Denkleistung

23. Juli 2018 20:37; Akt: 23.07.2018 20:37 Print

Wer rasch betrunken ist, braucht mehr Schlaf

Zu viel Alkohol und zu wenig Schlaf haben den gleichen Effekt aufs Gehirn: Es leidet. Das hat in beiden Fällen den gleichen Grund.

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Alkohol kann die kognitiven Fähigkeiten eines Menschen deutlich vermindern. Forscher des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt und des Forschungszentrums Jülich konnten nun zeigen, dass Personen, die besonders stark von Alkohol beeinträchtigt werden, ... ... auch empfindlich auf Schlafentzug reagieren. Die Ergebnisse der im Fachjournal «Pnas» veröffentlichten Studie könnten langfristig dabei helfen, Unfälle zu vermeiden, die durch Übermüdung entstehen, so die Forscher. Welche Folgen Schlafmangel sonst noch hat, zeigen die nächsten Bilder. Wer zu wenig schläft, ist laut Forschern der Harvard Medical School in Boston Selbst Schmerzmittel wie Ibuprofen sind gegen die durch den Schlafmangel ausgelöste Überempfindlichkeit machtlos. Auch sind Folge von Schlafmangel: US-Forscher zeigten 2014, dass auch diejenigen, die ein Ausbund an Loyalität sind, sich übermüdet in Lügner verwandeln. Für sie ist es Wer wenig schläft, hat Das ist das Ergebnis einer Studie von belgischen Forschern. Demnach waren Studenten, die während der Prüfungszeit sieben Stunden pro Nacht schliefen, Ebenfalls eine Nebenwirkung von zu wenig Schlaf ist die Das fängt schon in ganz jungen Jahren an, wie Forscher vom Ohio State University College berichten. Demnach reduziert frühes – und damit längeres – Schlafen im Kindesalter das Risiko, später übergewichtig zu werden. Ein Mangel an Schlaf führt ausserdem zu was auf Dauer zu gefährlichen Folgeerkrankungen führen kann, wie Forscher der Universität Bonn herausgefunden haben. Von der gleichen Hochschule stammt auch die Erkenntnis, dass schon eine durchwachte Nacht das Gehirn eines gesunden Menschen zu veranlassen kann, die Ähnlichkeiten mit den Schlafmangel kann richtiggehend Forscher der University of Pennsylvania konnten in einer Studie mit Mäusen nachweisen, dass bei anhaltendem Schlafmangel Laut Forschern der University of California macht Schlafmangel Menschen auch deutlich Wer weniger als sechs Stunden pro Nacht schläft, ist demnach 4,2-mal so anfällig für eine Erkältung wie jemand mit mindestens sieben Stunden Schlaf. Dass unausgeschlafene Menschen sind als ausgeschlafene, ist bekannt. Den Grund identifizierten Forscher im Jahr 2015: Nach einer kurzen Nacht kann unser Gefühlszentrum im Gehirn Besonders viel Schlaf sollten sich Autolenker gönnen, denn Müdigkeit im Auto ist War die Nachtruhe des Fahrers zu kurz, funktioniert sein Körper, als hätte er 1 Promille Alkohol im Blut. Damit ist er fahruntauglich. Schlaft hilft, Ist die nächtliche Erholungsphase aber zu kurz, bleiben sie erhalten. Bei Experimenten mit übermüdeten Mäusen führte das dazu, dass sie in neuen Situationen schreckhaft und ängstlich waren, Für Männer droht noch eine weitere Gefahr: Bei ihnen sinken bei längerem Schlafmangel die Testosteronwerte, was einen hat. Wer hat, sollte es mal mit der von US-Mediziner Andrew Weil entwickelten Atemtechnik probieren: Dabei muss man zunächst durch die Nase einatmen und bis vier zählen. Anschliessend muss der Atem angehalten und bis sieben gezählt werden. Um genügend Schlaf zu finden, raten Experten zu Der Hauptgrund für Schlafprobleme und -mangel ist oftmals, dass nur wenige Paare die gleichen Schlafenszeit-Routinen oder Schlafgewohnheiten haben. Und das ist öfter der Fall als gedacht, Wenn der Schlaf nachts zu kurz gekommen ist, kann ein helfen. Laut französischen Forschern macht ein Nickerchen selbst ein riesiges Schlafdefizit wett. Wichtig ist aber, dass das Schläfchen 30 Minuten nicht übersteigt.

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Ob jemand vier, sechs oder acht Stunden braucht, um ausgeruht zu sein, variiert von Mensch zu Mensch stark. Manch einer kann die Nächte durchmachen, ohne geistige Leistung einzubüssen. Andere brauchen da bedeutend mehr Schlaf.

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Beim Alkohol ist es ähnlich: Die einen sind so trinkfest, dass ihrem Denkvermögen und ihrer Reaktionsfähigkeit auch mehrere Gläser Bier nichts ausmachen, während andere nur noch dumpf durch die Gegend torkeln.

Wach bleiben und Trinken für die Forschung

Diese Parallelen kommen nicht von ungefähr, wie Forscher des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) und des Forschungszentrums Jülich berichten. Für ihre im Fachjournal «Pnas» veröffentlichte Studie forderte das Team um Eva-Maria Elmenhorst die rund 50 Probanden ganz schön heraus. Zunächst durften sie 38 Stunden lang nicht schlafen und mussten dann einen zehnminütigen Reaktionstest absolvieren.

An einem weiteren Testtag bekamen die dann ausgeschlafenen Teilnehmer eine individuell berechnete Menge Wodka zu trinken, bevor die Forscher erneut ihre Reaktionsfähigkeit testeten.

Wer viel Alkohol verträgt, kommt mit weniger Schlaf aus

Der Vergleich der Testergebnisse zeigte, dass diejenigen, die trotz Alkohol beim Reaktionstest gut abschnitten, auch deutlich weniger Schwierigkeiten mit Schlafmangel hatten. Umgekehrt setzte der Schlafmangel jenen Probanden besonders zu, die auch mit langen Reaktionszeiten auf den Alkohol reagiert hatten.

Das lässt darauf schliessen, «dass sowohl die Anfälligkeit für Alkohol als auch für Schlafentzug über einen gemeinsamen biochemischen Mechanismus gesteuert werden», so Co-Autor David Elmenhorst.

Wie dieser im Detail aussieht, sei im Moment noch nicht eindeutig zu beantworten. Eine Schlüsselfunktion dürfte aber dem körpereigenen Botenstoff Adenosin zukommen, vermutet der Neurowissenschaftler.

Darum werden wir im Verlaufe des Tages immer müder

Adenosin spielt eine zentrale Rolle für den Energiehaushalt des Organismus: Je länger ein Mensch wach bleibt, desto mehr Adenosin sammelt sich in seinem Gehirn an.

Der Stoff dockt an der Oberfläche von Nervenzellen an und betätigt dort eine bestimmte Art von Schaltern. Diese wirken ähnlich wie ein elektrischer Dimmer und schalten die Neuronen von ‹wach› auf ‹müde› um. Dadurch steigt der Drang zum Einschlafen über den Tag kontinuierlich an.

Alkohol verstärkt Wirkung

Wie das Adenosin-System unter Einfluss von Alkohol reagiert, untersuchten die Forscher mit Hilfe der sogenannten Positronen-Emissions-Tomografie (PET), mit dem frei verfügbare Adenosin-Rezeptoren sichtbar gemacht werden können.

An sieben Probanden konnten die Forscher zeigen, dass sich die Menge der nicht belegten Rezeptoren im Gehirn schon kurze Zeit nach dem Zuführen von Alkohol deutlich erhöht. Die Nervenzellen stellen offenbar mehr Rezeptoren auf ihrer Oberfläche zur Verfügung und damit auch mehr molekulare Schalter, um auf ‹müde› zu dimmen. Der Alkohol verstärkt auf diesem Weg die ermüdende Wirkung des Adenosins.

Übermüdung von Berufsfahrern und -piloten vorbeugen

«Das bestätigt unsere Annahme, dass die Anfälligkeit für Schlafmangel und Alkohol von Unterschieden im Adenosin-System abhängt», so Elmenhorst. Die individuellen Unterschiede seien im Erbgut jedes Menschen angelegt.

Die Erkenntnisse könnten praktische Bedeutung bekommen: Je nach Veranlagung könnte man Empfehlungen für Dienst- und Ruhezeiten etwa von Piloten oder Lokführern herleiten und dadurch menschliches Versagen durch Übermüdung verhindern.

(fee)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • huki am 23.07.2018 20:54 Report Diesen Beitrag melden

    Durchzechte Nächte

    Könnte es nicht auch sein, das solche die weniger Schlaf brauchen und den Alkohol besser vertragen einfach sehr gern feiern gehen, sich schlicht an wenig Schlaf und Alkoholkonsum gewöhnt haben?

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  • Donna M. am 23.07.2018 22:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schlaf wenn du kannst

    Mehr Schlaf? Wenn ich betrunken war, schlief ich zwar schnell ein. Aber nach 4-5Stunden wars vorbei. Kennt ihr den Moment, wo der Körper beginnt den Alkohol abzubauen und ihr zu Schwitzen anfängt? So sehr, dass man nicht mehr einschläft und den ganzen Tag als Zombie verbringt?

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  • Herr Paternoster Live us de Spelunke am 23.07.2018 20:41 Report Diesen Beitrag melden

    ja genau

    da brauche ich aber sehr viel Schlaf

Die neusten Leser-Kommentare

  • Ueli Burri am 24.07.2018 21:56 Report Diesen Beitrag melden

    Geniessen soll man es

    Nur Losers trinken zu schnell. Der echte Alkoholiker geniesst jeden Tropfen langsam und gemuetlich, von 12.00-24.oo.

  • Sepp Trub am 24.07.2018 21:52 Report Diesen Beitrag melden

    Von 15.00- Mitternacht

    Nie betrunken, aber konstant, nicht allzuschnell die feine Kost geniessen. Eidechsli, eine Leffe Blonde, etwas Pommard und vor dem Spagat immer einen Glenfiddich.

  • die grüne Fee am 24.07.2018 16:19 Report Diesen Beitrag melden

    Das soll helfen

    Wer rasch betrunken ist, sollte weniger Alkohol trinken.

  • PS;L am 24.07.2018 11:53 Report Diesen Beitrag melden

    Erhebliche Zweifel

    So ein Schwachsinn - an beides kann man sich gewöhnen - vor 10 Jahren konnte ich alleine eine Flasche Vodka trinken, ohne Probleme, heute wäre garantiert auf der Intensivstation. Auch wenn ich heute 6-7 Stunden schlafe, hatte ich früher keine Probleme mit 4-5 Stunden. Das sagt also gar nichts aus...

  • Leser am 24.07.2018 09:26 Report Diesen Beitrag melden

    Seltsames Genussmittel

    Alkohol sei - so zu behaupten werden gewisse Kreise nicht müde - ein harmloses Genussmittell, das völlig harmlos sei und das überhaupt keine Einschränkung beim Dealen brauche. Wenn ich diesen Artikel so lese, dann scheint mir das eher ein unterschätztes Rauschgift zu sein, das Geist und Körper massiv beeinträchtigt und damit auch Unbeteilgten Schaden zufügt (z.B. durch Unfälle oder Gewalt). Kann mir mal jemand sagen, wie man für Alkohol und z.B. gegen Cannabis sein kann (ausser man sei Interessensvertreter der Alkohol-Produzenten und -Dealer)?

    • t.t. am 24.07.2018 09:56 Report Diesen Beitrag melden

      @Leser

      Viele haben das Gefühl, dass Alkohol keine Droge sei wobei es die beliebteste und gefährlichste Droge überhaupt ist! Er ist sogut wie überall erhältlich und sogut wie gar nicht eingeschränkt, wodurch viele gar nicht bemerken, dass sie ein Alkoholproblem haben. Immer gegen die bösen Raucher und Kiffer wettern aber wehe dem der was gegen unsere Volksdroge sagt! Der Alkoholkonsum unserer Gesellschaft ist meiner Meinung nach auf einem krankhaft hohen Niveau. Bedenklich finde ich auch wie früh viele Kids (bereits schon mit 13) mit dem saufen anfangen ohne sich den Gefahren bewusst zu sein.

    • Maria Bertinger am 24.07.2018 11:28 Report Diesen Beitrag melden

      einige Gründe

      Ich kann Dir sagen warum ich gegen Kiffen bin. Ich habe selber 16 Jahre gekifft und erhebliche psychische Probleme wie Depressionen, Angstzustände und Panikattacken bekommen. Das führte zu Arbeitslosigkeit und Schulden. An alles was ich jeden Morgen gedscht habe war, wo kriege ich Geld für Grass her. Schlafen ging nicht ohne Gutennachtjoint. Ich kenne auch jemand der davon übelst manisch wurde und dine harte, harte Zeit hinter sich hat. Mir ist es egal ob jemand kifft aber mir kommt dieses Zeug nicht mehr in den Kopf.

    • ueli am 24.07.2018 20:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Maria Bertinger

      kommt immer auf den Menschen an ob er labil ist oder nicht. Ich kiffe seit 27j. und hatte nie Probleme im Job oder so. Aber jedem das seine.

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