Mats Hummels

13. Juli 2014 16:44; Akt: 13.07.2014 16:45 Print

Die deutsche Versicherung in der Defensive

Mats Hummels ist ein Schlüsselspieler im Team der Deutschen. Dank seiner Leistungen in Brasilien ist er in die Top 5 der wertvollsten Innenverteidiger vorgestossen.

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Zehn Spieler hat die Fifa für den «Goldenen Ball» nominiert. Die Trophäe ehrt den Besten der WM und ging in den letzten 32 Jahren unter anderen an Zinédine Zidane, Ronaldo und Oliver Kahn. Überraschendes bietet die Wahlliste 2014 nicht, und doch sticht ein Name heraus. Mats Hummels ist der einzige Innenverteidiger und zusammen mit dem Kolumbianer James Rodriguez jener Spieler, dem man es vor dem Turnier am wenigsten zugetraut hätte, sich an der Seite von Namen wie Lionel Messi, Neymar oder Philipp Lahm wiederzufinden.

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«Wer hätte gedacht, dass diese WM bisher so gut verläuft für uns und für mich», sagte Hummels bei der Ankunft in Rio de Janeiro, wo im Maracanã der Final gegen Argentinien steigt. «Das alles ist irgendwie noch schwer zu packen. Noch 90, eventuell 120 Minuten, und wir könnten das Grösste in der Karriere eines Fussballers vollbracht haben.»

Ein ausgesprochener Turnierspieler

Hummels hat in den letzten Jahren seine Qualitäten bewiesen. Der 25-Jährige war massgeblich an der beeindruckenden Entwicklung von Borussia Dortmund beteiligt. Als er Anfang 2009 leihweise von Bayern München zu den Dortmundern stiess, blickte der Klub auf die schlechteste Saison seit 1988 zurück. Seither wurde Hummels mit dem BVB zweimal Meister und stand 2013 im Final der Champions League. In der Nationalmannschaft stand er aber oft in der Kritik und fand sich zwischenzeitlich inmitten eines Bayern-Dortmund-Konflikts wieder.

Wie bei der EM 2012, als er einer der Besten im deutschen Team war, bewies Hummels auch in Brasilien, dass er ein Turnierspieler ist, der an solchen Anlässen besser spielt als in Qualifikations- oder Testpartien. Im ersten Match gegen Portugal schoss er das 2:0, im Viertelfinal gegen Frankreich das entscheidende 1:0. Dabei war Hummels in den letzten Monaten selten als Torschütze aufgefallen. Dreimal hatte er in der abgelaufenen Bundesliga-Saison getroffen, im Nationalteam ist er bei vier Toren angekommen.

Ohne Hummels ging nur wenig

In seinem Kerngeschäft, dem Verteidigen, ist Hummels bislang ohne Fehl und Tadel. «Er zeigt überragende Leistungen», lobte ihn Klubtrainer Jürgen Klopp. «Er ist neben Manuel Neuer und Thomas Müller der beste Deutsche.» Seine Bedeutung innerhalb der Mannschaft kam am eindrücklichsten zum Ausdruck, als er nicht dabei war. Im Achtelfinal gegen Algerien fehlte Hummels wegen einer Grippe, prompt war die deutsche Verteidigung gegen die Nordafrikaner überfordert.

Auch deshalb fürchtet sich Deutschland vor einem möglichen Ausfall von Hummels für den Final. Der 35-fache Nationalspieler leidet an Kniebeschwerden. Er wurde im Halbfinal gegen Brasilien zur Pause ausgewechselt. Es sei vor allem eine Vorsichtsmassnahme gewesen, erklärte Teammanager Oliver Bierhoff, der sagt: «Ich rechne mit seinem Einsatz.»

Barça oder Manchester United?

Die unmittelbare Zukunft ist heute das Maracanã. Wohin Hummels' Weg danach führt, ist unklar. Der Sohn einer Sportjournalistin und eines Fussballers besitzt bei Dortmund einen Vertrag bis 2017. Doch die grössten Klubs Europas haben die Jagd nach ihm begonnen. Vor allem Manchester United, das ab nächster Saison von Louis van Gaal trainiert wird, und Barcelona haben sich hervorgetan und sollen bereit sein, tief in die Tasche zu greifen.

Rund 35 Millionen Euro beträgt Hummels' Marktwert gemäss transfermarkt.de mittlerweile. Die Zunahme von neun Millionen Euro gegenüber dem Vorjahr hat nicht zuletzt mit seinen Leistungen bei der WM zu tun.

(sda)