeigten, fördern kurze Nickerchen deren Sprachentwicklung. So konnten die Kleinen sich besser neue Dinge merken, wenn sie vorher eine halbe Stunde geschlafen hatten. «Ich bin so müde, ich könnte glatt im Stehen schlafen», behaupten viele. Aber Recht haben sie damit nicht: Zwar kann man sehr wohl aufrecht einschlafen. Doch spätestens wenn die Tiefschlafphase erreicht ist, sackt man in sich zusammen, weil die Muskelspannung nachlässt. Weil in der Traumphase der Körper wie gelähmt ist, wird auch die Temperaturregulation abgeschaltet. Daher droht die Unterkühlung. Deshalb raten Schlafmediziner immer, leichte Kleider zu tragen, die Arme und Schultern vor dem Auskühlen schützen. Ideal ist eine Raumtemperatur zwischen 16 und 18 Grad Celsius. Dass ältere Menschen weniger Schlaf benötigen, ist Quatsch. Richtig ist, dass sie ihre Schlafdauer über den Tag hinweg verteilen. Das kann vom täglichen Sekunden- oder Minutenschlaf bis hin zu ausgedehnten Mittagsschläfchen führen. Eine glückliche Beziehung sorgt für einen ruhigeren Schlaf. Forscher der University of Pittsburg haben herausgefunden, dass Frauen in stabilen Beziehungen besser schlafen als unverheiratete, frisch getrennte oder mit der Partnerschaft unzufriedene. Guter Schlaf hängt laut Forschern der University of Pennsylvania auch von Bildung, Geld und Status ab. In ihrer Studie hatten Festangestellte den besten Schlaf, gefolgt von Rentnern, Hausfrauen und Studenten. Von denen, die weniger als ein Jahr arbeitslos waren, schliefen 32 Prozent schlecht - unter den Arbeitsunfähigen waren es sogar 52 Prozent. Wer abends nur schwer ins Bett kommt wie Keith Richards, ist tendenziell kreativer und extrovertierter als jemand, der zeitig in die Federn hüpft und früh aufsteht. So lautete das Ergebnis einer Studie von Forschern der britischen Loughborough University. Eine Studie der Universität von Madrid kam zum Ergebnis, dass die Nachteulen die besseren induktiven Denker waren. Induktives Denken gilt allgemein als einer der wichtigsten Indikatoren für Intelligenz und befähigt fächerübergreifend zu guten akademischen Leistungen. Die Konzentrationsfähigkeit von Frühaufstehern lässt zehneinhalb Stunden nach dem Aufwachen deutlich nach, während Langschläfer dann immer noch ungefähr die gleiche Gehirnaktivität aufweisen wie eine Stunde nach dem Aufwachen. Mark Zuckerberg dürfte eine ziemliche Nachteule sein. Denn laut einer Studie der University of Southhampton haben diese im Durchschnitt ein hohes Einkommen. Ausserdem verfügen sie im Vergleich zu den anderen Schlaftypen häufig über ein grosszügigeres Zuhause. Nachtaktivität scheint auch im Liebesleben ein Vorteil zu sein. Forscher der Durham University haben herausgefunden, dass männliche Nachteulen im Durchschnitt doppelt so viele Sexualpartner haben wie Frühaufsteher. Weibliche Langschläfer haben hingegen ein durchschnittliches Liebesleben. Ziemlich ausgeschlafen dürfte die «schönste Frau der Welt 2015», Sandra Bullock, sein. Denn den Schönheitsschlaf gibt es tatsächlich. Ein Grund dafür, dass gute Schläfer als attraktiver wahrgenommen werden, dürfte sein, dass unsere Haut im Schlaf mit wichtigen Hormonen versorgt wird, was die natürliche Regeneration anregt.

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Mit dem Aufstehen ist das so eine Sache. Wohl nur die wenigsten springen gleich nach dem ersten Weckerklingeln gut gelaunt und munter aus den Federn. Die meisten dürften erstmal die Snooze-Taste betätigen – auch wenn sie das nicht wacher macht, sondern das Gegenteil bewirkt.

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Wie man der Schlaftrunkenheit am Morgen am besten entkommt, zeigt nun eine Studie von Forschern der RMIT University im australischen Melbourne.

Gestörte Gehirnaktivität

Alles, was es dafür braucht, ist ein richtig tönender Wecker, so das Team um Stuart McFarlane im Fachjournal «Plos One». Nach der Auswertung von 50 Online-Fragebögen, in denen die Probanden Auskunft zu ihren Weckerklängen und ihrer Schlaftrunkenheit am Morgen gegeben hatten, empfehlen die Forscher melodische Alarme statt schrillem Klingeln.

Während Letzteres in der Früh die Gehirnaktivität stört, können Songs wie «Good Vibrations» von den Beach Boys oder «Close To Me» von The Cure (siehe unten) für einen leichteren Übergang ins Wachsein sorgen, so die Forscher.

Wichtige Erkenntnis

Ob wir gut aus den Federn kommen, ist wichtig, wie McFarlane in einer Mitteilung erklärt: «Wenn Sie nicht richtig aufwachen, kann die Arbeitsleistung für bis zu vier Stunden beeinträchtigt werden. Auch schwere Unfälle werden mit Schlaftrunkenheit in Verbindung gebracht.»

Die aktuellen Forschungsergebnisse könnten wichtige Auswirkungen für all jene haben, die direkt nach dem Aufwachen Höchstleistungen erbringen müssen wie etwa das Pflegepersonal in Spitälern, Belegärzte oder Notfallsanitäter.

Guter Schlaf ist keine Hexerei und muss auch nicht viel Geld kosten. (Video: iStock/Wibbitz)


«Good Vibrations» (1966) von The Beach Boys sorgen laut Forschern für einen guten Start in den Tag. (Video: Youtube/Beach Boys)


Auch «Close To Me» (1985) von The Cure ist ein idealer Muntermacher am Morgen. (Video: Youtube/The Cure)

(fee)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • MaTti am 09.02.2020 21:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Langschläfer

    Egal welcher Ton, alle vor 12 Uhr sind mir unangenehm.

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  • an alle Arbeitgeber! am 09.02.2020 23:06 Report Diesen Beitrag melden

    Weg mit dem Wecker!

    Die Menschen sollen aufstehen, wenn sie dazu bereit sind. Erst dann sind sie auch leistungsfähig. Eigentlich ganz einfach, oder?

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  • martin am 09.02.2020 23:32 Report Diesen Beitrag melden

    gewaltig

    "Nach der Auswertung von 50 Online-Fragebögen,..." senden forscher einer universität und journalisten diese (representative?) "studie" um die welt? bravo.

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Ladi am 13.02.2020 14:23 Report Diesen Beitrag melden

    Repräsentative Studie

    50 Fragebogen, wow. Das nenne ich mal repräsentativ.

  • Hotwith am 12.02.2020 12:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    nix schrill

    lass mich durch das verrückte radio wecken.

  • Alfred A. am 12.02.2020 06:01 Report Diesen Beitrag melden

    Mich weckt kein Wecker

    Mich weckt ein ordentlicher Milchkaffee.

  • Tobi71 am 12.02.2020 00:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden
    Giphy Giphy
  • Vivienne am 11.02.2020 22:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sting und the Boss

    Seit Jahr und Tag wecken mich "Every Breath You Take" von The Police und "Dancing in the Dark" von Bruce Springsteen. Stilvolle Muntermacher, die sich nicht abnützen.