Belgien-USA

02. Juli 2014 11:03; Akt: 02.07.2014 12:42 Print

Lange Gesichter im New Yorker East Village

von Martin Suter, New York - Die patriotische Begeisterung im Pub Nevada Smiths im East Village konnte die 2:1-Niederlage der USA gegen Belgien nicht abwenden. Doch der Fussball gewann.

(Video: 20 Minuten / Martin Suter)
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Dass die USA ein Fussball-Entwicklungsland sind, spürt man in New York so wenig wie kaum anderswo. Eine Mehrzahl der New Yorker ist im Ausland geboren, und viele Immigranten importieren Begeisterung für die beliebteste Sportart der Welt.

Besonders auf den vier Etagen des Pubs Nevada Smiths an der 3. Avenue im East Village herrscht eine Stimmung wie in einer europäischen Stadt. Der Lärmpegel ist ohrenbetäubend, und das Bier fliesst reichlich. Wer die Weltmeisterschaftsspiele hier auf einem der unzähligen Bildschirme auf vier Etagen ansieht, ist auf dem Ground Zero des «Soccer» in New York.

An den Sieg glauben alle

Natürlich wollen fast alle, dass die USA gewinnen. Auf dem Trottoir vor dem Pub ist man sich vor Spielbeginn bewusst, dass die Belgier womöglich über eine bessere Mannschaft verfügen. Dennoch ist der patriotische Optimismus der oft rot-blau-weiss drapierten Fans ungebrochen. Nur einer sagt, es komme bloss darauf an, dass das Spiel unterhaltend und fair werde.

Während der ersten Halbzeit kühlt sich die Stimmung jedoch merklich ab. Die schwache Leistung der US-Elf enttäuscht alle. Doch in der Halbzeitpause ist noch alles offen. Die Fans hoffen bis zum Ende der regulären Spielzeit.

Enttäuschung macht sich breit

In der Verlängerung, als Belgien erst 1:0 und dann 2:0 in Führung geht, werden die Gesichter im Pub immer länger. Jubel herrscht nur beim Ehrentor der amerikanischen Mannschaft. Jetzt singt man, tanzt, lässt Papierfetzen von der oberen Etage herunterrennen.

Nach dem Spiel lassen sich die wenigsten ihren Frust anmerken. Die Belgier waren besser, das gibt man offen zu. In vier Jahren wieder, lautet die häufigste Antwort der schweissnassen Fans mit bunt-verschmierten Gesichtern. Pub-Eigner Paddy ist überzeugt, dass nach dieser Weltmeisterschaft der Fussball auch in den USA verstärkt Fuss fassen wird.

So ganz vergessen mögen die Niederlage jedoch nicht alle. Auf dem Weg nach Hause schreit einer lauthals: «Bis an mein Lebensende werde ich keine belgischen Waffeln mehr essen.»