Gefährlicher Trend

16. Oktober 2019 16:30; Akt: 16.10.2019 16:30 Print

Zahnpasta hat in der Vagina nichts zu suchen

Zahnpasta dient eigentlich dazu, die Zähne sauber zu halten. Doch Frauen haben einen neuen Ort der Verwendung gefunden: ihren Genitalbereich.

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Für die meisten Menschen sollte klar sein: Zahnpasta gehört zunächst auf eine Zahnbürste, ... ... und dann in den Mund beziehungsweise auf die Beisserchen. Doch manche Frauen haben noch ein anderes – vermeintliches – Anwendungsgebiet gefunden, nämlich den weiblichen Genitalbereich, konkret: Vagina und Vulva. Dort soll die Dentalcreme angeblich für mehr Straffheit sorgen. Der vermeintliche Beauty-Trend dürfte Ärzte entsetzt aufschreien lassen. Auf jeden Fall warnen sie davor, wie die britische Zeitung «The Sun» berichtet. Einerseits weil eine die Vagina straffende Zahnpasta nicht mehr als ein Mythos ist, andererseits weil Frauen, die den Internet-Tipp umsetzen, mit ihrer Gesundheit spielen. Ein unangenehmer Juckreiz wäre noch die harmloseste Folge. Die Inhaltsstoffe von Zahnpasta wirken ätzend auf die Scheidenflora und können diese zerstören, was zu einem Austrocknen des Genitals führen kann, zitiert das britische Blatt Vanessa Mackay vom Royal College of Obstetricians and Gynaecologists in London. Weiter wird dadurch Bakterien und Pilzen der Weg geebnet. Auch sexuell übertragbare Krankheiten können bei einer aus dem Gleichgewicht geratenen Scheidenflora leichter einfallen, erklärt Mediziner Oluwole Yusuf aus Nigeria. Daraus könne auch Unfruchtbarkeit resultieren. Eine weitere unschöne Folge der unsachgemässen Verwendung von Zahnpasta: Da sie mitunter kleine Partikel enthält, kann sie auch schmerzhaften Mikroabrieb an den Vaginalwänden verursachen. Frauen, die wirklich befürchten, ihre Vagina sei zu weit, empfehlen die Ärzte Beckenbodentraining oder den Besuch bei einem Experten. Sich Zahnpasta auf Vagina und Vulva zu schmieren, ist übrigens nicht die einzig doofe Idee, die in den letzten Monaten durch das Internet geisterte. Den meisten Menschen dürfte nur eine Antwort auf die Frage nach der Verwendung von Glaces einfallen: ... So sahen sich Mediziner im Sommer 2019 dazu genötigt, darauf aufmerksam zu machen, dass Glace-Stängel nicht im weiblichen Intimbereich zweckentfremdet werden sollten. Von einem solchen Fall, in dem eine Frau ihre Vagina auf diese Art kühlen wollte, berichtete Metro.co.uk und liess gleichzeitig eine Frauenärztin warnend zu Wort kommen. Denn ... ... neben einer Art genitalem Gefrierbrand drohen auch Irritationen, Infektionen und Traumata. Damit sind sie genauso schädlich für den weiblichen Genitalbereich wie etwa Intimpflegestäbe für die Vagina (hier im Bild das Modell Secret Ceres, es gibt aber auch jede Menge vergleichbare Produkte anderer Hersteller). Die erinnern zwar auf den ersten Blick ... ... wahlweise an bayerische Weisswürste oder ... ... Tafelkreide. Aber keiner dieser Vergleiche passt. Denn die Vagina-Sticks sollen gemäss Herstellern in die weibliche Scheide eingeführt werden. Diese soll dadurch unter anderen verjüngt, verengt – kurz: besser gemacht werden. Auch hier warnen Gynäkologen davor. «Solche Versprechen ... ... haben keinen medizinischen Hintergrund», sagt etwa Cornelia Betschart vom Unispital Zürich. Auch ihre US-Kollegin Jen Gunter äussert sich kritisch: «Wenn der Stab nur zwei Minuten lang eingeführt werden darf, dann beruht seine Wirkung ziemlich sicher auf dem ätzenden Effekt von Chemikalien.» Letztere brachte es auf ihrem Blog auf den Punkt: «Versuche, die Vagina zu ‹reinigen›, schaden ihr in Wahrheit.» Und weiter: «VAGINAS SIND NICHT SCHMUTZIG. Ich verwende die Grossbuchstaben bewusst, denn ich schreie gerade vor Wut.» Soll heissen: In die Vagina gehört genau nichts. (Im Bild: Jen Gunter) Der Gedanke dahinter: Dadurch würde der Monatsblutung auf die Sprünge geholfen, sollte sie auf sich warten lassen. Der Rat sorgte bei Gynäkologen für Entsetzen. Einerseits weil der von der Marie-Claire-Redaktion beschriebene Effekt der Methode mehr als fraglich ist, ... ... andererseits weil Petersilie im Genitalbereich zu schweren Schädigungen und sogar zum Tod führen kann, wie die Gynäkologin Shazia Malik gegenüber dem «Independent» sagte. «Es gibt nur wenige Dinge, die in deine Vagina gehören, und Gemüse ist generell keines davon», urteilt die Frauenärztin, die wohl auch nichts vom Trend namens «Yoni Cucumber Cleanse» halten dürfte, der vor einiger Zeit im Internet die Runde machte. Geht es nach Youtuberin Rain Florence, machen sich Gurken nicht nur im Salat und auf den Augen gut. Sie empfiehlt ihren Followern, das Gemüse auch zu Reinigungszwecken – zum Einsatz in der Vagina. Damit steht sie nicht allein da: Auf Youtube, ... ... Instagram und ... ... Twitter verbreiten unzählige Influencer, Blogger und Vlogger die Kunde vom sogenannten «Yoni Cucumber Cleanse», was angeblich die Scheidenflora auf Vordermann bringen, für einen frischen Geruch sorgen und etwaige Wehwehchen heilen soll. Die meisten empfehlen, das grüne Gemüse zu schälen und auf die «richtige Grösse» zurechtzuschneiden. Einmal im Körper, solle man sie zudem längere Zeit einwirken lassen. Damit bei der Anwendung auch ja nichts schiefgeht, werden sogar spezielle Schulungen angeboten. Frauen sollten die Hygiene ihrer Vagina dieser selbst überlassen, empfiehlt die Expertin: «Die Flora reguliert sich selbst – es reicht, die Vagina einfach mit Wasser zu waschen.» Weitere interessante Fakten zum weiblichen Geschlechtsorgan finden Sie in den folgenden Bildern. Nicht für die Schule, sondern fürs Leben lernen wir – so heisst es. Trotzdem gerät der eine oder andere Fakt in Vergessenheit. Oder hätten Sie noch gewusst, ... ... dass die Klitoris rund 8000 Nervenenden hat, die die sexuelle Lust fördern können. Im Penis hingegen sind nur 4000 Nervenenden vorhanden. Kein Wunder ist das weibliche Geschlecht äussert sensibel. Der Orgasmusrekord einer Frau liegt bei 134 Höhepunkten während einer Stunde. Bei Männern waren es bloss 16. Der längste weibliche Höhepunkt, der je gemessen wurde, dauerte übrigens 43 Sekunden mit 25 aufeinanderfolgenden Kontraktionen. Wer Schwierigkeiten damit hat, sollte seinen Beckenboden trainieren. Selbst Frauen, die noch nie einen vaginalen Orgasmus hatten, können durch sogenanntes «Kegel-Training» neue Höhepunkte erreichen. Das hilft übrigens nicht nur bei Orgasmen, sondern auch bei unkontrolliertem Harn-, Kot- oder Flatulenz-Drang. Die Vagina bildet die Verbindung zwischen dem Gebärmutterhals und der Vulva. Ausserdem ist sie grösser als angenommen. Normalerweise ist sie zwischen 8 und 12 Zentimeter lang. Bei Erregung dehnt sie sich jedoch in ihrer Länge und Breite aus und kann gut doppelt so gross werden. Die Innenwände sind normalerweise gefaltet. Beim Geschlechtsverkehr öffnen sie sich jedoch wie ein Regenschirm. Dadurch ist sie extrem dehnbar und passt sich dem Penis jedes Mannes an. Der G-Punkt ist teilweise noch immer ein Mysterium. Fakt ist: Es gibt ihn. Er liegt 5 bis 7 Zentimeter vom Scheideneingang entfernt, ist schwammartig und fühlt sich rau an. Eine Orgasmus-Garantie gibt er aber nicht: Während die einen durch Stimulation des G-Punkts sogar ejakulieren können, empfinden andere diese Art von Erregung als unangenehm. Was die Schamhaar-Frisur angeht, gehen die Meinungen auseinander. Während es die einen natürlich mögen, setzen andere auf Kurzhaar. Wieder andere stehen auf Komplettrasur, den sogenannten Hollywood-Cut. Was jedoch kaum einer weiss: Lässt man das Schamhaar spriessen, hat es eine Lebenserwartung von drei Wochen. Kopfhaar hingegen kann bis zu sieben Jahre alt werden. Die Vagina ist ein Organ, das sich selbst reinigt. Eine gewisse Menge an Ausfluss ist deshalb ein Teil des natürlichen Reinigungsprozesses. Sobald jedoch Schmerzen auftreten oder der Ausfluss verstärkt austritt oder unangenehm riecht, sollte ein Arzt aufgesucht werden. Denn das kann ein Hinweis auf eine sexuell übertragbare Krankheit sein. Bei wiederkehrenden vaginalen Infektionen könnte der Verzehr von Probiotika oder probiotischen Lebensmitteln wie Joghurt Abhilfe schaffen. Denn in der Vagina wimmelt es nur so von Bakterien. Und einige von denen befinden sich auch im Joghurt. Werden sie verzehrt, stärken sie die Scheidenflora. Doch auch eine übertriebene Intim-Hygiene kann zu genitalen Irritationen führen. Denn dadurch kann es beim Sex manchmal zu Reizungen, Juckreiz oder Schmerzen kommen. Nachzuvollziehen ist es aber: Denn direkt unter der Haut der Schamlippen sitzen kleine Drüsen, die Öl und Schweiss absondern. Beides braucht die Vagina, um sich in hitzigen Momenten selbst herunterzukühlen und unangenehmer Reibung vorzubeugen. Hätten Sie gewusst, dass die Vagina und ein Hai etwas gemeinsam haben? Squalen - ein organischer Stoff - kommt sowohl im Lebertran verschiedener Haie als auch im Sekret des weiblichen Geschlechts vor. Es dient als natürliches Gleitmittel der Scheide und spendet viel Feuchtigkeit. Das natürliche Milieu der Scheide besitzt übrigens – wie Wein – einen pH-Wert von 4,0 und ist damit also eher sauer. Krankheitserreger werden dadurch besser abgewehrt. Die Bezeichnung Vagina stammt übrigens aus dem Lateinischen und bedeutet Scheide im Sinn einer Schwertscheide. Sinnbildlich steckt also der Mann sein Schwert in die Scheide der Frau.

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Eine straffere Vagina – das wünschen sich offenbar viele Frauen. Anders ist es nicht zu erklären, warum im Internet immer neue kuriose Tipps für Untenrum die Runde machen. Demnach sollen wahlweise Gurken, Petersilie, Stängelglace oder spezielle Vagina-Sticks den weiblichen Genitalbereich verjüngen.

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Diese vermeintlichen Ratschläge sind gefährlicher Quatsch. Genauso wie der Tipp, der zurzeit als angesagter Beauty-Trend durchs Internet geistert. Laut diesem soll Zahncreme in Vagina und Vulva einerseits für einen frischen Duft, andererseits für mehr Straffheit sorgen.

Gesundheitsgefahr statt Liftingeffekt

Doch statt des erhofften Liftingeffekts dürften diejenigen, die den Rat tatsächlich befolgen und sich die Dentalcreme zwischen die Beine schmieren, mit fiesen und zum Teil sogar gefährlichen Nebenwirkungen zu kämpfen haben. Dies berichtet Thesun.co.uk unter Berufung auf verschiedene Ärzte.

So droht etwa der empfindliche Intimbereich auszutrocknen. Zudem sei es nicht mehr als ein Mythos, dass Zahnpasta die Vagina strafft, wird Vanessa Mackay, schottische Vertreterin beim Royal College of Obstetricians and Gynaecologists in London, zitiert.

Welchen Risiken man sich bei dem angeblichen Beauty-Trend sonst noch aussetzt und was man bei einer zu weiten Vagina besser machen sollte, erfährst du in der obigen Bildstrecke.

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(fee)