Tierischer Fetisch

22. Juli 2014 08:41; Akt: 22.07.2014 08:41 Print

Windkraftanlagen ziehen Seehunde magisch an

Wenn Seehunde Hunger haben, steuern sie Offshore-Windparks an. Die Wissenschaft rätselt, aus welchen Gründen sie das tun.

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Auf der Suche nach Futter tummeln sich Seehunde in der Nähe von Offshore-Windparks. (Bild: Keystone/AP/Darryl Dyck)

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Zumindest einige Seehunde schwimmen bei der Futtersuche gezielt zu Offshore-Windkraftanlagen. Die Parks seien möglicherweise ein attraktives Jagdgebiet für die Meeressäuger, berichten Forscher im Fachmagazin «Current Biology». Auch unterseeische Pipelines sind demnach beliebt. Welche Auswirkungen Windparks auf dem Meer auf die Tiere dort haben, ist bisher weitgehend unklar, Umweltschützer befürchten negative Folgen – etwa durch Lärm.

Die Wissenschaftler um Deborah Russell von der schottischen Universität St. Andrews hatten Seehunde und Kegelrobben an der britischen und niederländischen Küste mit GPS-Sendern ausgerüstet. Dann erfassten sie die Bewegungen der Tiere.

Künstliche Riffe

Elf der mehr als hundert mit Sendern versehenen Seehunde besuchten die Offshore-Windparks «Alpha Ventus» in Deutschland und «Sheringham Shoal» in Grossbritannien. Einzelne Tiere schwammen zur Nahrungssuche zielgerichtet von einer Anlage zur nächsten. Sowohl Seehunde als auch Kegelrobben wurden ausserdem dabei beobachtet, wie sie wiederholt und teils tagelang unterseeischen Pipelines folgten.


So schaut es aus, wenn die Seehunde nach Futter suchen. (Video: Current Biology, Russell et al.)

Möglicherweise wirkten die Konstruktionen als künstliche Riffe, die Fische anlocken, schliessen die Forscher. In weiteren Studien wollen sie herausfinden, warum die Offshore-Anlagen Robben anlocken. Gibt es in den Windparks insgesamt mehr Nahrung oder sammeln sich nur bestimmte Beutetiere an den Anlagen?

Wissen gezielt einsetzen

Das Wissen darüber könne helfen, die Offshore-Parks so zu gestalten, dass negative Effekte reduziert und mögliche positive Effekte verstärkt werden.

Noch sei unklar, was es für die Robben und ihre Beutetiere bedeuten wird, wenn immer mehr Windparks in ihrem Lebensraum entstehen. «Nur ein kleiner Teil der beobachteten Robben nutzte Windparks und Pipelines», wird Russell in einer Mitteilung zur Studie zitiert. Und es gebe momentan nur wenige solche Bauwerke im Lebensraum der Tiere. «Wenn flächendeckend Windparks entstehen, werden viel mehr Seehunde betroffen sein.»

(fee/sda)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Michael Klein am 23.07.2014 08:02 Report Diesen Beitrag melden

    Alles erklärbar

    Das ist der gleiche Effekt wie er in Nordsee bei den Ölplattformen vorkommt. Auch wenn Fische nicht reden könnne, doof sind sie noch lange nicht. Sie haben gemerkt, das sie dort vor den Fischern sicher sind. Dort hat es nachweislich (Thünen Institut Cuxhaven) dickere Fische. Und das haben halt die Seehunde auch mitbekommen - das dicker Futter gibt es da, wo sie alleine jagen können.

  • Leserin am 22.07.2014 16:37 Report Diesen Beitrag melden

    Seelöwen

    sind nicht taub. Studien kosten viel Geld.

  • Franz Meister am 22.07.2014 14:19 Report Diesen Beitrag melden

    11 von mehr als 100?

    Also ich verstehe nicht, warum hier von gezielter Suche ausgegangen wird, wenn nur ca 10 % der Seehunde dorthin schwimmen ;)

Die neusten Leser-Kommentare

  • Michael Klein am 23.07.2014 08:02 Report Diesen Beitrag melden

    Alles erklärbar

    Das ist der gleiche Effekt wie er in Nordsee bei den Ölplattformen vorkommt. Auch wenn Fische nicht reden könnne, doof sind sie noch lange nicht. Sie haben gemerkt, das sie dort vor den Fischern sicher sind. Dort hat es nachweislich (Thünen Institut Cuxhaven) dickere Fische. Und das haben halt die Seehunde auch mitbekommen - das dicker Futter gibt es da, wo sie alleine jagen können.

  • Leserin am 22.07.2014 16:37 Report Diesen Beitrag melden

    Seelöwen

    sind nicht taub. Studien kosten viel Geld.

  • Franz Meister am 22.07.2014 14:19 Report Diesen Beitrag melden

    11 von mehr als 100?

    Also ich verstehe nicht, warum hier von gezielter Suche ausgegangen wird, wenn nur ca 10 % der Seehunde dorthin schwimmen ;)

  • sherif am 22.07.2014 14:12 Report Diesen Beitrag melden

    einfache Antwort

    ich gehe von einer ziemlich einfachen Antwort aus. es gibt immer wieder jungvögel zb. milane welche von den Windrädern erschlagen werden. weshalb auf einfaches Futter verzichten, wenns schon rumliegt! ;)