Die grosse Lüge

27. April 2019 18:08; Akt: 27.04.2019 18:08 Print

Wo Wasabi draufsteht, ist meist gar kein Wasabi drin

von Fee Riebeling - Wasabi ist grün, scharf und wird zu Sushi serviert? Das stimmt leider nicht. Wahrscheinlich hast du noch nie echtes Wasabi gegessen.

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Wer Sushi bestellt, bekommt neben Soja-Sauce meist auch eine grüne Paste serviert. Wasabi, denken die meisten. Aber: Sie irren.

Welches Wasabi liegt dann auf meinem Teller?

Was uns in der Regel als Wasabi gereicht wird, ist in den meisten Fällen eine Mischung aus gewöhnlichem Meerrettich, Senfpulver und den Farbstoffen E133 (Brillantblau) und E102 (Tartrazin, siehe Box).

Die Japaner bezeichnen das Gemisch, das seit 1939 als Alternative zu echtem Wasabi (Eutrema japonica) verwendet wird, entweder als Seiyō Wasabi (westliches Wasabi) oder als Kona Wasabi (Pulver-Wasabi). Der Pseudo-Wasabi wird den Restaurants als Pulver geliefert und vor Ort mit Wasser vermischt.

Warum bekommen wir kein echtes Wasabi?

Das hat zwei Gründe: Zum einen ist wilder Wasabi selten. Er wächst nur an ein paar nordjapanischen Flussläufen und ist dementsprechend teuer. Wie auch Kaviar gehört er zu den teuersten Lebensmitteln der Welt.

Zum anderen ist er gerieben nur rund 20 Minuten haltbar. Das macht ihn unbrauchbar für die Massengastronomie.

Kurz: Dass die meisten von uns nur diese «Würzpaste nach Wasabi-Art» kennen, ist auch der Preis, den wir dafür zahlen, dass so viele Menschen weltweit Sushi mögen. Denn dadurch übersteigt die Nachfrage das Angebot bei weitem.

Wie erkenne ich, was auf meinem Teller liegt?

Das erkennt man zum einen an der Farbe: Der Pseudo-Wasabi ist giftgrün, das Original hat dagegen eher einen Mintton. Zum anderen gibt der Geschmack Aufschluss. Denn Eutrema japonica ist deutlich komplexer und nicht so scharf wie das Produkt, das in der Regel serviert wird. Ein weiterer Unterschied ist auch, dass der echte Wasabi nach rund 30 Minuten aufgrund der Oxidation an Geschmack verliert.

Warum darf das Pseudo-Wasabi denn Wasabi heissen?

Dies ist deshalb möglich, weil die Hersteller der Paste jeweils etwas echten Wasabi, auch Wassermeerettich genannt, beimischen.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Rösli Tell dazu am 27.04.2019 18:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Es ist doch völlig normal,

    dass wir Alle immer wieder über den Tisch gezogen werden. Auch ein scharfe Angelegenheit

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  • Ruedi am 27.04.2019 18:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Normalität abzockender Unternehmen

    Warum bin ich da nicht überrascht?! Hauptsache es profitiert dadurch irgend ein Hersteller.

  • Pia am 27.04.2019 18:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kein neues Phänomen

    Ja das ist leider gang und gebe das man beschiessen wird wo es nur geht .Aber solang die Gesetzgebung dies zulässt wird sich nichts ändern.Den Politikern ist nur wichtig genug Steuern einzutreiben damit sie genug zum versauen haben .

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Peter am 03.05.2019 14:15 Report Diesen Beitrag melden

    Eher Mild

    In Japan bekommt man in guten Restaurants frischen Wasabi. Dieser wird auf einer Haihaut gerieben und ist ziemlich mild. Für Menschen die es scharf mögen eher eine Enttäuschung. In Nagano wird übrigens viel Wasabi angebaut. Wer mal in Japan ist und sich für diese Pflanze interessiert, kann problemlos eine Plantage besuchen. Wasabi wächst in fliessenden Gewässer und wird in den Wintermonaten geerntet.

  • Miriam F. am 01.05.2019 18:33 Report Diesen Beitrag melden

    Gesund???

    Es wurde kürzlich berichtet, dass im rohen Fisch gefährliche unsichtbare Würme sind. Und jetzt beim Wasabi haben wahrscheinlich die meisten noch nie wirklich echte gegessen. Dann, guten Appetit beim Japanisch-Essen.

  • Raymond am 30.04.2019 19:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nicht immer jammern!

    Muss immer hyper-reagiert werden? Nicht alle wasabi Pasten enthalten Tartrazin. Und wenn die Paste schmeckt und the real thing nicht haltbar und unbezahlbar ist, warum jammern? Die meisten Pasten die wir hier kaufen schmeckt tatsächlich gut, ich habe schon mehrmals richtige wasabi gehabt ( wird dann, auf einen mit Haifischhaut-überzogenen Brett, direkt am Tisch gerieben )

    • Peter am 03.05.2019 14:21 Report Diesen Beitrag melden

      Karashi

      Als Alternative zur Wasabipaste kann man auch Karashi nehmen. Oder das frische Wasabi damit "tunen" damit es mehr Dampf bekommt....

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  • Traveller am 30.04.2019 18:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Als ob wir

    Sushi und dessen Zugemüse brauchen würden. Aber nur um Andern zu zeigen"man ist jemand".

  • Wanadi am 30.04.2019 12:33 Report Diesen Beitrag melden

    Na und?

    Für jemanden wie mich, der noch nie echtes Wasabi gegessen hat - etwa, weil er noch nie in Japan war-, mag dieser Artikel zwar interessant sein, ist aber völlig irrelevant: ich werde weiterhin beim giftgrünen Ersatzprodukt von Wasabi reden.