Parallelen zu Junkies

26. Februar 2020 13:26; Akt: 28.02.2020 10:41 Print

Handy-Sucht verändert das Gehirn so wie Drogen

Wenn sich alles nur noch um das Smartphone dreht, kann das schwerwiegende Folgen haben. Diese sind auch von anderen Abhängigen bekannt.

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Rund um die Uhr am Handy zu hängen ist laut Forschern des Universitätsklinikums Heidelberg keine gute Idee. Wie das Team um Robert Christian Wolf im Fachblatt «Addictive Behaviors» berichtet, ... ... ist bei Smartphone-Süchtigen die graue Substanz im Gehirn kleiner. Konkret zeigte die Studie, ... ... dass die graue Substanz in zentralen Bereichen des Hirns – der linken Inselrinde (Ekel und Empathie), dem unteren Temporallappen (Sprachzentrum und Arbeitsgedächtnis) und dem parahippocampalen Kortex (Erkennen und Erinnern) – geschrumpft war. Ausserdem war die Hirnaktivität reduziert. Damit weise das Gehirn von Handy-Süchtigen die gleichen Symptome auf wie das von Drogenabhängigen. Doch wie erkennt man überhaupt eine Smartphone-Sucht? Die nächsten Bilder verraten es dir. Kennst du das? Du hast ein lustiges Bild erhalten und willst es deinen Freunden zeigen. Du reichst das Handy über den Tisch und nach drei Sekunden beschleichen dich Verlustängste. Bei Posts deiner Freunde gehörst du immer zu den ersten zehn Personen, die liken. Du machst so viele Instagram-Storys, dass die Story-Strichli nur noch mit der Lupe zu erkennen sind. Direkt zwischen Tastatur und Tischkante, damit man auch wirklich jedes Mal abgelenkt wird, wenn aus irgendwelchen Gruppenchats im Sekundentakt Nachrichten reinprasseln. Natürlich dauert das grosse Geschäft manchmal länger. Mit Smartphone bewaffnet, kann sich ein Toilettengang aber schnell zu einer halbstündigen Sitzung ausdehnen. Das Resultat: eingeschlafene Beine. Ein voller Akku reicht bei dir nicht bis zum Abend. Also packst du morgens Ladekabel oder Powerbank noch vor Schlüssel und Portemonnaie ein. Du bist so fest in die virtuelle Smartphone-Welt eingetaucht, dass Raum und Zeit in der Realität deinem Bewusstsein entgangen sind. Du wolltest eigentlich nur kurz googeln, wie du eine gute Carbonara machst, findest dich aber gefühlte 50 Jahre später auf einem Youtube-Video wieder, in dem Justin Bieber vor Paparazzi ausrastet. Du bist noch nicht einmal richtig in deinem Hirn eingeloggt, da checkst du schon deine Mails und Social-Media-Accounts. Im Büro angekommen, weisst du dann nicht mehr, ob du das Gelesene geträumt oder wirklich gelesen hast. Ein Konzert erlebst du nicht live. Du schaust es durch den Bildschirm deines Handys, weil du glaubst, irgendwann mal die Aufnahmen anzuschauen. Statt deine Erinnerungen zu füllen, überfüllst du den Speicherplatz deines Smartphones. Du betrittst im Ausland mit deinen Freunden eine Bar. Dir sind die Qualität des Kaffees, die breite Auswahl der Biersorten und das authentische Ambiente herzlich egal. Aber Wi-Fi muss es haben, sonst gibts auf Google eine schlechte Bewertung. Von wegen Ferien sind zur Erholung da. Ferien sind dazu da, deinen Insta-Feed aufzumotzen. Aber keine Sorge. Wir haben noch ein paar Tipps für dich, wie du dem Handywahn entkommen kannst. Beim Essen mit Freunden zum Beispiel. Legt eure Smartphones mit dem Display nach unten auf einen Haufen. Wer zuerst danach greift, muss die Rechnung bezahlen. Schütz dich vor dir selbst. Wenn du ein iPhone hast, dann schränke die Benutzung gewisser Apps ein. Kauf dir einen Wecker. Ja, genau – so einen aus dem letzten Jahrtausend. Und verfrachte dein Smartphone irgendwohin in einen anderen Raum. So schaffst du am Morgen Freiraum – und zwar in deinem Kopf. Schalte die Benachrichtigungen aus. Echt jetzt, da kriegt man ja schon vom Hinsehen einen Burn-out.

Zum Thema
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So prima Smartphones für den Zeitvertreib sind, so schädlich sind sie auch für diejenigen, die sie gleich mehrere Stunden am Tag in den Händen halten. Anders als Nichtabhängige leiden sie häufiger unter Depression, Angst, Schlaflosigkeit und impulsivem Verhalten, wie südkoreanische Forscher im Jahr 2017 nachwiesen.

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Doch das ist laut Wissenschaftlern des Universitätsklinikums Heidelberg noch nicht alles. Gemäss ihrer im Fachjournal «Addictive Behaviors» publizierten Studie lässt exzessive Smartphone-Nutzung die graue Substanz (Substantia grisea) im Gehirn schrumpfen – eine wesentliche Komponente des Zentralnervensystems.

Folgen wie beim Drogenkonsum

Für die Arbeit hatte das Team um Robert Christian Wolf die Gehirne von 22 Smartphone-Süchtigen und 26 Nichtabhängigen untersucht. Dabei zeigte sich, dass die Substantia grisea in zentralen Bereichen des Gehirns – der linken Inselrinde (Ekel und Empathie), dem unteren Temporallappen (Sprachzentrum und Arbeitsgedächtnis) und dem parahippocampalen Kortex (Erkennen und Erinnern) – geschrumpft war. Ausserdem war die Hirnaktivität reduziert.

Die ständige Beschäftigung mit dem Smartphone ist nicht das Einzige, was die graue Substanz schrumpfen lässt, so die Forscher. Auch Dauerkiffen oder der regelmässige Konsum von Drogen wie Heroin oder Kokain führt dazu, genauso wie das Älterwerden.

Die Studienergebnisse sind laut Wolf und seinen Kollegen ein weiterer Hinweis darauf, dass Smartphones nicht nur das Leben erleichtern, sondern auch die Gehirngesundheit in Mitleidenschaft ziehen können.

Das kann passieren, wenn man zu viel aufs Smartphone schaut. (Video: pst/imgur)

(fee)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • edi am 26.02.2020 13:46 Report Diesen Beitrag melden

    Volksdroge #1, und auch die Kids sind abhängig!

    und diese droge geben wir bereits unseren kindern!!!

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  • Onkel Dagobert am 26.02.2020 14:24 Report Diesen Beitrag melden

    Lehrplan 21

    Unglaublich ist, dass die Kids in den Schulen unter dem Lehrplan 21 alle mit einem eigenen Gerät ausgerüstet und somit vorsätzlich "angefixt" werden. Derweil haben die meisten Eltern keine Kontrolle oder Ahnung davon, was ihre Kinder mit diesen Geräten anstellen. Nur wenige Schüler können ihre Lernfähigkeit mit dieser Digitalisierung verbessern, die meisten nutzen die Geräte zum Gamen, Chatten, Streamen und anderen unnützen Beschäftigungen.

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  • SSch am 26.02.2020 14:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ..........

    Alles was wir im Übermass machen ,kann süchtig machen und wirkt wie eine Droge.Kenn Menschen,wenn die nicht jeden Tag Sport machen ,haben sie Entzugserscheinungen,dabei ist Sport so gesund.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Tina am 27.02.2020 20:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Netter Besuch

    Neulich hatte ich Besuch von erwachsenen Verwandten mittleren Alters. Ich musste kurz in die Küche und entschuldigte mich. Als ich zurück kam sassen alle mit gezücktem Handy am Tisch, jeder für sich etwas am gucken . Ich setzte mich schweigend dazu. Es dauerte etwa 5 Minuten bis sie sich von ihren Geräten lösen konnten.

  • Alfred A. am 27.02.2020 06:53 Report Diesen Beitrag melden

    Unterschiedliches Gefahren Potenzial

    Die Sucht nach immer mächtigeren und ausgeklügelteren Waffensystemen scheint mir die wesentlich gefährlichere- und um ein Vielfaches kostspieligere Sucht und Gefahr für die Menschen zu sein als irgend eine Sucht nach dem Smartphone.

  • QWERTZ am 27.02.2020 06:19 Report Diesen Beitrag melden

    Fragwürdigkeit der Studie

    Diese Studie ist aus zwei Gründen Problematisch. Erstens sind die beiden Gruppen nicht gleich gross, was bei einer Studie die Ergebnisse verfälschen kann. Zweitens wurde nicht untersucht, WAS am Smartphone dümmer macht. Wenn es um den angeschauten Inhalt geht, stimme ich voll und ganz zu, dass dieser, je nach dem was man anschaut, dümmer machen kann. Wenn es jedoch um die Strahlung oder das blaue Licht geht, dann sollten sie auch eine Studie an Menschen durchführen, welche lange vor dem Fernseher sitzen.

  • Mami am 26.02.2020 22:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Es gibt zu viele Studierte

    Ist doch nicht schlimm. Wenn die Kids "dümmer" werden, kann bald der Berufsmarkt etwas ausgeglichener sein.

  • Herr Ernst am 26.02.2020 18:21 Report Diesen Beitrag melden

    Sie laufen Gefahr

    ACHTUNG! Werft das Handy weg bevor es zu spät ist. Ich selbst würde nie von sowas gebrauch machen. Gesendet von Ihrem Iphone