Studie

16. Oktober 2019 15:48; Akt: 16.10.2019 15:48 Print

Schwankendes Einkommen lässt Hirn schneller altern

Personen mit schwankendem Einkommen sind schlechter im Denken als solche mit stabilen Einkünften. Auch ihr Gehirn ist kleiner.

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Als hätten es diejenigen, die nie genau wissen, wie viel Geld sie am Ende des Monats auf dem Konto haben, nicht schon schwer genug: Ihr Gehirn altert auch noch schneller. Das berichtet ein internationales Forscherteam um die Epidemiologin Leslie Grasset von der Universität Bordeaux.

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Für die im Fachjournal «Neurology» veröffentlichte Studie hatten die Wissenschaftler untersucht, ob es einen Zusammenhang zwischen Einkommen und Gehirnleistung gibt und wie dieser aussieht. Dafür werteten sie die Daten von 3287 Amerikanern aus, die zu Beginn der Untersuchung zwischen 25 und 35 Jahre alt waren (siehe Box).

Kleinere, schlecht vernetzte Gehirne

Ergebnis: Diejenigen, die im Untersuchungszeitraum mindestens zweimal einen Einkommensverlust von 25 Prozent oder mehr hinnehmen mussten, schnitten bei verschiedenen Tests schlechter ab als Teilnehmer, die noch nie Derartiges erlebt hatten.

Bestätigung fanden die Forscher in den MRT-Aufnahmen: Im Vergleich zu den Probanden, die keine Einkommensverluste erlebt hatten, war das Gehirn der weniger erfolgreichen auch kleiner. Weiter konnten weniger Verbindungen zwischen verschiedenen Bereichen des Hirns nachgewiesen werden.

«Unsere Ergebnisse zeigen, dass grössere Einkommensschwankungen während der Spitzeneinkommensjahre mit einer schlechteren Gehirnalterung im mittleren Alter verbunden sind», so Grassets Kollegin Adina Zeki Al Hazzouri in einer Mitteilung.

Kausalität möglich

Die Studie bestätige damit, dass es einen Zusammenhang zwischen Einkommen und Gehirnleistung gibt, so die Wissenschaftler. Sie sage jedoch nichts darüber aus, ob ein unregelmässiger Verdienst die Gehirngesundheit negativ beeinflusst.

Laut Grasset könne es genauso gut sein, dass Personen mit einem geringen oder unsicheren Einkommen ungesünder leben, mehr ungesunde Laster wie etwa Rauchen haben und allgemein medizinisch schlechter versorgt sind, was ebenfalls Auswirkungen auf Gehirnvolumen und -leistung hat.

(fee)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Lisa am 16.10.2019 16:01 Report Diesen Beitrag melden

    Finde es logisch

    Für mich logisch.. das Gehirn ist dann mehr Stress (bzw. einem sehr grundlegenden/schlimmen Stress, nämlich Existenzangst) ausgesetzt.

  • Remo am 16.10.2019 15:58 Report Diesen Beitrag melden

    Genial

    Genial was die Forscher alles raus finden. logisch, voller Sorgen wie den Tag überleben würde vermutlich mein Gehirn auch schneller altern.

  • Cpt. Commonsense am 16.10.2019 16:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    stichwort kausalität

    toller artikel, sehr aussagend. das verdient einen pulitzer preis, denn heute habe ich was gelernt, was ich sonst nie herausgefunden hätte, danke!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Bölimaa am 17.10.2019 11:19 Report Diesen Beitrag melden

    Nicht auf Europa portier bar

    Eine Amistudie für Amis. Würden sie das in Europa machen, kämen sie auf ganz andere Ergebnisse. Würden sie noch Sportler hizuziehen noch einmal ein ganz anderes Ergebnis. Ich finde dies wieder einmal eine Studie, die die bits nicht wert ist, aus dem der Artikel besteht.

  • Jolanda R. am 17.10.2019 09:38 Report Diesen Beitrag melden

    Jungbrunnen

    Mein Einkommen (Gehalt) und meine Stellung in der Firma steigen Stufe um Stufe regelmässig. Macht das nun mein Gehrn bzw. mich jünger, und glättet später meine Alters-Falten ? ;-)

    • Claudi am 17.10.2019 15:25 Report Diesen Beitrag melden

      Wart's ab Jolanda

      Ging mir auch so, bis mir mit 57 J. gekündigt wurde.

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  • M. Oron am 17.10.2019 09:12 Report Diesen Beitrag melden

    Tja, so was aber auch

    Ein weitere Beispiel dafür, dass der Unterschied zwischen Kausalität und Korrelation weit verbreitet nicht verstanden wird.

  • Tom Meyer am 17.10.2019 07:08 Report Diesen Beitrag melden

    Unternehmer

    Mein Einkommen schwankt zwischen CHF 235'000 und CHF 310'000 pro Jahr. Kann mir nicht vorstellen, dass sich das auf meine Denkleistung auswirkt.

    • Dick Klein am 17.10.2019 07:56 Report Diesen Beitrag melden

      Gratuliere,

      und danke dass Sie mich mit dieser Mitteilung erleuchten. Sehr konstruktiv.

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  • Glatzkopf am 17.10.2019 06:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Einkommen

    Ein zu kleines Einkommen lässt die Haare schneller ausfallen :)

    • Kopf mit Glatze am 17.10.2019 20:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Glatzkopf

      Kann ich bestätigen. Brauchst Du noch jemanden für deine Studien? kenne da noch ein paar denen es genau so geht.

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