Scolari, Fred, Zúñiga

09. Juli 2014 14:23; Akt: 09.07.2014 14:23 Print

Brasiliens Sündenböcke für das 1:7-Desaster

von Marcel Allemann - Die Wut der Brasilianer ist nach der 1:7-Schmach im Halbfinal grenzenlos. Die Schuldigen für die legendäre Pleite sind schon gefunden.

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Eine 1:7-Pleite in einem WM-Halbfinal – für die Brasilianer hagelte es am Dienstagabend gegen Deutschland eine noch nie gesehene Schmach. Und das im eigenen Land. Auf der Suche nach Schuldigen sind drei Sündenböcke gefunden worden.

Juan Zúñiga

Sein Foul an Liebling und Superstar Neymar und dessen verletzungsbedingtes WM-Aus traf die Brasilianer mitten ins Herz. Sicher: Auch Neymar hätte die Niederlage gegen Deutschland nicht verhindern können. Noch mehr wurde der gesperrte Abwehrchef Thiago Silva vermisst, ohne ihn war die Hintermannschaft ein Hühnerhaufen. Aber mit Neymars schmerzvollem Abgang am Freitag auf der Bahre begann im Rückblick der Untergang Brasiliens, der sich am Dienstag auf extreme Weise fortsetzte. Für den Kolumbianer Zúñiga, der nach Brasiliens 2:1-Sieg im Viertelfinal sogar Morddrohungen erhielt, wird die Lage nach diesem krassen 1:7 noch ungemütlicher. Leider.

Fred

Eine ähnlich beängstigende Hasswelle schlägt dem schwachen brasilianischen Stürmer entgegen. In der zweiten Halbzeit des denkwürdigen WM-Halbfinals wurde der 30-Jährige schonungslos ausgepfiffen und mit Schmähgesängen zur Schnecke gemacht, sodass neutrale Beobachter richtig Mitleid mit ihm bekamen. «Das Publikum war sehr unfair zu mir. Das hinterlässt eine riesige Narbe in meinem Leben. Ich habe für Brasilien immer alles gegeben», erklärte der Sündenbock danach auch völlig niedergeschlagen.

Man muss sich aber in der Tat fragen: Gibt in einem fussballverrückten Land mit 200 Millionen Menschen wirklich keinen besseren Stürmer als den nach vier Europa-Jahren in Lyon vor fünf Jahren in die Heimat (Fluminense) zurückgekehrten Fred? Das kann doch nicht sein.

Es ist jedoch tatsächlich so, dass derzeit eine brasilianische Sturmflaute herrscht. In Europas vier Top-Ligen (Spanien, Deutschland, England, Italien) gab es gerade mal fünf Brasilianer, die diese Saison mehr als 10 Tore erzielten: Roberto Firmino (Hoffenheim/De, 16), Raffael (Gladbach/De, 15), Paulinho (Livorno/It, 15), Charles (Celta Vigo/Sp, 12) und Eder (Sampdoria/It, 12). Sie haben alle etwas gemeinsam: Sie wurden noch nie in die Seleção berufen, sondern permanent übergangen. Der trickreiche Bundesliga-Jungstar Firmino (22) hatte bis zuletzt vergeblich gehofft. Der schlitzohrige frühere FCZ-Stürmer Raffael dagegen scheint die Hoffnung aufgegeben zu haben und denkt nun daran, ab nächster Saison für Deutschland aufzulaufen. Es wäre nach diesem 1:7 eine weitere Schmach für Brasilien.

Luiz Felipe Scolari

«Ich nehme die ganze Verantwortung auf mich», sagte Scolari nach dem Debakel. Das ehrt ihn zwar, ändert aber nichts an der Tatsache, dass der brasilianische Weltmeistertrainer von 2002 dieses Mal seinen Job nicht gemacht hat. Das zeigt allein schon die Sturmproblematik um Fred. Stur hielt er an ihm und dem ungelenken Jô fest, anstatt einem Roberto Firmino, Raffael oder Paulinho, die sich in Europa Woche für Woche gegen die Besten behaupten, mal eine Chance zu geben. Sein konservatives Denken und sein Grundsatzentscheid, aus Brasilien eine Rumpeltruppe zu machen, werden den 65-Jährigen nun seinen Job kosten.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Gino am 09.07.2014 15:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kein Fan

    Bin ja kein Fan von Scolari, aber eine Rumpeltruppe? Diese Rumpeltruppe hat es immerhin ins Halbfinale geschafft. Wenn eine Mannschaft, die das Halbfinale erreicht eine Rumpeltruppe ist, was ist dann mit England, Spanien, Italien und der Schweiz? Alle ein Hobbyverein oder was? Übertreibt es mal nicht, solche Spiele gibt's halt. Abhacken, neuen Trainer suchen und wieder von vorne beginnen.

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  • Gordon Bleu am 09.07.2014 15:18 Report Diesen Beitrag melden

    Falscher Ansatz

    Ein Spiel gewinnt man als Mannschaft, oder man verliert es als Mannschaft. Sündenböcke zu suchen, sind billige Ausreden. Es war nicht alleine Fred der den Deutschen Spielern derart viel Raum für Tore gelassen hat. Bei Brasilien hat das Kollektiv versagt. Was solls, nächstes Mal werden sie wieder Siegen, also hört auf zu Heulen.

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  • Fussballfan am 09.07.2014 15:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hach was waren das Zeiten!

    Als Fussball noch ein Mannschaftssport war und nicht eine millionenschwere Stars- und SternchenDealerei!!!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Steiner Roger am 17.07.2014 21:25 Report Diesen Beitrag melden

    Schwaches Brasilien

    Wer hat gespielt......der Trainer? Brasilien wird allgemein überschätzt......glänzende Zeiten waren vielleicht einmal

  • Dan The Man am 10.07.2014 02:13 Report Diesen Beitrag melden

    Unerträglicher Medienhype

    Es wird langsam Zeit, die Dinge zu relativieren: Dieses Spiel gibt zu denken, kein Zweifel. Aber deshalb die Leistung der Deutschen in den Himmel zu loben, gibt noch mehr zu denken. Diese haben bis jetzt keineswegs überzeugt, alle Resultate waren äusserst knapp. Wenn eine Mannschaft derart zusammenbricht, wie Brasilien, macht es keinen grossen Unterschied, ob es am Schluss 3:0 oder 10:0 steht. Wer noch nie eine Mannschaft trainiert hat, kann sowas natürlich nicht verstehen. Alle blasen, wie die Medien, lieber ins gleiche Rohr, anstatt erst etwas kritisch nachzudenken...

  • Rüedu Hegu am 09.07.2014 22:32 Report Diesen Beitrag melden

    Wie kleine Kinder

    Anscheinend sind die Brasilianer noch nicht erwachsen und können ein Spiel, ist ja nur Spiel, nich verlieren. Wie kleine trotige Kinder eben. Wer Stolz sein will muss auch einstecken können. Da fehlt noch einiges an Bildung etc.

    • Dan The Man am 10.07.2014 02:17 Report Diesen Beitrag melden

      Guter Tipp!

      Vielleicht solltest du mal die Koffern packen und etwas um die Welt reisen. Das bildet mehr als jede Schule und weitet deinen Horizont dafür, dass es Menschen, Kulturen und Umstände gibt, die anders sind, als du es dir von deiner kleinen Welt her gewohnt bist.

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  • cyan jaeger am 09.07.2014 21:37 Report Diesen Beitrag melden

    Erfolg erfordert Arbeit und Ausdauer...

    Am Ende hat es Scolari nicht geschafft aus Einzelspielern ein funktionierendes Team zu formen. Der Unterschied zu den Deutschen ist da wohl die fehlende Kontinuität - Jogi Löw konnte über Jahre hinweg etwas aufbauen und es scheint als würde er dieses Jahr die Früchte ernten..

  • Fussballfan am 09.07.2014 21:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sind wir ehrlich!!!

    Es war eine Frage der Zeit... Brasilien ist jetzt voll reingelaufen!!