Argentinien vs. Deutschland

12. Juli 2014 07:01; Akt: 12.07.2014 07:01 Print

Schulplatz-Treterei und Spick-Zettel

Deutschland gegen Argentinien ist der Rekord-Final. Zum dritten Mal treffen die beiden Rivalen aus Europa und Südamerika in einem WM-Endspiel aufeinander.

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In Rio de Janeiro bestreiten Deutschland und Argentinien das siebte WM-Duell. Keine Affiche gab es häufiger (Brasilien - Schweden ebenfalls sieben Mal). Beide haben gegen keine andere Nation an Weltmeisterschaften häufiger gespielt. Ein Rückblick.

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8. Juni 1958, in Malmö (Schweden), Vorrunde. Deutschland - Argentinien 3:1:
Das erste von vielen harten Spielen zwischen den beiden Rivalen. Auf Seiten der Deutschen beendeten Fritz Walter und Horst Eckel das Spiel verletzt, weil Auswechslungen noch nicht erlaubt waren. Im WM-Startspiel traf der Final-Held von 1954, Helmut Rahn, zweimal. Uwe Seeler schoss zudem das erste seiner insgesamt neun WM-Tore. Die «Bild«-Zeitung jubelte trotz einem unansehnlichen Spiel: «Unsere Elf ist Weltklasse!»

16. Juli 1966, in Birmingham (England), Vorrunde. Deutschland - Argentinien 0:0:
Wieder wird derart unfair gespielt, dass die «Süddeutsche Zeitung» davon schrieb, das Spiel habe «eher einer Pausenhof-Treterei denn einem WM-Spiel» geglichen. Die Deutschen spekulierten, dass die Argentinier ihre Stollen mit Nägeln präpariert haben könnten. «Es konnte beim besten Willen nichts Gescheites herauskommen», kommentierte Franz Beckenbauer nach dem 0:0.

29. Juni 1986, in Mexico-City (Mexiko), Final. Argentinien - Deutschland 3:2:
Argentinien lebte an dieser WM von Superstar Diego Maradona, Deutschland vom Kampf und dem Wettkampfglück. Auch in Deutschland hatte Maradona in diesen Tagen viele Fans. Lothar Matthäus war für die Manndeckung abgestellt, doch am Tag vor dem Final flehte ihn seine damalige Frau Sylvia in der «Bild«-Zeitung an: «Bitte Schatz, tu' ihm nicht weh.» Maradona bot danach nicht sein bestes Spiel, aber er schlug den Pass auf Jorge Burruchaga, der in der 84. Minute alleine vor Deutschlands Keeper Toni Schumacher das Siegtor erzielte.

8. Juli 1990, in Rom (Italien), Final. Deutschland - Argentinien 1:0:
Wieder stand Maradona im Mittelpunkt. Er hatte sich vier Tage zuvor mit seinen Argentiniern den Gastgeber Italien ausgeschaltet. Die DFB-Auswahl konnte daher auf den Support der italienischen Tifosi zählen. Maradona wurde bei jedem Ballkontakt ausgepfiffen, am Ende weinte er bittere Tränen, während Lothar Matthäus den Pokal in die Höhe stemmte.

30. Juni 2006, in Berlin (Deutschland). Viertelfinal. Deutschland - Argentinien 1:1, 4:2 im Penaltyschiessen:
Ein Notiz-Zettelchen aus dem Berliner «Schlosshotel im Grunewald» verhalf den Deutschen zum Sieg im Penaltyschiessen. Torhüter-Trainer Andreas Köpke hatte darauf geschrieben, wohin die Schützen der Argentinier mit Vorliebe schiessen. Keeper Jens Lehmann versorgte den Spick-Zettel in seinem Socken. Den Inhalt hatte er sich offenbar genau gemerkt. Er hielt die Schüsse von Fabian Ayala und Esteban Cambiasso. Später wurde der Zettel bei der Spendengala «Ein Herz für Kinder» für 1 Million Euro ersteigert.

3. Juli 2010, Kapstadt (Südafrika), Viertelfinal. Deutschland - Argentinien 4:0:
Vor dem Spiel wurde auf beiden Seiten mit Provokationen gearbeitet. Bastian Schweinsteiger feuerte ein paar Giftpfeile ab, Argentiniens Trainer Diego Maradona antwortete mit einer Frage: «Was ist los, Schweinsteiger. Bist du nervös?» Im Spiel selbst gab es fast keine Fragen mehr. Deutschland demütigte Argentinien mit drei Toren in den letzten 20 Minuten. «Das ist der härteste Moment in meinem Leben», sagte Maradona hinterher. «Es ist ein Schlag ins Gesicht.» Nach der WM schied er im Streit mit Verbandspräsident Julio Grondona aus seinem Amt aus.

(sda)