Toni Kroos

11. Juli 2014 07:59; Akt: 11.07.2014 11:16 Print

Der Hochtalentierte setzt Akzente

Als Junior galt Toni Kroos als eines der grössten Talente des deutschen Fussballs. Nun hat sich der Deutsche in der Nationalmannschaft als unbestrittener Stammspieler etabliert.

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Wo spielt Philipp Lahm? Wie fit ist Sami Khedira? Was ist mit der Form von Bastian Schweinsteiger? Das Mittelfeld war bei der WM in Brasilien eines der grossen medialen Themen rund um die deutsche Nationalmannschaft. Wochenlang wurde darüber diskutiert und debattiert, geschrieben und kritisiert, ob im deutschen Camp in Santo André, in den Fernsehstudios an der Copacabana oder zuhause in Deutschland.

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Um Toni Kroos gab es nie Diskussionen. Der 24-Jährige war im offensiven zentralen Mittelfeld gesetzt - und avancierte zu einem der überragenden Spieler an dieser WM. Beim historischen 7:1 gegen Brasilien im Halbfinal war er der Beste der hervorragenden deutschen Mannschaft. Bis zum 4:0 hatte Kroos in seinem 50. Länderspiel bei jedem Treffer seine Füsse im Spiel, mit dem 3:0 und 4:0 gelangen ihm die ersten beiden Tore in diesem Turnier.

Kroos' Spielweise ist elegant, eine Augenweide. Von Hollands Fussball-Legende Johan Cruyff wurde sie bereits vor dem Gala-Auftritt gegen Brasilien gelobt: «Der Junge macht alles gut. Seine Ballbehandlung ist fast perfekt.» Neben der Technik zeichnen Kroos auch ein nahezu perfektes Passspiel sowie eine hervorragende Schusstechnik aus. Die Süddeutsche Zeitung hob ihn nach dem Halbfinal in den Fussball-Olymp: «Brasilien war nicht mehr Brasilien, und Kroos war nicht mehr Kroos. Er mischte jetzt einen Xavi (aus besten Tagen) mit einem Iniesta (aus besten Tagen) mit einem Kroos (in bester Form).»

Aufstieg auf Umwegen

Zweifel an seinem Können hatte es nie gegeben, Kroos galt in seiner Jugend als eines der grössten Talente des deutschen Fussballs. 2006 wechselte er von Hansa Rostock in die Jugendabteilung von Bayern München, ein Jahr später wurde er an der U17-WM in Südkorea zum besten Spieler des Turniers gewählt, im September 2007 kam er unter Ottmar Hitzfeld zu seinem Bundesliga-Debüt. Zum Stammspieler bei den Bayern avancierte Kroos allerdings erst in der Saison 2010/11 nach seiner Rückkehr aus Leverkusen. Eineinhalb Jahre war er ins Rheinland ausgeliehen worden, wo Kroos mit Jupp Heynckes auf seinen grössten Förderer stiess. Das Duo war später bei Bayern wieder vereint, bei dem 2013 mit dem Triple-Gewinn auf Klubebene die Krönung gelang, auch wenn Kroos die letzten Wochen der Saison wegen einer Verletzung verpasste.

Die Entwicklung Kroos' wurde jedoch immer kritisch verfolgt. Ihm wurde vorgeworfen, dass er sich trotz seiner unbestrittenen Klasse zu oft verstecke, dass er zu wenig Verantwortung übernehme, dass er zu selten in den Abschluss gehe. Dass der 24-Jährige aus dem Bundesland Mecklenburg-Vorpommern, dessen Bruder Felix bei Werder Bremen spielt, im verlorenen Champions-League-Final 2012 gegen Chelsea nicht zum Penaltyschiessen antreten wollte, war für die Kritiker symptomatisch. Und Kroos' Auftritte neben dem Platz wirkten oft bieder. Die Schlagzeilen lieferte der Familienvater mit seinen Aussagen nie.

Auch in der Nationalmannschaft verlief der Aufstieg des Hochtalentierten zögerlich. Zwar debütierte er bereits im März 2010 gegen Argentinien in der DFB-Auswahl, das volle Vertrauen von Löw spürte er allerdings lange Zeit nicht. Obwohl Stammspieler in der Qualifikation für die EM 2012, setzte Löw an der Endrunde in Polen und der Ukraine nicht auf Kroos. Und als Löw im Halbfinal gegen Italien Kroos überraschend von Beginn weg als weiteren zentralen Mittelfeldspieler nominierte, misslang der taktische Schachzug. Das Ausscheiden und die erste heftige Welle der Kritik am Bundestrainer waren die Folge.

(sda)