Statt Abbruch

03. Mai 2012 20:48; Akt: 18.05.2012 10:46 Print

Ein Haus wird verschoben

von Corinne Hodel - Seit 120 Jahren steht beim Bahnhof Oerlikon ein mehrstöckiges Backsteingebäude. Jetzt soll es seinen Standort wechseln.

storybild

Die Verschiebung an der Affolternstrasse 52 in Zürich Oerlikon startet am 22. Mai um 11 Uhr und wird voraussichtlich 15 Stunden dauern. (Bild: www.swiss-prime-site.ch/mfo)

Zum Thema
Fehler gesehen?

Das alte Verwaltungsgebäude der Werkzeugmaschinenfabrik Oerlikon muss dem Ausbau des Bahnhofs weichen. Es wird allerdings nicht abgerissen, sondern um 60 Meter verschoben. Das mehrere tausend Tonnen schwere Haus wird europaweit eines der grössten Gebäude sein, das je verschoben wurde.

Das ist eine Herausforderung für Ingenieur Rolf Iten, dessen Firma für die Verschiebung verantwortlich ist. «Zuerst mussten wir das Gebäude kennenlernen», erzählt er. Nach halbjähriger Planungszeit ist sein Team im vergangenen Sommer zu den tragenden Mauern vorgedrungen und hat diese mit Stahlstützen unterstellt und mit Beton gesichert.

«Die grösste Herausforderung während des ganzen Prozesses ist, ein Absenken des Gebäudes zu verhindern», sagt Iten. Denn bei einem Haus dieser Grösse hat eine lokale Senkung verheerende Konsequenzen für das ganze Gebäude: Es kann überall Risse geben, die später aufwendig saniert werden müssen. Deshalb überwachen 30 elektronische Sensoren das ganze Haus. Sie registrieren bereits eine Senkung von einem Zehntelmillimeter.
Auch das Fundament am neuen Standort muss dem Koloss von mehreren tausend Tonnen standhalten können. Dafür werden Pfähle sorgen, die bis auf den festen Untergrund im Boden reichen.

Verschoben wird das Gebäude auf Stahlschienen, die den alten und neuen Standort verbinden. Das Haus wird auf Stahlrollen und von vier Hydraulikpressen angetrieben in gut zwei Wochen auf seine Reise geschickt. Iten freut sich auf diesen historischen Moment: «Aber ich habe auch Respekt davor.»