Milben-Alarm

03. Mai 2012 16:34; Akt: 03.05.2012 16:36 Print

Zigtausende Bienenvölker verendet

Imker sind bestürzt: In der Schweiz wurden im Winter rund 70 000 Bienenvölker dahingerafft. Die Wissenschaft arbeitet mit Hochdruck an einem Mittel gegen aggressive Milben. Doch es dauert noch Jahre, bis dieses kommt.

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Ein Imker überprüft den Zustand eines seiner Bienenvölker. Rund 70 000 haben den Winter nicht überlebt. (Bild: Keystone/Martin Rütschi)

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Ein Drittel der Bienen dürfte den Winter nicht überlebt haben. Schätzungen deuten darauf hin, dass allein in der Schweiz rund 70 000 Völker von der Varroamilbe dahingerafft wurden. Obwohl Forscher mit Hochdruck an einem Gegenmittel arbeiten, dürfte ein solches erst in mehreren Jahren zur Verfügung stehen. «Ich bin überzeugt, dass wir in fünf bis zehn Jahren etwas haben», sagte Peter Gallmann, Leiter des Zentrums für Bienenforschung der Forschungsanstalt Agroscope, am Donnerstag auf Anfrage der Nachrichtenagentur SDA.

Nach jahrzehntelangem Kampf gegen die Varroamilbe ohne nachhaltigen Erfolg ist dies zuerst einmal eine gute Nachricht. Doch der Weg ist noch weit. Derzeit verfolgen die Forscher zwei vielversprechende Ansätze, wie Gallmann erklärte: Der erste ist ein Pilz, der die Varroamilbe schädigt. Der andere Ansatz ist ein Mittel, dass die Milbe an der Fortpflanzung hindert.

Laut Gallmann zeigen beide Methoden im Laborexperiment gute Ergebnisse. Die Herausforderung bestehe nun darin, die Wirkstoffe im Bienenstock anzuwenden. Dabei sind die Bienen nicht gerade hilfreich: «Bienen sind sehr hygienische Tiere. Sie putzen immer alles gleich heraus», erklärte Gallmann.

Hartnäckige Milben

So lange keines der Mittel reif für die Anwendung im Feld ist, müssen sich die Imker mit anderen Mitteln gegen die Varroa zur Wehr setzen. Gegen die gängigen Schädlingsbekämpfungsmittel sind die Milben inzwischen resistent.

Die Imker behelfen sich darum mit einem von den Agroscope-Forschern entwickelten Konzept. Als erstes werden im Frühjahr die Waben für die männlichen Bienenlarven aus dem Stock entfernt, weil sich die Milben dort besonders gerne einnisten. Sie werden in dieser natürlichen Falle weggebracht.

Im Sommer, nach der Honigernte, wird der Stock mit Ameisensäure und Thymol eingenebelt, was die Milben abtötet. Im Winter, wenn die Bienen nicht brüten, wird Oxalsäure eingesetzt. Zudem werden regelmässig Jungvölker gebildet, weil diese weniger unter Milbenbefall leiden.

Wetter hilft Milben

Letztes Jahr haben all diese Massnahmen Millionen Bienen nicht retten können. Hauptgrund war laut Gallmann der frühe und warme Frühling. Die Natur sei dem Kalender etwa einen Monat voraus gewesen; die Honigernte habe aber wie in anderen Jahren auch bis Ende Juli gedauert.

Bis Ameisensäure und Thymol eingesetzt werden konnten, hatten die Milben mehr Zeit als sonst, sich zu entwickeln. Für viele Bienen war dies das Todesurteil: «Dieser Winter war einer der schlimmsten, seit wir über das Bienensterben diskutieren», sagte Gallmann. Er bestätigte damit einen Artikel der «Zürichsee-Zeitung» vom Donnerstag.

Genaue Zahlen liegen noch nicht vor. Was er aus allen Landesteilen höre, verheisse aber nichts Gutes, sagte Gallmann. Wie viele Bienenvölker genau eingegangen sind, werden Agroscope und die Imker in den nächsten Wochen bekannt geben.

(sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Andy Vafen am 03.05.2012 19:14 Report Diesen Beitrag melden

    Mit Verstand und Bedacht...

    Biodiversität verhindert Massenbefall durch unterschiedliche Abwehrmechanismen und Anfälligkeiten. Dies sollte auch bei der Haltung von Nutztieren eine grosse Rolle spielen, schliesslich wollen wir weder Antibiotika essen, noch plötzlich vor einer komplett ausgerotteten Nutztierart stehen...

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  • Nüvü am 03.05.2012 19:08 Report Diesen Beitrag melden

    Falsch!

    Laut dem Imker, bei dem ich meinen Honig kaufe, sind es nicht die Milben.... Definitv nicht! Ausserdem sind es im Kt. Zug etwa zwei drittel (Bei meinem "Dealer" sind 2 von 12 Völker durch den Winter gekommen....).

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  • Sägi am 03.05.2012 19:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Alte Werte 

    Vielleicht sollte man sich von den modernen Zuchtbienen lösen und sich wieder auf die alten einheimischen Schwarzbienen zurück besinnen !! Aber bei den Schwarzbienen ist der Ertrag kleiner !

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Maurice beauverd am 06.05.2012 13:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Raubmilben gegen Varroa

    Natürliche Feinde der Varroa Milben sind die Raubmilben. Der Einsatz dieser natürlichen Abwehr sollte endlich vorangetrieben werden!

  • D.M. am 06.05.2012 01:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Der Mensch..

    ...schaffts, fast alle Tiere Auszurotten! Warum machen wir so ein problem? Wir müssten nur ein killervirus für diese Milben herstellen und das Problem wäre gelöst!

  • Auf Wecker am 05.05.2012 23:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Problem !

    Das könnte ernsthafte probleme geben. Keine Bienen - Keine Pflanzen keine Planzen - kein Leben

  • RH am 05.05.2012 18:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Endzeit

    Nostradamus lässt Grüssen. Die Hopi Indianer lassen Grüssen.

  • Honigliebhaberin am 05.05.2012 17:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unterstüzung

    Kann man als endkonsument die imker irgendwie unterstüzen?

    • Richy am 06.05.2012 12:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Helfen?

      Eine spezielle Bienenmassage auf Milbenkiller basis vielleicht!?

    • Peter Wohlgensinger am 06.05.2012 18:07 Report Diesen Beitrag melden

      Unterstützung

      @Honigliebhaberin: Die Imker kannst du nicht unterstützen, aber durch deinen Verzicht auf Honig tust du den Bienen Gutes.

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