Umbruch wird erfolgen

19. Juni 2014 08:19; Akt: 19.06.2014 08:57 Print

Das Ende der spanischen Regentschaft

Für Spanien endet das WM-Abenteuer im Maracana-Stadion in Rio de Janeiro nicht wie erhofft im Final am 13. Juli, sondern bereits mehr als drei Wochen früher.

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Der 18. Juni 2014 wird in die spanische Geschichte eingehen. Am Tag, als König Juan Carlos in Madrid nach fast 39 Jahren seine Krone niederlegte, endete ein paar tausend Kilometer weiter westlich in Rio de Janeiro auch die Regentschaft der spanischen Fussballer. Als erstes der 32 Teams verabschiedete sich der Welt- und zweifache Europameister der letzten sechs Jahre in Brasilien vorzeitig aus dem Turnier, nach dem 0:2 gegen Chile war die kaum für möglich gehaltene Überraschung perfekt. «Spanien dankt ab», titelte die deutsche «Bild»-Zeitung in ihrer Online-Ausgabe.

«Die Zeit der Freude und des Erfolgs ist vorbei», sagte Xabi Alonso nach der zweiten Niederlage im zweiten Gruppenspiel. Die Leistung des Mittelfeldspielers sowie diejenige seiner Real-Teamkollegen Iker Casillas und Sergio Ramos standen als Symbol für das Ende der erfolgreichsten Ära im modernen Fussball. Noch vor knapp einem Monat hatten sie mit ihrem Klub Real Madrid mit «La Decima», dem zehnten Sieg im Meistercup bzw. in der Champions League, Europas Thron erobert, nun folgte mit der Nationalmannschaft der monumentale Absturz. Hatte Casillas beim 1:5-Debakel gegen Holland in mehreren Szenen schlecht ausgesehen, zog gegen Chile Xabi Alonso einen rabenschwarzen Tag ein und leitete mit einem katastrophalen Fehlpass das 0:1 ein. Und Innenverteidiger Sergio Ramos, der gefeierte Held im Champions-League-Final, wirkte in beiden Spielen alles andere als souverän.

Del Bosque lässt Xavi auf der Bank

Den endgültigen Untergang – allerdings nicht auf dem Platz – erlebte Xavi Hernandez. Der 34-jährige Mittelfeldspieler des FC Barcelona wurde von Del Bosque nach der Niederlage gegen Holland aussortiert und stand gegen Chile weder in der Startaufstellung noch wurde er im Lauf der Partie eingewechselt. Es schien, als wolle Del Bosque dem genialsten Fussballer der spanischen Ära die Schmach des Untergangs ersparen.

Xavi galt als der Taktgeber im System der Selección, als Inbegriff des vielzitierten Tiqui-Taca, dem bis zum Exzess praktizierten Direktspiel. Dank seiner Übersicht, der Ballsicherheit, dem Spielverständnis und der überragenden Technik drückte er sowohl beim FC Barcelona als auch im Trikot der Nationalmannschaft wie kein anderer dem Spiel seinen Stempel auf. Die enormen Belastungen der letzten Jahre und die Erfolge mit dem FC Barcelona und der Selección haben beim Spielmacher Spuren hinterlassen. Sowohl im Klub als auch in der Nationalmannschaft war Xavis Einfluss zuletzt nicht mehr so gross gewesen wie in früheren Jahren.

Auch del Bosques Zukunft ist ungewiss

Xavi dürfte am Montag gegen Australien sein 134. und letztes Länderspiel für Spanien bestreiten. Auch der Captain und Rekord-Internationale Casillas sowie Xabi Alonso haben ihre Schuldigkeit getan und könnten einem Neuaufbau zum Opfer fallen. Die Zukunft des Trainers, der als einziger Coach weltweit den WM-, EM- und Champions-League-Titel gewonnen hat, steht ebenfalls in den Sternen. «Vicente del Bosque verdient all unseren Respekt», sagte Sergio Ramos nach dem Ausscheiden. «Wir unterstützen ihn, was immer er auch entscheiden wird.»

(sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Bergamnn am 19.06.2014 09:27 Report Diesen Beitrag melden

    Respekt!

    Egal was Andere sagen, die Spieler der spanischen Mannschaft verdienen unseren Respekt! Sie haben in den letzten Jahren den Fussball, mit einer schönen Spielart, beherrscht. Hätte der Trainer neue und jüngere Spieler eingesetzt, hätte man im Vorfeld gemotzt warum man von der bisherigen erfolgreichen Strategie abweicht. Jetzt motzt man warum er keine Änderung vollzogen hat..

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  • Vicente Casillas am 19.06.2014 09:51 Report Diesen Beitrag melden

    Danke schön...

    Dieses Team hat Spanien mehr gegeben, als es sich Spanien je erträumt hat. Wir sollten dankbar sein und dem Team zur Seite stehen - auch in dieser Zeit. Sie können nicht jedes Spiel gewinnen und die Unsicherheit des ersten Spiels konnten sie gestern nicht abschütteln. Zudem hat vielleicht der Hunger gefehlt. Vielleicht hat es Vicente auch verpasst, junge, hungrige Spieler mitzunehmen wie zb. Carvajal oder Isco. Aber von einem Ende der Ära würde ich nicht sprechen....

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  • dedeschge am 19.06.2014 08:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    verschlafen

    del bosqe hat den trend verschlafen. zu lange auf die jetzige mannschaft gesetzt ohne neue spieler ins team zu integrieren.

Die neusten Leser-Kommentare

  • H. Merz am 19.06.2014 20:07 Report Diesen Beitrag melden

    Und Deutschland?

    Na ja, wenn Deutschland ebenfalls bald heimreisen muss, bin ich wieder zufrieden...

  • ElMagoDonIniesta am 19.06.2014 13:52 Report Diesen Beitrag melden

    Spanien - italien

    Diese gegenseitige "Sympathie" entstand womöglich im Jahre 1994 als die beiden Mannschaften aufeinander trafen. Italien verhielt sich einmal mehr unsportlich und gewann äusserst glücklich. Das die Spanier sie stets an die 2 "geklauften" WM's von 1934/1938 erinnern vertragen sie wohl auch nicht besonders...

  • Manolo el del Bombo am 19.06.2014 13:50 Report Diesen Beitrag melden

    Spanien ist eine Macht

    Es ist klar, dass sich alle nun ab dem frühen Aus der Furia Roja ergötzen. Wer so hoch gestiegen ist wie Spanien, kann nun mal eben nicht bloss ein wenig fallen. Ebeso lächerlich ist doch der Kommentar, dass der spanische Fussball am Ende ist. Spanien ist U21 Weltmeister geworden letztes Jahr, der Nachwuchs ist also schon da. Und noch zuletzt: Wer hat den Europäischen Clubfussball dominiert? Real Champions League, Sevilla Euro League usw. Nein nein, Spanien ist und bleit eine Macht, aber gönnen wir den Schadenfreudigen den momentanen Triumpf!

  • Fair am 19.06.2014 13:47 Report Diesen Beitrag melden

    Wer hier besser ruhig sein sollte!

    Ausgerechnet die Italiener spotten hier??? Waren es nicht die Italiener die bei der letzten WM nach der Vorrunde gegen Slowakei, Paraguay und Neuseeland nach Hause gehen musste?? Da hat Spanien wenigstens noch gegen richtige Gegner verloren! Die Spanier haben euch bei der EM zerlegt und euch mit dem höchsten Sieg in der EM Endspiel Geschichte vor der ganzen Welt blamiert. Der Frust muss wohl noch immer sehr tief sitzen!!

  • David Alameda am 19.06.2014 12:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Pure Korruption!

    Wären sie ins Final gekommen hätten sie verloren. Die Fifa würde das niemals zulassen, dass Spanien zum 2. Mal WM Meister wird.

    • Gy am 19.06.2014 13:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Bd

      Als spanier von korruption sprechen, während spanien ein hässliches unattraktives fussball zeigt und selber schuld ist, wenn man draussen ist? Ihr habt vs holland einen nicht existierenden elfer gekriegt, ich dachte shon das wäre die wiederholung der vergangenheit wo ihr wohl mehr als genug oft den schiri für euch hattet.

    • rene am 19.06.2014 13:25 Report Diesen Beitrag melden

      @david alameda dein name sagt alles ;)

      rofl willst du ernsthaft sagen, das beide spiele geschoben wurden? das 5:1 und das 2:0? wie voreingenommen kann man eigentlich sein. SPANIEN WAR SCHLECHT. punkt und basta, findet euch damit ab. spanien hat soviele gute und junge spieler nur hat sich der trainer auf seine alten verlassen welche auch in ihren clubs nicht mehr sehr viel geleistet haben und das war der fehler, wäre die mannschaft mit etwas jungblut aufgepeppt worden, hätte es meiner meinung nacht für sehr viel mehr gereicht als das was diese SCHLECHTE mannschaft geboten hätte, vielleicht sogar einen weiteren titel.

    • Didi am 19.06.2014 13:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Selber schuld

      Dan ist spanien selber schuld, wenn sie sich auf die angebliche korruption einlassen!

    • marc r. am 19.06.2014 13:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      ins finale????

      ins finale??? ää ja, aber nicht mit soooo grottenschlechten leistungen... guter heimflug...

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