Schutzwall

06. Juli 2014 11:14; Akt: 06.07.2014 11:15 Print

Wespen schützen ihre Brut mit toten Ameisen

Um ihren Nachwuchs vor Parasiten zu schützen, errichtet eine kürzlich entdeckte Wespenart einen Schutzwall der besonderen Art. Er besteht aus den Kadavern toter Ameisen.

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Das Wegwespen-Weibchen geht bei der Aufzucht seiner Jungen üblicherweise wie folgt vor: Weil sich der Nachwuchs in der ersten Lebensphase von Spinnen ernährt, legt es pro Nest eine Handvoll Brutkammern mit jeweils einer betäubten Spinne an. Anschliessend stattet es das Nest noch mit einer leeren Vorkammer aus und überlässt die Jungtiere sich selbst — ohne weiteren Schutz.

Anders macht es eine im chinesischen Gutianshan-Naturschutzgebiet neuentdeckte Wegwespen-Art. Deren Vorkammern sind nämlich keineswegs leer, sondern bis unter den Rand gefüllt — und zwar mit bis zu 13 Ameisenkadavern. Dies berichten Forscher um den Biologen Michael Staab von der Universität Freiburg im Fachjournal «PLOS One».

Dreifacher Schutz

Die so aufgerüsteten Nester erinnerten die Forscher an die sogenannten Beinhäuser und Ossuarien historischer Friedhöfe. Solche wurden im Mittelalter häufig errichtet, um Platz auf den Friedhöfen zu schaffen. Dafür grub man die Knochen der Verstorbenen aus und schichtete sie aufeinander. Ähnlich dicht seien auch die toten Ameisen in den Wespennestern gestapelt, heisst es in einer Mitteilung. Deshalb tauften die Forscher ihre Entdeckung auch auf den Namen Deuteragenia ossarium — Beinhaus-Wespe.

Sie gehen davon aus, dass der Wall die Larven vor Räubern und Parasiten schützt — und zwar erfolgreich. Denn verglichen mit anderen Wespen aus der gleichen Gegend werden die Larven deutlich seltener angegriffen. Staab und seine Kollegen nehmen an, dass die Mauer nicht nur als mechanische Barriere wirkt, sondern auch als chemische. Und das auf zweierlei Weise: Zum einen überdeckt der Ameisenduft den Geruch der Brut und macht es den Angreifern schwer, diese zu orten. Zum anderen könnte der Duft die Feinde auch abschrecken, weil das Nest genauso rieche wie die Vertreter einer wehrhaften Ameisenart.

(fee)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • nifnof am 06.07.2014 13:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Tja

    Menschen erlassen Gesetze und benutzen Waffen, Stadtvögel bauen Kippenstummel in ihre Nester und Wespen benutzen Ameisen. Tja die Kinder müssen nun mal geschützt werden;) Immer interessant welche Wege die Natur einschlägt/eingeschlagen hat.

  • Herbi Kessler am 06.07.2014 13:11 Report Diesen Beitrag melden

    Wespenplage

    Mir wäre lieber umgekehrt, die Ameisen würden ihre Brut mit möglichst vielen toten Wespen schützen. Dann könnte ich wieder ungestört im Freien auf der Terrasse mein Essen geniessen. ;-)

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Die neusten Leser-Kommentare

  • nifnof am 06.07.2014 13:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Tja

    Menschen erlassen Gesetze und benutzen Waffen, Stadtvögel bauen Kippenstummel in ihre Nester und Wespen benutzen Ameisen. Tja die Kinder müssen nun mal geschützt werden;) Immer interessant welche Wege die Natur einschlägt/eingeschlagen hat.

  • Herbi Kessler am 06.07.2014 13:11 Report Diesen Beitrag melden

    Wespenplage

    Mir wäre lieber umgekehrt, die Ameisen würden ihre Brut mit möglichst vielen toten Wespen schützen. Dann könnte ich wieder ungestört im Freien auf der Terrasse mein Essen geniessen. ;-)

    • Nik am 07.07.2014 08:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Überlisten..

      Es gibt Möglichkeiten..Zum Beispiel ein künstliches Wespennest über den Tisch hängen..Die Wespen sehen dies als Konkurenz und bleiben fern..Tot müssen sie nicht sein..Aber überlisten kann man sie..;-)

    • max power am 07.07.2014 10:50 Report Diesen Beitrag melden

      Und dann...

      ...motzen wegen der Mücken- und Fliegenplage, weil keine Wespen mehr da sind um diese Viecher zu fressen ;-) Ich freue mich über all die kleinen Schlupfwespen auf meinen Gemüsepflanzen, die sind der beste Freund des Gärtners weil sie alle Arten von Schädlingen bekämpfen.

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