Larsen-C-Schelfeis

07. September 2018 19:21; Akt: 07.09.2018 19:21 Print

Wie steht es um den abgebrochenen Eisberg?

Vor rund einem Jahr hat sich ein gigantischer Eisberg vom Larsen-C-Schelfeis gelöst und ist aufs Meer hinausgetrieben. Nun gibt es Neuigkeiten.

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Der A68 genannte Eisberg, der sich im September 2017 vom Larsen-C-Schelfeis gelöst hat, ist in Bewegung geraten. Experten prognostizieren, dass er zunächst kleiner werden und dann auseinanderbrechen wird. Der Abbruch des Eisbergs hatte sich schon lange angekündigt. 2014 entdeckten Mitarbeiter des Midas-Forschungsprojekts erstmals einen Riss im Schelfeis. Hier eine Detailaufnahme des Risses im Larsen-C-Schelfeis vom November 2016. Seit seiner Entdeckung überwachten die Forscher die Entwicklung des Spalts. Dabei stellten sie fest, dass er sich in den vergangenen Jahren immer weiter vorgearbeitet hatte, wobei die Entwicklungsschritte im letzten Jahr deutlich grösser geworden sind. Zum endgültigen Bruch kam es schliesslich zwischen dem 10. und 13. Juli 2017. Dabei entstand einer der fünf grössten je beobachteten Eisberge. Er ist 175 Kilometer lang und bis zu 50 Kilometer breit. Mit seinen rund 5800 Quadratkilometern Fläche ist er etwa so gross wie der Kanton Bern. Die genauen Hintergründe sind unklar. Grundsätzlich ist das Kalben – so wird das Abbrechen von Eisbergen aus dem Schelfeis genannt – nichts Besonderes. Es passiert regelmässig. Allerdings bricht selten ein solch grosses Stück ab. Zudem wächst Schelfeis normalerweise von hinten nach. Das ist beim Larsen-C-Schelf aber nicht passiert. Stattdessen hat sich seine Kante zurückgezogen – und das so weit wie nie zuvor. Ob das nachgeholt wird, ist fraglich. Für die Bildung grosser neuer Eismassen ist es in der Antarktis längst zu warm geworden. Einen markanten Anstieg des Meeresspiegels erwarten Forscher wie Andreas Bauder, Glaziologe an der ETH Zürich, nicht: «Schelfeis schwimmt ohnehin auf dem Meer, wenn es zerbricht oder schmilzt, ändert das den Wasserstand nicht.» Allerdings führe der Verlust des Schelfeises dazu, dass die Gletscher direkt ins Meer münden und dadurch viel schneller abfliessen als vorher und dass Eismassen aus dem Landesinneren ins Meer fliessen. Sollte das eintreffen, könnte der weltweite Meeresspiegel um bis zu zehn Zentimeter ansteigen. Reissen so grosse Teile wie im aktuellen Fall ab, kann das zur Gefahr für das gesamte Schelfeis werden, wie das Beispiel des in den letzten Jahren deutlich geschrumpften Larsen-Schelfeises zeigt. Das nördlich gelegene Larsen-A-Schelfeis löste sich im Januar 1995 ab. Das Larsen-B-Schelfeis verlor im Jahr 2002 innerhalb von sechs Wochen mehr als 3200 Quadratkilometer Eis.

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Über ein Jahr nach seinem Abbruch vom Larsen-C-Schelfeis in der Antarktis setzt sich Eisberg A68 gemächlich in Bewegung. «Es geht langsam los», sagte Thomas Rackow, Klimaforscher am Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung (AWI) in Bremerhaven, am Donnerstag.

Auf Satellitenbildern sei zu sehen, dass sich der Gigant aus der Lücke im Schelfeis, die er durch seinen Abbruch hinterlassen hatte, endgültig herausgedreht habe. Nur die nördliche Spitze scheine noch aufzuliegen. «Es sollte nicht mehr lange dauern, bis er durch die Ozeanströmungen beschleunigt wird», sagte der Wissenschaftler. «Dann ist er nicht mehr zu stoppen.»

Erst schrumpfen, dann auseinanderbrechen

Ein starker Föhnwind, der Anfang September aus dem Schelfeis nach Osten wehte, habe den Eisberg endgültig in Bewegung gesetzt, teilte Adrian Luckman, Glaziologe an der Swansea University in Wales, auf seiner Website mit. Auf seinem Weg in Richtung wärmere Gewässer werde der Koloss immer kleiner werden. «Vor allem an der Unterseite wird er stark schmelzen», sagte Rackow. Durch den Seegang werde er auseinanderbrechen. Zurzeit stecke der Eisberg noch im Meereis fest, das dämpfe die Wellen.

Der Tafeleisberg, dem Wissenschaftler die Bezeichnung A68 gaben, hatte sich im Juli 2017 gelöst. Es ist einer der grössten Eisberge, die Forscher in den vergangenen Jahrzehnten registrierten. Damals war er 175 Kilometer lang und bis zu 50 Kilometer breit.


(fee)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Emma am 07.09.2018 20:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ist einfach so

    Schon vor userer Zeit gab es Klimawandel.

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  • EGAL am 07.09.2018 20:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    schmelze

    Ist sehr beeindruckend was da geschieht, aufhalten werden wir das Unheil wohl nicht können dass sind Massen unglaublichen Grades, unvorstellbar was auf uns zukommt! das leben auf der mutter Erde wird eine Knacknuss für alle auch die Menschen die sehr viel Geld besitzen, alle im gleichen Boot......

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  • G.D am 07.09.2018 21:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Flache Erde

    Ohh nein, das Wasser läuft jetzt aus ins Universum, da wir doch eine flache Erde haben :) Schöns Weekend

Die neusten Leser-Kommentare

  • klimaforscher am 08.09.2018 12:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    wärmeres klima ist positiv

    Was ist denn schlecht an der Erwärmung die vor 10000 Jahren begonnen hat? Das tat sie übrigens völlig ohne antrophogem co2 Beitrag. Ein wirkliches Problem wäre eine neue Kaltzeit, dann müsste man sich wirklich Sorgen machen. Deswegen ist diese ganze Klimawandel Hysterie völlig obsolet.

    • @runx am 08.09.2018 20:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @klimaforscher

      Fast alles richtig, die Erwärmung hat nach der letzten Kaltzeit von ca 1830 bis etwa 1980 gedauert. Seither nimmt die Welttemperatur (mittlere Temperatur) wieder ab. Nur wurde die Anzahl der Messstationen massiv reduziert und sind jetzt in tieferen urbanen Gebieten.

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  • Baslerbebbi am 08.09.2018 09:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Probleme

    Es kam die Eiszeit und sie wieder - auch ohne Heizung und Auto. Mehr Kummer macht mit der Kunststoff im Meer.

    • King am 08.09.2018 10:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Baslerbebbi

      Aha, und der Anstieg der Meerestemperatur nicht? Durch diesen anstieg gehen alle riffe kaputt.

    • Max Mad am 08.09.2018 11:46 Report Diesen Beitrag melden

      @ King

      Nein!!! Nicht meine Riffe. Was mach ich mit meiner Gitarre dann????

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  • Black am 08.09.2018 09:13 Report Diesen Beitrag melden

    Oh wie schrecklich !

    Jetzt müssen Wir sofort ein Careteam zusammenstellen, Spendenseite einrichten, KESB benachrichtigen u.s.w, u.s.f. Damit dieser Eisberg nicht alleine und verlassen auf dem Wasser schwimmt. Häschtäk #icetoo !

    • Freeridersteve am 08.09.2018 10:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Black

      Bitte einen Kommentar weiter unten lesen

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  • Beat Meier am 07.09.2018 23:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Neue Steuern

    Ich finde auch das die verbliebenen 5 Mio. Schweizer die ganze Welt retten müssen. Am Besten macht der Bundesrat alle möglichen neuen Klimasteuern und Abgaben auf Essen Shampoo usw. Bitte verzichtet auf Alles liebe Miteidgenossen. Die restlichen 9 Milliarden Menschen bedanken sich.

    • MMeier am 08.09.2018 00:00 Report Diesen Beitrag melden

      Genau

      weil nichts tun ist besser als zu handeln.

    • Freeridersteve am 08.09.2018 11:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Beat Meier

      Der Bundesrat ist exekutiv nicht legislativ-schon begriffen?

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  • Hörnli mit Apfelmus am 07.09.2018 23:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Aufgewärmtes mit oder ohne Video

    Dieser Eisberg wird hier wahrscheinlich noch so oft thematisiert, bis er ganz weg ist. Das wird wohl noch manchen langweiligen Aufwärmartikel abgeben. Nur schon das schmilzt in weg.

    • professor am 08.09.2018 11:41 Report Diesen Beitrag melden

      Das ist gut!

      Ja, der wird zigmal überflogen werden zum Filmen und "erforschen". Aber das ist gutes CO2 - es dient ja einen höheren Zweck. Zumindest in den Augen der NASA und der "Wissenschaft".

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