Falsch gedacht

15. Mai 2015 14:25; Akt: 15.05.2015 19:07 Print

Wie uns das Gehirn zum Narren hält

Menschen sind abergläubisch, können schlecht mit Zahlen umgehen und fallen auf Werbung herein. Schuld sind Konstruktionsfehler des Gehirns.

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Fehler gesehen?

Eigentlich leistet unser Gehirn Erstaunliches. So entwirrt es das Informationschaos, mit dem unsere Sinnesorgane laufend bombardiert werden. Und wenn es zum Beispiel darum geht, Gesichter zu erkennen, ist es jedem Computer überlegen. Doch es hat auch Schwächen: Wir vergessen Namen, können uns Telefonnummern nicht merken oder schätzen die Zeit falsch ein.

Kein Wunder, denn solche Fähigkeiten wurden nicht gebraucht, als sich der Homo sapiens vor über 100'000 Jahren entwickelte. Damals ging es vor allem um Nahrungssuche und Schutz vor wilden Tieren, heute hingegen müssen wir in einer überwiegend digitalisierten Welt zurechtkommen. Welche Fehler dem Gehirn dabei passieren, erklären Forscher um den amerikanischen Neurobiologen Dean Buonomano in dessen Buch «Brain Bugs». Hier eine Auswahl der Macken des Gehirns.

Werbung missbraucht die Sehnsucht nach der ewigen Liebe

Auch wenn viele es nicht wahrhaben wollen: Werbung wirkt. Sie beeinflusst unsere Kaufentscheidungen, ohne dass wir uns dessen bewusst sind. Und manchmal gelingt es ihr sogar, neue Traditionen zu schaffen.

Ein Beispiel ist der diamantbesetzte Verlobungsring. Solche Ringe waren vor 1938 nicht üblich. Doch dann startete der Diamanten-Konzern De Beers einen gross angelegten Werbefeldzug. Er lancierte den Slogan «Ein Diamant ist für die Ewigkeit» und platzierte glitzernde Verlobungsringe in romantischen Hollywood-Filmen. So gelang es, die Sehnsucht der Menschen nach der ewigen Liebe mit dem Diamantring zu verknüpfen – bis heute.

Gefahren erkennen wichtiger als zählen

Diese Nachricht dürfte all jene beruhigen, die schlecht im Rechnen sind: Forscher gehen davon aus, dass das menschliche Gehirn gar nicht dazu gemacht ist, mit Zahlen umzugehen (siehe Box). In der Evolution war es wohl wichtiger, Muster zu erkennen – zum Beispiel, dass gerade ein paar Schlangen über den Boden kriechen.

Um wie viele Schlangen es sich dabei genau handelte, war nebensächlich. Denn schon vor einer einzigen Giftschlange musste man sich in Acht nehmen.

Der Trick mit der gedehnten Zeit

Dass wir gesprochene Sprache verstehen, erscheint uns völlig selbstverständlich: Mühelos können wir in einem Satz einzelne Wörter unterscheiden. Doch das Gehirn leistet dabei Schwerstarbeit. Denn es muss permanent analysieren, wo ein Wort endet und wo das nächste anfängt.

Damit das leichter gelingt, wendet das Hirn offenbar einen Trick an: Es dehnt die winzigen Pausen, die ein Sprecher zwischen zwei Wörtern macht, künstlich aus. Davon gehen Forschende des Unispitals Lausanne aus. Sie untersuchten dies im Experiment zwar nicht mit Sprache, jedoch mit Tönen. Dazu spielten sie Probanden zwei Tonfolgen vor, zwischen denen es eine kurze Pause von etwa einer halben Sekunde gab. Die Probanden mussten durch Drücken auf einen Knopf angeben, wie lange die Pause gedauert hatte. Sie schätzten diese grundsätzlich länger ein, als sie tatsächlich war.

Fazit: Unser Hirn manipuliert die wahrgenommene Zeit, ohne dass wir es merken – und hilft uns wahrscheinlich dadurch, die Sprache besser zu verstehen.

(Autoren: Santina Russo, Claudia Hoffmann, Fabio Schönholzer)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Neur Ologe am 15.05.2015 14:42 Report Diesen Beitrag melden

    Konstruktionsfehler?!

    Da gibt es keine Konstruktionsfehler! Wir sind schlichtweg nicht für gewisse Aufgaben gemacht/geeignet. Das wir bzw. unser Gehirn trotzdem Aufgaben lösen kann, für die es eigendlich nicht ausgelegt ist, zeugt doch von einer sehr guten Konstruktion.

  • H. Irn am 15.05.2015 14:48 Report Diesen Beitrag melden

    Frage

    Und was ist mit jenen, die die Rechenaufgabe im Kästchen richtig gelöst haben? Hochbegabte..?

    einklappen einklappen
  • Tom am 15.05.2015 15:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gewusst wie...

    Denke das Hirn kann mehr als manch einer sich zutraut. Wichtig ist doch, dass man eine Fragestellung richtig angeht. Beispiel: wieviel ist eineinhalb drittel von 10? bevor ihr kompliziert rechnet: 1,5 / 3 --> 1/2, also ist die Lösung 5

Die neusten Leser-Kommentare

  • Thomas am 16.05.2015 23:48 Report Diesen Beitrag melden

    Wiederholungen

    Wir fallen nicht auf Werbung herein, sondern auf Wiederholungen. Je öfter etwas wiederholt wird, desto eher prägen wir es uns ein. Unser Gehirn ist extrem manipulierbar. Wenn man an einen rosa Elefanten denkt, wenn man jedes Mal "Feuer" sagt, denkt man daran. Feuer, Feuer, Feuer! Je öfter etwas wiederholt wird, dem wird vertraut. Gleichgültig ob es wirklicher Mist ist oder nicht. Wir lernen von Wiederholungen, wenn wir in die Schule gehen, auf Arbeit oder nach Hause! Sie machen uns das Leben leichter und deshalb glauben wir an sie! Werbung & Propaganda haben nur Erfolg, werden sie wiederholt

  • Zeitsprung am 16.05.2015 22:38 Report Diesen Beitrag melden

    Zeit ist eine reine Illusion

    Den es gibt nur ein jetzt und hier. In Wirklichkeit wird die Illusion der Zeit dazu benutzt uns zu manipulieren, wir sind aber gerade im hier und jetzt dabei diesen Umstand zu erkennen und damit die Manipulatoren und deren Manipulationen zu transformieren um unsere verlorene Freiheit wieder zu erlangen.

  • braindead am 16.05.2015 12:42 Report Diesen Beitrag melden

    Der grösste Konstruktionsfehler

    den allerdings nicht alle von uns haben, ist der zu glauben, das Gehirn tauge nur zu in der Steinzeit für immer festgelegten Aufgaben. Dabei ist doch die bedeutendste Eigenschaft genau, dass es teilweise umprogrammiert werden kann. Ausserdem hat sich ein Bewusstsein entwickelt, das sogar eigene Schwächen umfassen kann sowie Strategien dagegen. Wer leicht von Werbung beeinflusst wird, trifft bedeutende Kaufentscheidungen erst am nächsten Tag. Wer Zeit schlecht einschätzen kann, verwendet Uhren...

  • W. Spahni am 16.05.2015 10:47 Report Diesen Beitrag melden

    Sie wissen viel und haben keine Ahnung!

    Der einzige Konstruktionsfehler sind die amerikanischen Neurobiologen!

  • M.G. am 15.05.2015 20:07 Report Diesen Beitrag melden

    Fragwürdige Aussage über Zahlen

    Aborigines die traditionell leben kennen keine Zahlen, nur die Begriffe "Eins" und "Viele". Das bedeutet aber nicht das Zählen unnatürlich ist. Raubkatzen zum Beispiel brauchen ein rudimentäres Zahlenverständnis sonst könnten sie ihre Welpen nicht von einem Versteck ins nächste tragen ohne eines aus ihrem Wurf zu vergessen. Aborigines leben in Gruppen, keiner muss seine Kinder einzeln und nacheinander von A nach B bringen, Zählen ist daher nicht notwendig. Und wer weiß, vielleicht konnten ihre asiatischen Vorfahren zählen und sie hatten es nur verlernt.