Jogi Löw

11. Juli 2014 14:42; Akt: 11.07.2014 14:42 Print

Der Bundestrainer steht kurz vor seiner Krönung

von Oliver Fischer - Joachim «Jogi» Löw kann für sich beanspruchen, den deutschen Fussball revolutioniert zu haben, bis jetzt aber noch ohne Titelgewinn. Das soll sich nun ändern – endlich.

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Dass Jogi Löw im Herbst 2006 die deutsche Fussball-Nationalmannschaft übernahm, war eine logische Wahl. Denn die Stabsübergabe vom Chef- an seinen Assistenztrainer hat im deutschen Fussball lange Tradition. Bis zur Ernennung von Franz Beckenbauer zum deutschen Teamchef 1984 – diese Bezeichnung wurde extra für den Kaiser geschaffen, weil er kein Trainerdiplom besass – waren stets die Assistenten auf ihren vormaligen Chef gefolgt.

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Danach wurde dieses Nachfolgeprinzip nicht mehr konsequent durchgezogen. Berti Vogts gehörte zwar von 1986-1990 schon zu Beckenbauers Trainerstab, danach wurden aber gleich reihenweise Trainer ohne Bindung nacheinander verheizt: Erich Ribbeck 1998-2000, Rudi Völler 2000-2004, Jürgen Klinsmann 2004-2006.

Löw passt ins deutsche Trainer-Schema

Es passt ins Bild, dass in diese für deutsche Verhältnisse wirren Jahre des Trainer-Karussells die grösste Krise der deutschen Nationalmannschaft fiel – mit Ausnahme der WM 2002. Davor, bis und mit Vogts, hat jeder (!) Bundestrainer mindestens einen grossen Titel geholt, seither keiner mehr. Bis jetzt. Denn Jogi Löw passt wieder ins deutsche Schema: zuerst Assistent, dann Chef, und das seit nunmehr acht Jahren. Bei jedem seiner Turniere stand er mindestens im Halbfinal und nun nach der Euro 2008 zum zweiten Mal in einem Final.

Der grösste Verdienst des 54-Jährigen ist aber, dass er den deutschen Fussball auf eine neue Stufe gehoben hat. Die jahrzehntelang ins Feld geführten deutschen Tugenden - Kampfkraft, Siegeswille, Disziplin, physische Stärke - kombiniert mit unansehnlichem Rumpelfussball sind Vergangenheit. Tempowechsel, Technik, Offensivspektakel, Ballstafetten: das sind die neuen Assoziationen, mit denen die deutsche Elf verbunden wird. Und es ist wohl ein gutes Zeichen, wenn die deutschen Journalisten nach erkrampften Siegen (Algerien) die Spieler fragen, wo denn die Leichtigkeit und das Spektakel geblieben sind. Man hat sich in «Schland» an den schönen Fussball gewöhnt – auch wenn das einige Jahre gebraucht hat. Nicht immer war es eine harmonische Beziehung zwischen den Fussballfans und ihrem Teamchef. Lange galt seine Philosophie als undeutsch, zu oft scheiterten seine Spieler in den wichtigsten Partien – man wünschte sich den einfachen, physischen und eben oft erfolgreichen Rumpelfussball zurück.

Löw kann fast nichts mehr falsch machen

Jetzt soll es endlich klappen mit dem grossen Titel. Die Stimmung im deutschen Team ist hervorragend, die Mannschaft strotzt vor Selbstvertrauen und sie weiss, dass sie auch enge Spiele gewinnen kann. Eigentlich kann Löw fast nichts mehr falsch machen. Seine Startelf steht, und wer auf der Bank noch Lukas Podolski, Mario Götze und André Schürrle weiss, hat keine Sorgen. Und wenn es die unerfahrene holländische Hintermannschaft zustande bringt, Lionel Messi aus dem Spiel zu nehmen, dann dürfte das für das Quartett Khedira, Schweinsteiger, Boateng und Hummels absolut machbar sein - und sonst steht dahinter immer noch der beste «Libero» des Turniers, Manuel Neuer, auf seinem Posten.

Es wäre Löw zu gönnen, dass er sich die Krone des Weltmeistertrainers aufsetzen könnte, denn was er aus der deutschen Nationalelf in seinen acht Jahren gemacht hat, ist fast beispiellos. Er hat eine nachhaltige Entwicklung gefördert, die nicht nur auf einer goldenen Generation, wie in zuletzt in Spanien, beruht. Zuletzt gelang dies Rinus Michels in Holland in den 1970er-Jahren in solchem Ausmass.