Natürliche Auslese

12. August 2016 21:55; Akt: 12.08.2016 21:55 Print

Wer viel liest, lebt deutlich länger

Das Lesen eines guten Buchs bildet nicht nur, es steigert auch die Lebenserwartung. Zu diesem überraschenden Ergebnis kommen US-Forscher.

Bildstrecke im Grossformat »
Wer eine solche Ansammlung von Büchern sein Eigen nennen kann und regelmässig in ihnen schmökert, darf sich gemäss einer Studie von Forschern der Yale University glücklich schätzen. Demnach verlängert Lesen das Leben um durchschnittlich zwei Jahre. «Menschen, die nur eine halbe Stunde täglich mit dem Lesen eines Buchs verbringen, haben einen signifikanten Überlebensvorteil gegenüber Menschen, die gar nicht lesen», so Studienleiterin Becca R. Levy. Der positive Effekt tritt unabhängig vom Genre oder der Art des Lesestoffs auf, wobei Bücher einen leicht grösseren Effekt haben. Wieso dem so ist, ist unklar. Die Forscher vermuten aber, dass beim Lesen von Büchern die kognitiven Fähigkeiten stärker trainiert werden. Experten sprechen diesbezüglich vom «Deep Reading», weil man sich dabei viel mehr auf das Gelesene einlässt und in die geschilderte Welt abtaucht. Dass Lesen selbst für Unbeteiligte eine schöne Sache ist, beweist übrigens der Instagram-Account «hotdudesreading» («heisse Typen, die lesen»). Der kombiniert zwei grossartige Dinge, finden die Follower. Nämlich: Gut aussehende Männer und Literatur! U-Bahn-Fahrer in New York haben im Jahr 2015 angefangen, Fotos der heissesten Leseratten der Stadt einzuschicken. Daraus ist auf Instagram eine Sammlung entstanden, bei der für jeden was dabei ist. Ob Bart mit Buch ..., ... der Denker ... ... oder ein Doppelgänger von Superman Clark Kent: Auf dem Account #hotdudesreading ist für jeden Geschmack etwas dabei. «Dieser süsse Typ sieht aus, als habe er die ganze Nacht im besten Underground-Club in Bushwick getanzt. Und er sieht immer noch makellos aus», so der Kommentar zum Foto. «Dieser gut aussehende Typ liest Moby Dick - mitten in den überfüllten Gewässern der U-Bahn. Es mag ja andere Fische im Meer geben, aber dieser weisse Wal hat mich gefangen genommen», schreibt der/die Fotograf/in. «Ob er mit dem Lehrbuch lernt oder sich nebenbei das Programmieren beibringt? Wie auch immer, er sieht aus wie ein Mann mit Zielen. Ich wette, seine Mutter ist stolz auf ihn. Wahrscheinlich ist er sogar gerade auf dem Weg, sie zu besuchen #zukünftigeSchwiegereltern», ist der Kommentar zu diesem jungen Mann.

Zum Thema
Fehler gesehen?

Langes Sitzen gilt als Gift für Körper und Gesundheit. Doch laut einer neuen Studie kann es nicht schaden, es sich täglich für einige Zeit gemütlich zu machen – vorausgesetzt, man liest dabei. Denn das verlängert das Leben.

Umfrage
Wie viel lesen Sie?
10 %
21 %
69 %
Insgesamt 2391 Teilnehmer

Für die Studie, die im Fachjournal «Social Science & Medicine» erschienen ist, begleiteten die Forscher der Yale University zwölf Jahre lang das Leben von 3635 Männern und Frauen, die zu Beginn der Untersuchung über 50 Jahre alt waren. Sie unterteilte das Team um Becca R. Levy in drei Gruppen: Nichtleser, Hin-und-wieder-Leser (weniger als 3,5 Stunden pro Woche) und Viel-Leser (mehr als 3,5 Stunden in der Woche).

Lesen Sie! Egal was

«Menschen, die nur eine halbe Stunde täglich mit dem Lesen eines Buchs verbringen, haben einen signifikanten Überlebensvorteil gegenüber Menschen, die gar nicht lesen», bilanziert Levy in der «New York Times».

Konkret heisst das: Die Probanden, die regelmässig und bis zu 3,5 Stunden pro Woche lasen, verringerten ihr Risiko, früh zu sterben um bis zu 17 Prozent. Bei denjenigen, die wöchentlich mehr als 3,5 Stunden gelesen hatten, verringerte sich die Wahrscheinlichkeit, innerhalb der nächsten zwölf Jahre zu sterben, sogar um 23 Prozent. Damit verlängert Lesen das Leben um durchschnittlich zwei Jahre, so die Wissenschaftler. Und das unabhängig vom Genre oder der Art des Lesestoffs, wobei Bücher einen leicht grösseren Effekt haben.

Wieso das Schmökern von Büchern lebensverlängernd wirkt, ist noch offen. Levy und ihre Kollegen vermuten aber, dass beim Lesen von Büchern die kognitiven Fähigkeiten stärker trainiert werden als beim Zeitunglesen. Experten sprechen diesbezüglich vom «Deep Reading», weil man sich dabei viel mehr auf das Gelesene einlässt und in die geschilderte Welt abtaucht.

(fee)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Joe Amberg am 12.08.2016 22:11 Report Diesen Beitrag melden

    Quatsch mit Sauce

    Klassischer Fall von Nichtbeherrschung der Themen Korrelation und Kausalität. Nur weil Lesen und Lebenserwartung korrelieren, ist noch überhaupt keine Kausalität gegeben. Viel wahrscheinlicher: hoch gebildete, sehr gesund lebende Leute lesen viel mehr. Und oh Wunder, sie leben länger! Nur hat das mit dem Lesen rein gar nix zu tun.

    einklappen einklappen
  • Ruedi Stricker am 12.08.2016 22:05 Report Diesen Beitrag melden

    Korrelation oder Kausalität?

    Wurde da wieder einmal Korrelation mit Kausalität verwechselt? Wer länger lebt, liest mehr. Wäre mindestens plausibel.

    einklappen einklappen
  • Paolo am 12.08.2016 22:19 Report Diesen Beitrag melden

    Das gute alte Buch

    Ob es das leben verlängert oder nicht weiss ich nicht. Interessiert mich auch nicht. Ich weiss nur dass ich in den öffentlichen Verkehrsmitteln fast immer so ziemlich der einzige bin der seine Augen in ein Buch und nicht in ein Smartphone taucht. Wundert es da einem noch das eine Buchhandlung nach der anderen schliesst? Die Bücherleser werden auch bald ausgestorben sein.

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Hp am 13.08.2016 23:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gute Studie :-)

    Hab ich das richtig verstanden. Wer ca. 3,5h pro Woche liest, der lebt 2 Jahre länger. Das witzige daran wen ich vom Durchschnittsalter von 86 aus gehe. Dan die 2 gewonnenen Jahre dazu rechne, also 88. Wen ich jede Woche meine 3,5h lese bin ich nur 1,8 Jahre damit beschäftigt von meinem Leben mit lesen. Somit gewinne ich aus meiner Rechnung nur 0,2 Jahre. Da lass ich das lesen doch lieber bleiben :-)

  • kei bock am 13.08.2016 22:32 Report Diesen Beitrag melden

    nase voll

    Prima, dann hör ich ab jetzt mit dem Lesen.

  • Didi Weidmann am 13.08.2016 18:12 Report Diesen Beitrag melden

    Völlig logisch...

    Das ist doch ganz einfach erklärbar: Die grössten vorzeitigen Todesrisiken sind, auf der Strasse von einem Auto oder einem Zürcher Veloraser überfahren zu werden oder einfach die Treppe runter zu fallen oder von einem eifersüchtigen Liebhaber erstochen zu werden. Während man liest, kann man sich auch nicht mit Krankheiten anstecken und erleidet auch keinen Sportunfall. Wenn man zu Hause ein Buch liest, dann fallen also zahlreiche Risiken weg und wenn dabei auch das Essen vergisst, wird man auch nicht übergewichtig...

  • Sepp vom Wald am 13.08.2016 17:55 Report Diesen Beitrag melden

    Quatsch mit Sauce? Abstract lesen!

    Schon toll - der beliebteste Lesekommentar wirft den Studienautoren "Nichtbeherschung" des wissenschaftlichen und statistischen Handwerks vor. Dabei hat sich Herr Amberg offensichtlich nicht mal die Mühe gemacht, den abstract der Studie zu lesen. Sonst hätte er selber feststellen können welche Einflussfaktoren berücksichtigt wurden.

  • Ch. G., Mettmenstetten am 13.08.2016 14:30 Report Diesen Beitrag melden

    Reine Logik

    Macht absolut Sinn. Wer nämlich 100 Jahre alt wird, hat in seinem Leben mehr gelesen als der, der mit 12 stirbt.