Schrott im Weltall

05. September 2011 14:56; Akt: 05.09.2011 15:16 Print

Wir werden zugemüllt

Der Schrott, der im Weltraum herumfliegt, nimmt massiv zu. Müllwolken wachsen heran und bedrohen Raketen, Raumschiffe und Satelliten, warnen US-Experten - und fordern Gegenmassnahmen.

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«Die momentane Situation im Weltraum wird immer gefährlicher für die Raumfahrt und die Astronauten», sagt Donald Kessler vom «National Research Council» gegenüber der britischen Zeitung «Guardian». Man sei jetzt an einem Wendepunkt angelangt.

Kessler leitete im Auftrag des Weissen Hauses eine Untersuchung über den Schrott im Weltraum. Der Bericht des amerikanischen «National Research Council»zeigt: Die Zahl des Mülls im All steigt exponentiell. Weil die Schrott-Teile miteinander oder mit Meteoriten kollidieren, entstehen ganze Wolken von winzigen Fragmenten, alten Raumfahrtteilen und zerstörten Satelliten. Entsprechend steige die Gefahr von Kollisionen zwischen dem Müll und aktiven Satelliten, Raumschiffen oder der Internationalen Raumstation ISS.

Situation ist kritisch

Die Bemühungen der letzten Jahre, den Weltraumschrott zu reduzieren, wurden durch zwei grosse Ereignisse zunichtegemacht, schreibt BBC Online. 2007 habe China im Rahmen eines Waffentests einen nicht mehr benötigten Wetter-Satelliten zerstört. Dieser sei in mehr als 150 000 Teile grösser als ein Zentimeter zerfallen.

Zwei Jahre später sei ein noch aktiver Satellit mit einem alten ausgemusterten Satelliten zusammengestossen. «Diese beiden Ereignisse haben alle Bemühungen der letzten 25 Jahre, den Schrott zu reduzieren, ausgelöscht», bilanziert Kessler.

Derzeit gibt es eine halbe Million grössere Schrottteile im All. Davon sind 22 000 so gross, dass sie von der NASA von der Erde aus beobachtet und ihre Bewegungen verfolgt werden können (siehe Bilder oben). Aber auch die kleineren Objekte, von denen es mehrere Millionen gibt, deren Bahnen niemand kennt und die mit Geschwindigkeiten von bis zu 28,1 Stundenkilometer durchs All fliegen, können bereits beträchtliche Schäden anrichten.

Im Juni dieses Jahres entging die Internationale Raumstation ISS nur knapp einem Zusammenstoss mit Weltraummüll. Die sechs Astronauten hatten sich bereits in die Rettungskapsel zurückgezogen, falls sie nach der Kollision rasch zur Erde hätten zurückkehren müssen.

Zeit für Gegenmassnahmen

Seit dem Ende des Space-Shuttle- Programms gebe es keine konkreten Bemühungen mehr, um den Weltraumschrott zu entfernen, heisst es im Untersuchungsbericht weiter. Es sei aber höchste Zeit, jetzt wieder entsprechende Programme aufzunehmen. «Je länger wir damit warten, desto teurer wird das Ganze», warnt Kessler. Angesichts der aktuellen finanziellen Situation der USA sei er aber nicht sehr optimistisch, dass wirklich etwas gegen den Weltraummüll unternommen werde.

Immerhin: Es gibt verschiedene Firmen, welche erforschen, wie der Schrott aus dem All zu bekommen wäre. So könnte man etwa mit Leichtgewichtsnetzen den Müll einfangen und auf die Erde transportieren. Erforscht werden derzeit auch Methoden, bei denen Sonden am Müll andocken und diesen dann in die Erdatmosphäre steuern, wo er verglüht. Zudem sind die neuen Satelliten mit immer ausgeklügelteren Schutzsystemen gegen derartige Kollisionen ausgerüstet.

(uwb)