Zwei Gesichter

01. Juli 2014 14:26; Akt: 01.07.2014 14:26 Print

Wie gut ist dieses Deutschland wirklich?

Mal Zauberfussball, mal neben den Schuhen. Deutschland zeigt zwei Gesichter.

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Der 2:1-Sieg nach Verlängerung im Achtelfinal gegen Algerien war zwar letztendlich verdient. Doch er entsprach nicht dem, was die deutsche Volksseele von ihren Kickern erwartet. Dazu war primär die erste Halbzeit viel zu miserabel. Die Mannen von Joachim Löw durchleben in Brasilien derzeit ein Wellental. Die WM begann mit einer 4:0-Gala gegen Ronaldos Portugal und machte dadurch Deutschland zum Titelkandidaten Nummer eins. Danach folgte ein taktisch disziplinloses 2:2 gegen Ghana, ehe die Mannschaft mit einem taktisch disziplinierten 1:0 gegen die USA die Nation wieder beruhigte. Doch dann folgte dieser teilweise erschreckend schwache Auftritt gegen Algerien.

Mertesacker motzte im TV-Interview

Und nun ist die Sorge in «Schland» gross, dass die WM bereits am Freitag mit dem Viertelfinal gegen Frankreich anstatt mit dem ins Visier genommenen vierten Titel am 13. Juli zu Ende gehen könnte. «Man kann nicht in allen Spielen fantastisch spielen. Gegen Algerien waren wir nicht fantastisch, aber wir haben gewonnen», erklärte Bundestrainer Löw nach dem heissen Achtelfinal-Tanz und meinte weiter: «Auch andere Mannschaften wie Brasilien haben sich schwergetan und sind erst mit dem letzten Elfmeter in die nächste Runde eingezogen.»
Gar kein Verständnis für die aufgekommene Kritik hat Abwehrchef Per Mertesacker. So motzte er nach dem Algerien-Spiel den kritisch fragenden ZDF-Reporter Boris Büchler gereizt an: «Was wollen Sie? Wollen Sie eine erfolgreiche WM oder sollen wir wieder ausscheiden und haben schön gespielt?» Die Runde der letzten 16 Teams an einer WM sei keine «Karnevalstruppe».

Fakt ist, dass Deutschland zuletzt massive Schwächen zeigte. Das mit den vier Innenverteidigern in der Abwehr funktioniert überhaupt nicht, Höwedes und Mustafi, der sich später verletzte und für den Rest der WM ausfällt, standen auf der Seite mehrheitlich im Schilf. Im Mittelfeld fehlt Schweinsteiger das Tempo, um das Spiel schnell zu machen, Kroos leistete sich gegen Algerien ungewohnte Fehler, Özil kommt nicht an sein gewohntes Rendement heran und Götze war ein Totalausfall. Erst durch Schürrles Einwechslung wurde es besser und der zuvor isolierte Goalgetter Müller erhielt im algerischen Strafraum einen wirklichen Partner.

Löw muss gegen Frankreich die richtige Mischung finden

Löw geht vor dem Klassiker gegen Frankreich die Arbeit auf jeden Fall nicht aus. Er muss nun die richtige Mischung finden, wenn es mit dem Titel klappen soll. Mit Captain Lahm zurück in seiner früheren Position als Aussenverteidiger? Und Schweinsteiger sowie Khedira im defensiven Mittelfeld, obwohl beide aus Verletzungen zurückkommen und bei einem weiteren Spiel über 120 Minuten Probleme bekommen könnten? «Wir müssen den Spielern nun zuerst einmal ein, zwei Tage Ruhe gönnen und dann werden wir uns Gedanken machen», gab sich der Bundestrainer bedeckt.

Löws Respekt vor Viertelfinal-Gegner Frankreich ist gross: «Das ist ein ganz starker Gegner, der sich unter Didier Deschamps toll entwickelt hat. Aber wir werden wie immer gut vorbereitet sein.» Wie gut ist dieses Deutschland wirklich? Am Freitag wird es eine Antwort geben.

(mal)