Wesley Sneijder

10. Juli 2014 02:17; Akt: 10.07.2014 02:17 Print

«Es ist knallhart, wir waren näher dran»

von Eva Tedesco - Argentinien steht nach 24 Jahren wieder in einem WM-Final – und wie 1990 wieder gegen Deutschland. Holland muss sich nach einem guten Turnier mit dem Spiel um Platz 3 abfinden.

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Lionel Messi streckte die Arme in den verhangenen Nachthimmel von São Paulo. Die Erleichterung nach dem Elfmeterschiessen (4:2 gegen Holland) und dem Einzug in den WM-Final standen dem argentinischen Superstar ins Gesicht geschrieben. Trainer Alejandro Sabella umarmte seinen unermüdlichen Antreiber Javier Mascherano freudig. Die Stadionregie spielte «Wonderwall» von Oasis. Zu Ehren des argentinischen Keepers Sergio Romero, der zwei Penaltys der Holländer entschärft hatte.

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«Das ist ein Abend zum Geniessen. Die Fans haben uns im Regen Wärme geschenkt. Meine Eltern sind hier im Stadion und auch meine Frau mit ihren Brüdern. Ich bin überglücklich und zufrieden», so der Elfmeter-Held der Gauchos. Als Held fühlte er sich aber nicht. «Penaltyschiessen ist auch Glückssache, aber ich hatte Vertrauen in mich und danke Gott, dass es geklappt hat.»

Die Hoffnung auf den Titel lebt

«Wir sind sehr stolz. Wir haben hundert Prozent gegeben, nicht nur in diesem Spiel, sondern während der ganzen WM», sagte Javier Mascherano. Nun will der Defensivspieler des FC Barcelona auch Deutschland das Leben schwer machen. «Man muss einfach die Chancen nutzen, die man bekommt. Jetzt wollen wir auch gegen Deutschland gewinnen.»

Die Hoffnung auf den ersten Titel seit 1986 lebt. Und diesen ausgerechnet in Brasilien, beim verhassten Nachbarn zu holen, wäre die grösste Genugtuung für die Argentinier. «Die Hoffnung auf den Titel ist intakt», so Keeper Romero, «vor allem, seit wir uns entschieden haben, alles, wirklich alles für dieses Trikot zu geben.»

Sabella: An der ersten WM bereits im Final

Als Spieler hat es der Nationaltrainer der Albiceleste nie an eine WM geschafft. Als Trainer zieht er nun gar in den Final ein. Nachdem der erste Jubel durch war, äusserte sich Alejandro Sabella beim Blitz-Interview am Spielfeldrand wieder gewohnt nüchtern. «Argentinien hat schon zwei Weltmeistertitel, schauen wir einmal, was wir diesmal erreichen», so der einstige Mittelfeldspieler von River Plate (1974 bis 1978) oder Leeds United (1980 bis 1981).

«Es war ein schwieriger Halbfinal. Wir mussten über 120 Minuten gehen und haben zudem einen Tag weniger Pause, um uns zu erholen. Aber wir werden wie immer hundert Prozent geben gegen Deutschland und sehen, was am Ende herausschaut.»

Enttäuschung bei den Oranje

Während die Argentinier den Final in Rio spielen, müssen die Holländer sich mit dem Spiel um Platz 3 in Brasilia (gegen Brasilien) begnügen. Besonders bitter ist das Verpassen des Endspiels für Arjen Robben, der eine herausragende WM gespielt hat. «Wir müssen rasch umdenken nach der Niederlage und so komisch es gerade in diesem Moment klingt, stolz auf das Erreichte sein», so der Bayern-Routinier.

«Ich bin enttäuscht und es tut weh. Wir haben alles, wirklich alles gegeben und dann im Penaltyschiessen auszuscheiden, ist wirklich schlimm. Aber ich kann den Jungs, die ihre Elfmeter nicht verwandelt haben, nichts vorwerfen. Wir gewinnen und verlieren zusammen. Ich bin stolz auf diese Mannschaft», so der Superstar der Oranje.

Die Tränen standen Wesley Sneijder in den Augen. Der Mittelfeldspieler von Galatasaray Istanbul sah seinen Elfmeter von Romero gehalten. «Es ist knallhart. Im Penaltyschiessen zu scheitern, ist bitter. Wir hätten das Weiterkommen verdient, denn wir waren näher dran. Wir wollten nicht ins Elfmeterschiessen, sondern der Gegner», leistete sich Sneijder einen kleinen Seitenhieb. «Dass er gewonnen hat, ist besonders schlimm.»