Murat Yakin

14. Juli 2014 19:51; Akt: 14.07.2014 19:51 Print

«Gefragt ist heute schnelles Umschalten»

20-Minuten-Kolumnist Murat Yakin blickt auf eine aussergewöhnliche WM zurück. In seinen Augen hat sich der Fussball noch einmal einen Schritt weiterentwickelt.

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Die besten Bilder der WM Sonntag, 13. Juli 2014 Das Feuerwerk über dem Maracanã ist ein perfektes Sinnbild für die WM in Brasilien, die mit einem dramatischen Final einen würdigen Abschluss fand. Am Ende jubelten die deutschen Fans, und wenn das einer gewusst hatte, dann die englische Fussballlegende Gary Lineker, auch wenn der Final 120 Minuten gedauert hatte. Ob die Tochter von Jérôme Boateng begreift, was ihr Papi da für einen Pokal gewonnen hat? Lionel Messi erhält nach dem Final die Auszeichnung zum besten Spieler des Turniers (Manuel Neuer wird zum besten Torhüter gewählt). Eine andere Trophäe hätte den argentinischen Captain mehr interessiert. Tränen auf argentinischer Seite. Vielleicht klappts ja in vier Jahren mit dem dritten Titel. Die Einsamkeit der brasilianischen Fans nach der 0:3-Niederlage im kleinen Final gegen Holland. Grund zum Feiern hatten dafür die Oranje-Fans: 3 Tore signalisiert dieser «General». Auch zwei Tage nach der historischen Pleite gegen Deutschland ist bei Brasiliens Coach Luiz Felipe Scolari die Katerstimmung noch nicht vorbei. Auch bei Arjen Robben scheint die Motivation im Training vor dem Spiel um Platz 3 eher mässig zu sein. Der Moment der Erlösung: Argentinien siegt im Halbfinal gegen Holland im Penaltyschiessen 4:2 und zieht in den WM-Final ein. Sergio Romero ist der Held der Gauchos. Er pariert zwei Elfmeter. Auch auf den Rängen kennt die Freude über den ersten Finaleinzug seit 24 Jahren keine Grenzen. Klar, dass in einem solchen Moment die Tränen fliessen. Bei Wesley Sneijder sammelt sich ebenfalls Augenwasser, aber nicht aus Freude. Er war einer von zwei Holländern, die beim Penalty scheiterten. Nach tollen Leistungenist für Oranje im Halbfinal Schluss. Die Enttäuschung riesig. Für Gastgeber Brasilien ist die WM vorbei. Die Seleção scheitert im Halbfinal an Deutschland. Das Team von Joachim Löw schlägt den Mitfavoriten gleich mit 7:1. Für die kleinen Fans zu viel des Guten. Aber nicht nur bei ihnen fliessen die Tränen. Fassungslosigkeit bei Captain David Luiz. Der Verteidiger kann seine Tränen beim Interview nicht zurückhalten. Ballett-Training bei Brasilien? Wohl nicht. Spannend sieht es trotzdem aus. Etwas konventioneller bereiten sich die Deutschen auf das Halbfinal-Duell gegen Brasilien vor. An spielfreien Tagen ist Training angesagt und dann gilt es für Spieler, Autogrammwünsche zu erfüllen. Es ist WM und nicht Fasnacht, bitteschön. Costa-Rica-Fans freuen sich auf das Spiel. Oh nein, jetzt hat Belgien doch tatsächlich ein Tor kassiert. Argentinische Freude über den Halbfinal-Einzug. Wo ist denn hier der Bauchnabel? Dieser Herr will wohl eine Visitenkarte als Coiffeur abgeben. Fan-Analyse über die französische Niederlage. Guten Morgen, Rio de Janeiro! Diese Frühaufsteher werden mit einer atemberaubenden Aussicht belohnt. Bestimmt länger geschlafen haben die Brasilianer. Hier fährt die Seleçao im Teamhotel in Fortaleza ein und wird stürmisch begrüsst. Die Brasilianer spielen am Freitagabend gegen Kolumbien. Dieser Fan ist schon bereit. Die Aufstellung der Deutschen gegen Frankreich steht ebenfalls schon. Alle meine Entlein... Die Franzosen bereiten sich wie wild auf ihr Halbfinal vor. Macht Neymar im Training etwas ein Schläfchen? Nein, der Schnappschuss entstand beim dehnen. Genau das machen die Holländer übrigens synchron. Es hat nicht sollen sein. Die Schweizer sind nach der knappen Niederlage gegen Argentinien am Boden zerstört. Angel Di Maria war der einzige Torschütze der Partie und jubelt zu Recht. Manuel Neuer (rechts) war der Mann des Achtelfinals gegen Algerien. Der Deutsche Goalie war fast überall auf dem Platz anzutreffen. Die unterlegenen Algerier müssen sich gegenseitig trösten. «Hört ihr uns zuhause in Frankreich? Wir bleiben noch in Brasilien und spielen im Minimum einen Viertelfinal», scheinen Olivier Giroud (links) und Mamadou Sakho sagen zu wollen. Die nigerianischen Fans hingegen sind nach dem Ausscheiden gegen Les Bleus untröstlich. Beim Penaltyschiessen hoffen Costa Ricas Nationalspieler auf den Fussballgott - und dieser ist ihnen hold. Sie ziehen in den Viertelfinal. So sieht bodenlose Enttäuschung aus: Mexikos Chicharito ist am Boden zerstört, nachdem Holland gegen sein Team die späte Wende schafft. Kein Wunder ist die Laune bei den Oranje-Anhänger prächtig. Jaaaaaa! Das kolumbianische Nationalteam schenkt seinen Fans einen Sieg, der an der Copacabana für Jubelszenen sorgt. 2:0 heisst es im Duell gegen Uruguay. Die beiden Teams beweisen nach dem Match Sportsgeist. Im Gegensatz zu einigen Fans, die sich in der Schadenfreude suhlen. Freude herrscht auch bei den brasilianischen Anhängern, allerdings hat das Duell gegen Chile einige Nerven gekostet. Was man auch Neymar (l.) ansieht. Nach dem erfolgreichen Penaltyschiessen fällt beim Superstar die ganze Spannung ab, Trainer Luis Felipe Scolari nimmt seinen Helden in den Arm. Ein Bild für die Fussball-Geschichtsbücher: Algerien feiert seine erste Achtelfinal-Qualifikation überhaupt. Nein, der algerische Mittelfeldspieler Sofiane Feghouli ist nicht bewusstlos, er geniesst nur den Moment des Triumphs, umgeben von Betreuern. «Hast du unseren Goalie gsehen, Alex? Mit dem kann man ja keinen Achtelfinal erreichen.» Ob Russland-Coach Fabio Capello (r.) tatsächlich etwas in der Art zu Alexander Kokorin, dem Torschützen beim 1:1 gegen Algerien, sagt? Nach so einer verkorksten WM hilft aus russicher Sicht nur noch das geliebte Nationalgetränk. Die Südkoreaner zeigen sich vor dem Spiel gegen Belgien voller Nationalstolz. Doch gegen die Roten Teufel beziehen sie eine 0:1-Niederlage, die bedeutet: Heimflug. Komm, Cristiano, lass uns nach Hause gehen! Jonathan Mensah tritt mit Ghana genauso die Heimreise an wie Ronaldo mit Portugal, das sein letztes Gruppenspiel 2:1 gewann. Freunde fürs Leben: US-Coach Jürgen Klinsmann (l.) hat den deutschen Bundestrainer Joachim Löw trotz der 0:1-Niederlage lieb, schliesslich sind beide im Achtelfinal. Deutsch-amerikanisches Sandwich: Per Mertesacker (l.) und Jérôme Boateng nehmen Clint Dempsey in die Mangel. So sieht Fussballbegeisterung in den USA aus: Fans beim Public Viewing in Hermosa Beach, Kalifornien. Ein Küsschen für die Kamera: Xherdan Shaqiri zeigt seine Freude über das Tor zum 1:0 gegen Honduras der ganzen Welt. Hat er Angst um seine Frisur? Nein, Ecuadors Christian Noboa trägt im Spiel gegen Frankreich ein Netz auf dem Kopf, nachdem er eine Platzwunde erlitten hat. Alles Frankreich oder was? Ein weiblicher Fan vor dem Match Ecuador - Honduras. So weit ist es noch nicht, doch Argentinien darf weiterhin vom Titel träumen. Vor allem dank Lionel Messi, der gegen Nigeria doppelt traf und in drei Spielen schon vier Tore erzielt hat. Ob es dieser nigerianische Künstler beim Public Viewing in Lagos schafft, die Fussballfans vom Spiel gegen Argentinien abzulenken? Nichts wars mit dem persischen Wunder: Iran-Goalie Alireza Haghighi wird nach der 1:3-Niederlage gegen Bosnien-Herzegowina und dem Scheitern in der Vorrunde von einem Betreuer getröstet. Feiern bis zum Umfallen: Griechische Fans bejubeln in Athen den späten Sieg über die Elfenbeinküste. Untröstlich ist hingegen Basel Mittelfeldpuncher Geoffroy Serey Die (r.), der nach dem bitteren Aus der Ivorer Tränen vergiesst. Trost gibts auch für Japan: Nach dem 1:4 gegen Kolumbien sind die Asiaten in der Vorrunde gescheitert. Aus, vorbei, das wars. Italien scheitert in der Vorrunde, die Fans leiden mit. Im Spiel gegen Uruguay gibt neben dem Tor vor allem die Beissattacke von Luis Suárez zu reden. Opfer Giorgio Chiellini zeigt als Beweis den Abdruck auf seiner Schulter. Die geknickten Engländer bedanken sich nach dem letzten Spiel gegen Costa Rica bei ihren treuen Fans. Aus dem gegnerischen Fanblock hagelt es hingegen Häme für die Three Lions. Gut bewacht: Sicherheitskräfte im Estádio Mineirão in Belo Horizonte schauen, dass bei Costa Rica - England Ordnung herrscht. Neymar, der Nationalheld Brasiliens, schiesst die Seleçao mit zwei Toren zum Gruppensieg. Prinz Harry schaut sich die Gala von Neymar im Stadion an. Valon Behrami ist während der Pressekonferenz vor der Abreise nach Manaus in seine Tattoos vertieft. Eine Wand aus Chile-Fans im letzten Gruppenspiel gegen Holland. Nein, der Mann auf der Treppe ist kein Anhänger der Oranjes. Spaniens Nationaltorwart Iker Casillas schnuppert zum letzten Mal WM-Luft. Gleiches gilt für David Villa, der nach seiner Auswechslung gegen Australien Tränen vergiesst. Es war wohl sein letztes Länderspiel. Die Freiheitsstatue ist bei den Spielen der US-Boys jeweils mehrmals im Stadion zu finden. Ebenfalls in mehrfacher Ausführung - genauer gesagt dreimal - gibt es diese Jungs. Sie warten im Maracanã auf den Anpfiff der Partie Belgien - Russland. Nach dem furiosen 4:2-Sieg gegen Südkorea lassen sich die Algerier feiern. Rafik Halliche feiert sein Tor im Stadion von Porto Alegre. Flausen im Kopf hat Costa Ricas Stürmer Joel Campbell. Die Schweizer Torhüterequipe hat weniger Spass im Training. Auf die Zähne beissen ist angesagt. Im Oranje Camp in Sao Paulo ist der kollektive Sprung in den Pool angesagt. Für diesen Fan beginnt der Tag in Rio de Janeiro mit dem Gang an den Strand. Ob das Spiel der Argentinier durch die weiss-blaue Brille wohl etwas besser ausgesehen hat? Die Argentinier hatten in Belo Horizonte praktisch ein Heimspiel, fast nur argentinische Fans füllten die Tribünen des Mineirao Stadions. Die Fans des Iran waren beim Spiel gegen Argentinien zwar deutlich in der Unterzahl... ...zeigten sich deswegen aber in nicht minder guter Stimmung - angesichts der Leistung ihrer Mannschaft durchaus zurecht. Knallig und bunt präsentieren sich die Fans der ghanaischen «Black Stars». Allerdings möchte man wohl nicht auf dem Platz hinter diesem Fan sitzen. Miroslav Klose wollte eigentlich keine Saltos mehr zeigen, weil sich sein Sohn beim Nachmachen den Kopf stauchte. Nach seinem 15. WM-Tor konnte der Deutsche aber nicht anders. Wohl auch mit dem 4:0-Sieg gegen Portugal haben sich die deutschen Spieler in die Herzen der brasilianischen Fans gespielt. Die Schweiz-Fans freuen sich auf das Schlagerspiel der Gruppe E Schweiz - Frankreich. Zu diesem Zeitpunkt konnte dieser Herr noch nicht ahnen, dass es eine 2:5-Pleite geben sollte. Die französischen Fans sind zuversichtlich, dass die WM für ihr Team lange dauern und erfolgreich enden wird. Die Fans von Costa Rica hatten allen Grund zur Freude. Mit dem 1:0 gegen Italien, dem zweiten Sieg im zweiten Spiel, haben sich die Zentralamerikaner bereits den Gruppensieg gesichert. Nichts zu Lachen hatten dagegen die Italiener. Nach dem 0:1 gegen Costa Rica spielt die Squadra Azzurra im letzten Gruppenspiel gegen Uruguay den zweiten Achtelfinalisten der Gruppe D aus. Japanische Fans präsentieren auf den Rängen einen riesigen Weltmeisterpokal. Uruguays Luis Suarez zeigt sich nach seinen zwei Treffern gegen England emotional. Basels Geoffroy Serey Die wird bei der Nationalhymne der Elfenbeinküste von seinen Gefühlen übermannt. Kolumbiens James Rodriguez schlägt sich mit einem Riesenfussball auf dem Platz herum. Sie hilft wohl jeder Nation. Dieser chilenische Fan wirkt als Anhänger furchteinflössend, was den Knaben links von ihm nicht gross interessiert. Diesen spanischen Fan interessiert nun die WM nicht mehr, nachdem sein Land in der Vorrunde ausgeschieden ist. Nur nicht einschlafen. Das nächste Spiel folgt bestimmt. Da haben sich zwei Fans gefunden. Diese drei Belgier haben sich für das Spiel gegen Algerien herausgeputzt. Man könnte meinen, die drei Damen seien brasilianische Fans. Dank der Wangen-Verzierung merkt man, dass sie für Belgien sind. Mit dieser Aufmachung hofft der mexikanische Fan auf einen Sieg gegen Brasilien. Für die Brasil-Fans ist jedoch klar, der sechste Titel muss her. Diese US-Girls haben sich für das erste Spiel gegen Ghana in Schale geworfen. Wenn dieses Kostüm Homer Simpson sehen könne. Er würde es haben wollen. Die Fans aus dem Iran setzen auf Body-Painting. Wo ist Walter? Superstar Cristiano Ronaldo ist bedient: Portugal geht beim WM-Auftakt gegen Deutschland 0:4 unter. So schaut eine stolze Bundeskanzlerin aus: Angela Merkel applaudiert den Jungs von Jogi Löw. Die Japaner machen an ihrem spielfreien Tag ein paar Situps. Der Morgen danach: Dieser Argentinien-Fan macht am Strand von Rio de Janeiro ein Nickerchen. Ein Selfie im Maracana! Nicht nur die Freude über das Foto ist gross - Argentinien gewinnt das erste WM-Spiel gegen Bosnien-Herzegowina 2:1. Schweizer Fans feiern vor dem Spiel gegen Ecuador vor dem Stadion in Brasilia. Die etwas andere Perspektive auf, rsp. aus der Arena Amazonia in Manaus. Neymar lässt sich im Training auch mal mit Fans ablichten. Der Glaube kann Berge versetzen, heisst es. Ob aber dieser japanische Fan den WM-Titel wird bejubeln können ist doch zu bezweifeln. So sollen Fans aussehen: Kreativ verkleidet, geschmickt und in euphorischer Feierlaune. Mario Balotellis Verlobte Fanny Neguesha unterstützt ihren Schatz beim Spiel gegen England. Freundschaft unter Fussballern: Mario Balotellit und Joe Hart in inniger Umarmung. Riesiger Jubel bei Costa Rica: Sie schaffen mit dem 3:1 eine Sensation gegen Uruguay. Partystimmung bei den Kolumbien-Fans nach dem ersten Sieg gegen Griechenland. Robin van Persie sorgt bei seinem Tor gegen Spanien für ein tolles Bild. Holländische Fans sorgen mit kreativen Kostümen für gute Stimmung in Salvador. Spaniens Team schwört sich vor dem Duell gegen Holland auf sich ein. Starke Regenfälle in Natal: Hilfskräfte müssen sich vor dem Duell zwischen Mexiko und Kamerun um den Rasen kümmern. Diese Hund fant ganz offensichtlich für Mexiko. In Sao Paolo ist alles bereit für den Auftakt der 20. Fussballweltmeisterschaft. Vor dem Eröffnungsspiel wird eine bunte Feier veranstaltet. Dieser Fan hat sich für das Eröffnungsspiel in ein ganz spezielles Kostüm geworfen. Mitleider durch und durch: Dieser junge Herr fiebert mächtig mit der Seleção mit. Der kroatische Vertreter macht Lärm für sein Land. Auch in diesem Public Viewing in São Paulo ist die Spannung riesig. Kaká kommt vor dem Spiel vorbei, um den Brasilianern Glück zu wünschen.

Zum Thema
Fehler gesehen?

«Es gibt im Fussball nicht ein richtiges Spielsystem, eine Taktik, aber viele Meinungen und Kritiker. Darum ist es nicht ganz einfach, eine Bilanz zu ziehen, ohne wie ein Besserwisser zu tönen. Als Trainer schaut man der Weltspitze an einem WM-Turnier dennoch gerne auf die Füsse. Mein Eindruck ist, dass sich der Fussball noch einen Schritt weiterentwickelt hat. Er ist noch athletischer geworden, noch schneller.

Die technische Qualität der Spieler und vor allem die Fitness haben weiter an Bedeutung gewonnen. Fitness gewinnt, aber nur in Verbindung mit feiner Technik. Reiner Ballbesitz ist passé. Gefragt ist schnelles Umschalten. Die Erfolgsfaktoren, so meine WM-Bilanz zusammengefasst, sind Flexibilität, Effizienz und Ernsthaftigkeit.

Flexibilität auch, was die Taktik anbelangt. Sprich: Massnahme und Gegenmassnahme. Es geht darum, die Qualität des Gegners rasch zu erkennen und unmittelbar und flexibel Gegenmassnahmen (System) zu ergreifen. Als bestes Beispiel dient der Final zwischen Deutschland und Argentinien. Die Trainer haben ihre Hausaufgaben so gut gemacht, dass eine einzelne Aktion das Spiel entschieden hat und nicht zwingend ein Fehler, sondern eine Klasseaktion von Klassespielern.

Wahrnehmung und Spielintelligenz zentral

Mit Flexibilität meine ich aber auch, dass reines Positionhalten der Vergangenheit angehört, das Spiel noch mehr dem Profil der Spieler angepasst wird, und dieses Profil dahin geht, flexible Spieler einzusetzen. Spieler, die auf mehreren Positionen spielen können wie Lahm, Di Maria, Lavezzi, Müller, Özil, aber auch Xherdan Shaqiri, um einige zu nennen.

Sie machen den Angriff unberechenbarer, das Spiel variabler und erschweren das Verteidigen. Wobei die Qualität des Spielers eine Rolle spielt, aber vielmehr noch die Wahrnehmung und die Spielintelligenz. Denn das Umschalten bedingt auch, dass die Spieler rasch auf neue Situationen reagieren und dem Gegner wenig Zeit für die Zuordnung lassen.

Erwähnen möchte ich auch das hohe Tempo, das in den Spielen dieser WM angeschlagen wurde und mir gut gefallen hat. Neben der Komponente Fitness schreibe ich das auch den Schiedsrichtern zu, die sehr viel laufen liessen und damit das Spiel zusätzlich schnell gemacht haben. Es gab weniger Unterbrüche, das Umschalten konnte schneller erfolgen, die Zuordnung und die Räume zu ordnen, wurde erschwert, und es gab Platz für schnelle Angriffe. Das wiederum hat die Relevanz der guten Defensive erhöht. Nur jene Teams, die solide Defensivarbeit verrichtet haben – und das im Kollektiv – haben am Ende gewonnen.

Die neuen deutschen Tugenden

Teamspirit, Ernsthaftigkeit, Geschlossenheit und die Leidenschaft sind weitere wichtige Komponenten des modernen Fussballs. Ein Superstar zu sein, reicht heute nicht. Auch nicht, ein Team zu haben, das gespickt ist mit Weltklasse-Fussballern, wenn die nötige Ernsthaftigkeit nicht an den Tag gelegt wird. Spitzenfussball verzeiht kaum mehr Nebengeräusche. Tränen und Emotionen gehören zum Fussball. Zum Erfolg gehört aber mehr. Und das hat Deutschland vorbildlich vorgelebt. Unter Jogi Löw haben sie die deutschen Tugenden um neue Eigenschaften erweitert – um spielerische. Die Deutschen spielen modernen, attraktiven UND erfolgreichen Fussball.»

(ete)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • M. Keller am 14.07.2014 20:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Korrekt erkannt

    Stimme jedem Wort zu! Sehr gute Analyse von Murat.

  • Deckkert am 14.07.2014 21:38 Report Diesen Beitrag melden

    Interessant

    Dies aus dem Munde (oder mit den Fingern) eines Mannes, der den Meistertitel 2013/2014 fast wegen sehr defensiver Taktik verloren hätte.

  • Jol Bear am 14.07.2014 20:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    die besten Klubteams sind stärker

    Die WM war interessant, Murat liegt wohl weitgehend richtig. Allerdings scheint mir die Qualität der besten Klubmannschaften höher zu sein (Champions League). Vor allem in der Offensive harmonieren die Spieler dort viel besser, schalten noch schneller von Defensive auf Offensive um (Real, Bayern, PSG u.a). Den Nationalteams fehlt die Zeit, um Automatismen einzuüben und im Ernstkampf zu praktizieren.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Deckkert am 14.07.2014 21:38 Report Diesen Beitrag melden

    Interessant

    Dies aus dem Munde (oder mit den Fingern) eines Mannes, der den Meistertitel 2013/2014 fast wegen sehr defensiver Taktik verloren hätte.

  • Jol Bear am 14.07.2014 20:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    die besten Klubteams sind stärker

    Die WM war interessant, Murat liegt wohl weitgehend richtig. Allerdings scheint mir die Qualität der besten Klubmannschaften höher zu sein (Champions League). Vor allem in der Offensive harmonieren die Spieler dort viel besser, schalten noch schneller von Defensive auf Offensive um (Real, Bayern, PSG u.a). Den Nationalteams fehlt die Zeit, um Automatismen einzuüben und im Ernstkampf zu praktizieren.

    • Thomas am 15.07.2014 07:26 Report Diesen Beitrag melden

      Klar, denn...

      ...die trainieren ja auch mehr oder weniger das ganze Jahr zusammen. Ein Nationaltrainer hat da verhältnismässig wenig Zeit ein Team zu formieren. Ausserdem kann er nicht die besten Spieler aus der ganzen Welt zusammenstellen sondern "nur" aus dem jeweiligen Land.

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  • M. Keller am 14.07.2014 20:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Korrekt erkannt

    Stimme jedem Wort zu! Sehr gute Analyse von Murat.

  • Müller am 14.07.2014 20:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Und das kommt us deinem Mund

    AhA Yakin da sind wie von dir anderes gewöhnt.... FCBasel.......

  • Massimo am 14.07.2014 20:07 Report Diesen Beitrag melden

    Ab Morgen...

    Bitte ab morgen keine Berichte mehr über die WM und auch keine von Murat. Danke!

    • Roger zh am 14.07.2014 20:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Danke 20min

      Bitte noch mehr schreiben über die WM. Danke 20min.

    • urs meier am 14.07.2014 20:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      wie?

      ich mochte seine Berichte

    • Rolf am 14.07.2014 21:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Globibuch

      Dann liess doch das Globibuch.

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