Gravierender Eisverlust

14. Juni 2018 21:40; Akt: 14.06.2018 21:40 Print

Um die Antarktis steht es schlimmer als je zuvor

219 Milliarden Tonnen Eis verlor die Antarktis zwischen 2012 und 2017 – pro Jahr. Für die Menschen in Küstennähe bedeutet das nichts Gutes.

Die Sorge der Forscher ist nachvollziehbar: Noch nie hat die Antarktis so schnell so viel Eis verloren. (Video: NPG Press)
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Die Antarktis verliert gemäss einer Hochrechnung immer schneller Eis. Waren es von 1992 bis 2012 im Schnitt etwa 76 Milliarden Tonnen pro Jahr, erreichte das Mittel zwischen 2012 und 2017 mit 219 Milliarden Tonnen fast das Dreifache, wie ein internationales Forscherteam um Andrew Shepherd von der University of Leeds im Fachjournal «Nature» schreibt.

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«Laut unseren Analysen ist es in den letzten zehn Jahren zu einer Beschleunigung des Masseverlusts in der Antarktis gekommen», erklärt Shepherd. Die Antarktis trage gegenwärtig zu einem höheren Anstieg des Meeresspiegels bei als jemals zuvor in den letzten 25 Jahren.

Regierungen sind gefordert

Insgesamt liess das schmelzende Eis der Antarktis den weltweiten Meeresspiegel zwischen 1992 und 2017 um 7,6 Millimeter steigen, berichten die Forscher.

Würde sämtliches Eis in der Antarktis verschwinden, hätte das einen Anstieg des globalen Meeresspiegels um 58 Meter zur Folge. «Es muss den Regierungen, denen wir vertrauen, ein Anliegen sein, unsere Küstenstädte und -gemeinden zu schützen», so Shepherd.

Rückgang im Osten und im Westen

Insgesamt 84 Wissenschaftler von 44 internationalen Organisationen führten 24 satellitengestützte Eismasseschätzungen zusammen, um den Eisverlust zu kalkulieren. Dabei wurden drei verschiedene Messmethoden angewendet: die Höhenmessung, die Messung der Schwerkraft und die Input-Output-Methode (Zuwachs durch Schnee, Verlust durch Schmelzen, Kalben der Gletscher und Abfluss des Eises).

Den grössten Anteil am Eismasseverlust hatte die Westantarktis, wo sich der jährliche Abbau von durchschnittlich 53 Milliarden Tonnen (1992 bis 2012) auf 159 Milliarden Tonnen (2012 bis 2017) verdreifachte. Doch auch in der Ostantarktis, wo es durch vermehrten Schneefall von 1992 bis 2012 einen Zuwachs gegeben hatte, hat sich das Blatt gewendet: Für den Zeitraum 2012 bis 2017 errechneten die Forscher einen jährlichen Verlust von 28 Milliarden Tonnen Eis für den dortigen Eisschild.

Irreversible Schäden

Mit der Zukunft der Antarktis befasst sich Martin Siegert vom Imperial College London: «Einige der Veränderungen, mit denen die Antarktis konfrontiert ist, sind bereits irreversibel, wie der Verlust einiger Schelfeisgebiete, aber es gibt vieles, was wir verhindern oder rückgängig machen können», sagt er. Als Schelfeis bezeichnet man eine grosse Eisplatte, die auf dem Meer schwimmt und von Gletschern, Eisströmen oder Eiskappen gespeist wird und noch mit diesen verbunden ist (Anm. d. Red.)

Gemeinsam mit Stephen Rintoul vom Centre for Southern Hemisphere Oceans Research im australischen Hobart und weiteren Wissenschaftlern hat Siegert zwei mögliche Entwicklungen durchgespielt: Wie es mit der Antarktis in den kommenden 50 Jahren im besten und im schlimmsten Fall weitergehen wird. Die Studie ist ebenfalls in «Nature» erschienen.

Unschöne Zukunftsaussichten

Wenn sich die Welt schon bald an strenge Klima- und Umweltschutzregeln hielte, würde die Lufttemperatur in der Antarktis bis 2070 um 0,9 Grad steigen. Wenn alles weiterliefe wie bisher, wären es drei Grad. Im besten Fall würde der Beitrag der Antarktis zum weltweiten Anstieg des Meeresspiegels 6 Zentimeter betragen, im schlimmsten Fall 27 Zentimeter, hat das Team errechnet.

Das Ökosystem könnte weitgehend erhalten bleiben oder sich stark verändern. «Entscheidungen, die im nächsten Jahrzehnt getroffen werden, bestimmen, welche Entwicklung realisiert wird», mahnen die Forscher.

(fee/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • nurso am 14.06.2018 21:52 Report Diesen Beitrag melden

    Denn sie wissen nicht was sie tun...

    Ach was soll`s der Rubel rollt und am Wochenende fliegen wieder x Tausende für 1 Wochenende um den Planet... Und dann fragen sie sich wie es nur so weit kommen konnte...

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  • Roland DF am 14.06.2018 21:51 Report Diesen Beitrag melden

    Höhere Wesen?

    Die Welt wird die Menschheit überleben. Kein Zweifel!

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  • Lüku1939 am 14.06.2018 21:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ist ja nicht so schlimm

    schade merkt die menschheit nicht das sie sich und die welt kaputt macht ich habe nur so ein gefühl das uns die welt das zurückzahlt

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Martin M am 24.06.2018 18:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Umzug

    Habt ihr das gelesen liebe Holländer? Das bedeutet den Damm erhöhen oder ins Toggenburg ziehen.

  • Mary J am 18.06.2018 13:49 Report Diesen Beitrag melden

    Lebensräume gefährdet.

    Es ist ja nicht nur das Schmelzwasser, der Lebensraum der Pinguine wird auch massiv verändert. Sie müssen teilweise noch weiter wandern als sonst, was durchaus zur Folge hat, dass einige Küken verhungern oder erfrieren! Der Bestand ist dadurch gefährdet. Auch Wale schwimmen in einer gewissen Zeit runter zur Antarktis wegen des Futters...

  • Neumann am 16.06.2018 14:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Pingguine

    Pingguine haben viel Fett und sind deshalb nahrhaft. Geröstet eine Delikatesse, am urchigsten über offenem Feuer gerade im Herkunftsland.

  • Nico am 16.06.2018 13:57 Report Diesen Beitrag melden

    Alle

    Bis 2070 27cm..diese Nachricht wird den Wirtschaftsoligarchen nicht vom Hocker hauen und umstimmen weiter Umweltschädigend Produkte herzustellen und zu verkaufen, damit wir Bürger damit die Umwelt weiter versauen. Hat ja noch Zeit. Die Ressourcen sind auch noch nicht knapp genug um eine ökonomische Lebensweise zu fördern. Es ist eine Utopie zu glauben, dass Bürger sich ändern wollen wenn es die grossen Wirtschaftskönige es nicht vormachen. Geld steht über den Mensch und der Umwelt leider, es sollte umgekehrt sein und im Sinne von Allen.

  • Vorwärts am 16.06.2018 00:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zuviele Menschen

    weniger Leute, besser für die Umwelt. Also fahrt Diesel und Tesla, so können wir die Welt retten!