Neymar

05. Juli 2014 20:40; Akt: 05.07.2014 21:32 Print

Die kaputte Ikone

Für Brasiliens Neymar ist die WM vorbei. Der Superstar ist mit dem Helikopter bereits zu seiner Familie in Guaruja, in der Nähe von São Paulo, geflogen worden.

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Das Out von Neymar ist für Brasilien kaum zu ertragen. Nur von ihm hat sich die stolze Fussball-Nation verzaubern lassen. Seine Verletzung ist für alle ein Desaster. Ohne ihn ist die Seleção endgültig nicht mehr magisch und die Copa verliert ihre grosse Figur.

Die brasilianischen Sport-Heiligen tragen die Zehn – Pelé, Zico, Ronaldinho, Neymar. Im Land des fünffachen Weltmeisters ist keine Trikotnummer begehrter. Der Mythos um die populärste Zahl im Fussball ist grenzenlos, ihre Bedeutung kaum in Worte zu fassen, sie steht für «Jogo bonito» – nur sie.

Fans bei der Spitaleinlieferung

Für die Gastgeber zerbrach in Fortaleza mehr als der dritte Lendenwirbel des Spielmachers. Als der Teamarzt Rodrigo Lasmar den Befund des Spitals São Carlos bestätigen musste, war die Schockstarre landesweit spürbar. Das Drama um den Regisseur des Nationalteams ist eine Staatsaffäre. Den Ausfall thematisierte jedes TV-Nachrichtenmagazin stundenlang an erster Stelle. Die Mitspieler vergossen Tränen, die Fans trauerten. Jeder ahnt: Ohne die Ideen von Neymar droht gegen Deutschland das bittere Ende. Mittlerweile ist Neymar von einem Helikopter zu seiner Familie in Guaruja, in der Nähe von São Paulo, geflogen worden.


Neymar bei der Spitaleinlieferung. (Video: YouTube)

Neymar überall

Er ist das Gesicht der WM. Kein Werbe-Spot kommt ohne den Ballkünstler aus. Neymar ist das Idol einer Nation, die sich so sehr nach dem sechsten Titelgewinn sehnt. Vor allem dank seinen genialen Einfällen blieb dem kaum einmal restlos überzeugenden Rekord-Champion bisher eine möglicherweise weitaus ungemütlichere Endrunde erspart.

Neymar hielt dem fast unmenschlichen Druck stand, bis ihn ein kolumbianisches Raubein aus Neapel ohne Rücksicht auf Verluste stoppte. «Sie haben ihn gejagt», ärgerte sich Felipe Scolari masslos. Und der spanische Schiedsrichter Carlos Velasco habe die Aggressionen zugelassen. Für Felipão war das Foul von Zuniga unentschuldbar.

Mit der Sport-Tragödie befasste sich selbstredend jeder Kommentator. Für viele war sofort klar: «Das Drama wiederholt sich!» Sie rollten Pelés unschöne Geschichte von 1962 wieder auf. Der Superstar verletzte sich an der «Mundial» in Chile ebenfalls schwer. Der König fiel damals, Brasilien allerdings nicht.

«Keine böse Absicht»

Kolumbiens Verteidiger Juan Zúñiga hat dem Brasilianer Neymar sein «tiefes Bedauern» über dessen WM-Aus übermittelt. «Diese Situation bekümmert mich. Sie hat sich aus einer normalen Aktion im Spiel ergeben», schrieb der Verteidiger bei Instagram. «Ich wollte Neymar nicht verletzen». Es sei im WM-Viertelfinal (1:2) in Fortaleza «keine böse Absicht, Bosheit oder Unüberlegtheit gewesen», schrieb Zùñiga weiter. «Ich bewundere und respektiere dich und erachte dich als einen der besten Spieler der Welt. Ich wünsche dir eine schnelle Rückkehr auf den Platz.»

Neymar hat sich nach seinem WM-Aus auch erstmals geäussert: «Mein Titel-Traum als Spieler ist geplatzt. Aber der Traum vom WM-Titel ist für Brasilien noch nicht vorbei», wurde der verletzte Stürmerstar auf der Internetseite des brasilianischen Fussball-Verbandes zitiert. «Es fehlen noch zwei Spiele, und ich bin sicher, dass meine Teamkollegen alles tun werden, um diese Trophäe zu gewinnen.»

(sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Rojiblanco am 05.07.2014 22:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Scolari

    Das Foul war übel, aber gejagt wurde ein anderer, nämlich James Rodriguez... Die Brasilianer haben 30! Fouls begangen und gerade mal 2 gelbe Karten gesehen, wovon man einaml auch gut und gerne Rot hätte geben können... Die Brasilianer können sich allgemein nicht über mangelnde Unzerstützung durch die Schiris beklagen ;-)

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  • Mark am 05.07.2014 22:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Die Letzten, die sich...

    wegen unfairem um zu hartem Spiel beschweren dürfen, sind wohl die Brasilianer selbst. Das war nur der Höhepunkt eines hässlichen Spieles, welches der Referee schon viel früher hätte durch Ermahnungen, Karten und Platzverweise in die richtige und saubere Bahn leiten können.

  • Chris am 06.07.2014 06:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Einzugreifen

    Das kann kein Fussballfreund wollen. Das Spiel war ultrahhhart - von beiden Seiten. So, dass es nicht mehr schön war. Es benötigt eine Kontrollinstanz, die eingreift und einem Schieds- oder Linienrichter die ¨rote Karte¨ zeigt - vom Platz und auswechseln bei wiederholten schweren Fehlentscheiden. Zudem sollte bei solchen Vorfällen auch nachträglich eine Strafe verhängt werden können, nicht nur, wenn der Schiri ¨nicht hingeschaut hat¨. Diese WM ist sehr körperbetont... ein Euphemismus, wenn man sieht, was passiert (CH, BRA, ARG, ...)

Die neusten Leser-Kommentare

  • Michelle am 06.07.2014 12:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Verletzungen sind immer schlecht!

    Jetzt hat Brasilien, im Falle des Ausscheidens, schon eine prima Entschuldigung parat. Fussball ist ein Mannschaftssport! Wenn ich da sehe welch starke Stürmer Deutschland, wegen Verletzungen, daheim lassen musste, geht mir das Gejammer auf die Nerven. Die Deutschen kämpfen als Kollektiv, darum kommen sie meistens auch weit in den Turnieren. Mit Glüch allein hat das nichts zu tun. So wie Brasilien grobe Fouls verteilt hat im letzten Spiel muss man dann eben mit fatalen Folgen auch einstecken.

  • Bünzli am 06.07.2014 12:01 Report Diesen Beitrag melden

    11 Mann sollt ihr sein

    Wenn eine Nationalmanschaft von einem Mann abhängig ist,sorry dann ist sie nichts wert Punkt aus.

  • I. Balic am 06.07.2014 09:06 Report Diesen Beitrag melden

    Gerechtigkeit...?

    Neymar, gute Genesung. Aber was ist dem groben Foul am Schweizer Spieler durch Frankreich. Das nahm man einfach so hin. Ist ja nur ein Schweizer wo keine Untersuchung nötig ist.

  • Chris am 06.07.2014 06:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Einzugreifen

    Das kann kein Fussballfreund wollen. Das Spiel war ultrahhhart - von beiden Seiten. So, dass es nicht mehr schön war. Es benötigt eine Kontrollinstanz, die eingreift und einem Schieds- oder Linienrichter die ¨rote Karte¨ zeigt - vom Platz und auswechseln bei wiederholten schweren Fehlentscheiden. Zudem sollte bei solchen Vorfällen auch nachträglich eine Strafe verhängt werden können, nicht nur, wenn der Schiri ¨nicht hingeschaut hat¨. Diese WM ist sehr körperbetont... ein Euphemismus, wenn man sieht, was passiert (CH, BRA, ARG, ...)

  • jasin am 06.07.2014 05:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    blöd

    brasilien hat nicht mehr so viel glück