Löw zu Götze

14. Juli 2014 00:24; Akt: 14.07.2014 08:59 Print

«Zeige der Welt, dass du besser als Messi bist»

Die Deutschen zeigen sich nach dem Triumph schlagfertig und gerührt. Sie heben den Wert des Kollektivs hervor – und Jogi Löw verrät, was er Mario Götze vor der Einwechslung sagte.

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Die Pokalübergabe. Gold, wem Gold gebührt. Deutschland feiert den Titel. Die Partie ist aus. Deutschland jubelt über den vierten Stern auf dem Trikot. Jogis Elf holt sich den vierten Weltmeistertitel. Lukas Podolski und Miro Klose feiern das Tor von Mario Götze. Und hier ist der Mann des Spiels: Joker Mario Götze schiesst Deutschland zum vierten Weltmeistertitel. Die Szene des Spiels: Mario Götze sieht seinen Ball an Sergio Romero vorbeifliegen. Er landet im Netz. Zuvor war es aber ein harter Kampf. Bastian Schweinsteiger sind die Duelle anzusehen. Die Argentinier machen den Deutschen das Leben extrem schwer und haben selber einige Male die Chance, die Partie für sich zu entscheiden. Hier scheitert Rodrigo Palacio an Manuel Neuer. Die argentinische Equipe um Lionel Messi zwingt Deutschland an den Rand einer Niederlage. Auch diese Szene gehört zum WM-Final: Ein Flitzer schafft es aufs Feld und kann erst mit vereinten Kräften wieder entfernt werden. Miroslav Klose hat wohl seine letzte Weltmeisterschaftspartie bestritten. Er wird in Russland kaum mehr mit von der Partie sein. Nicht nur Deutschland muss einstecken, auch Argentinien muss leiden. Diese Szene sorgt bei Higuain für Kopfschmerzen. Neuer erwischt ihn mit voller Wucht am Kopf. Sie wollten ihn, sie haben ihn: Die deutschen Fans können über den Pokal jubeln. Lionel Messi stellt die deutsche Abwehr immer wieder vor Probleme. Mats Hummels muss sich beeilen, hat aber keine Chance, mit dem Floh mitzuhalten. Thomas Müller bleibt ein Tor vewehrt. Hier scheitert er an Sergio Romero. Hier jubelt Argentinien. Gonzalo Higuain trifft zwar ins Tor, jedoch zählt das Tor nicht, da Higuain im Offside stand. Der Argentinier hat noch eine weitere Riesenchance. Sein Schuss geht aber am Tor vorbei. Für Christoph Kramer endet der Final schon in der ersten Halbzeit. Nach einem blöden Zusammenprall mit Ezequiel Garay zieht er sich eine Hirnerschütterung zu. Die deutsche Equipe vor dem wichtigen Spiel. Die argentinischen Fans vor dem Spiel. Sie hofften natürlich auf einen anderen Sieger. Im Stadion mit dabei war auch die deutsche Kanzlerin Angela Merkel. Sie sass neben Sepp Blatter und Wladimir Putin. Carles Puyol überbringt den Pokal. Die Spanier wurden am Sonntag enttrohnt. Wer wäre hier nicht gern ein Messi? Das Maracanã-Stadion während der Jubiläumsfeier.

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Sprachlos waren sie nicht, die deutschen Weltmeister. Selbst im Rausch der Emotionen nicht. Im Gegenteil. Captain Philipp Lahm zeigte sich gar ziemlich abgebrüht und schlagfertig, als Gerhard Delling eine Frage stellte, die eigentlich keiner Antwort bedarf. Der ARD-Reporter wollte vom Aussenverteidiger wissen, wo denn dieser WM-Titel in der Liste seiner Erfolge anzusiedeln sei. «So mittendrin irgendwo», scherzte der 30-Jährige, ehe er etwas ernster wurde. «1990, als Deutschland Weltmeister wurde, erlebte ich meine erste WM mit. Es war mein grosser Traum, diesen Pokal auch irgendwann in den Händen zu halten. Dass wir nun als erste europäische Mannschaft den Titel in Südamerika holen, ist unglaublich.»

Es sei ihnen gut gelungen, während der Partie geduldig zu bleiben. «Wir können nicht davon ausgehen, dass wir jedes Mal wie im Halbfinal nach 30 Minuten 5:0 führen. Und wir wussten, dass wir hintenraus mehr Kraft haben – das hat man dann gesehen.» Lahm hob den Wert des Kollektivs hervor, sagte: «Es ist unfassbar, was wir heute wieder geleistet, wie wir geackert haben. Das zeichnet diese Mannschaft eben aus. Ob wir die besten Einzelspieler haben, ist völlig egal. Wir haben uns auch durch verschiedene Störfeuer nicht irritieren lassen.»

«Auch Spieler wie Reus sind Weltmeister»

Ähnlich klang es bei Goalie Manuel Neuer, der sich auch im letzten Spiel des Turniers von der besten Seite präsentierte. «Der Grund, dass wir es geschafft haben, ist unser Zusammenhalt. Alle, auch die, die nicht spielten, wollten unbedingt Weltmeister werden. Schon in der Vorbereitung ist ein spezieller Kitt entstanden.» Der 28-Jährige war im grossen Moment gedanklich bei den Abwesenden, die wegen Verletzungen nicht hatten nach Brasilien mitreisen können. «Man muss auch an Spieler wie die Benders oder Marco Reus denken. Die sind auch Weltmeister. Ganz Deutschland ist Weltmeister!»

Natürlich steht nun zuerst einmal eine richtige Party auf dem Programm. Wie lange die dauern wird, wusste Neuer noch nicht. Er sagte nur: «Irgendwann werden wir aufhören zu feiern, aber wir werden mit einem Grinsen aufstehen.»

Löws Motivation für Götze

Trainer Jogi Löw fand mit seinen Spielern das richtige Rezept: Er sei nun sehr stolz auf seine Mannschaft, die aus seiner Sicht, die beste des Turniers war. «Als erste europäische Mannschaft in Südamerika den Titel zu holen, macht uns zusätzlich stolz.»

Im Final sei Deutschland die aktivere Mannschaft gewesen und habe über die grösseren Kraftreserven verfügt. «Wir haben gemerkt, dass Argentinien zum Ende der 90 Minuten müde wurde», sagte Löw. Er habe sich dann entschieden, Mario Götze zu bringen. «Er ist ein Ausnahmekönner, der immer ein Spiel entscheiden kann. Ich habe ihm gesagt: ‹Zeige der Welt, dass du besser als Messi bist.›»

Kloses Sahnehäubchen

Überragend. Dieses Wort benutzt Miroslav Klose. «Einfach überragend.» Nach einem zweiten und zwei dritten Plätzen durfte der WM-Rekordtorschütze erstmals den Pokal stemmen. «Das ist das Sahnehäubchen. Einfach klasse. Es war ein Traum, da oben zu stehen und nicht vom Rasen aus applaudieren zu müssen, sondern dort oben feiern zu können», so Klose. «Das ist eine Riesentruppe! Ich habe Mario noch gesagt, du machst das Ding, und ich bin so froh für ihn.» Zur Frage nach einem möglichen Rücktritt sagt der neue Weltmeister: «Das weiss ich nicht. Ich lasse das jetzt etwas sacken und treffe dann eine Entscheidung.»

(kai/ete/sda)