Ottmar Hitzfeld

02. Juli 2014 20:03; Akt: 04.07.2014 16:33 Print

«Langweilig wird mir nicht»

von S. Compagno & E. Tedesco, São Paulo - Eine Pressekonferenz im Hotel «Grand Mercure» in São Paulo war die letzte Amtshandlung von Ottmar Hitzfeld als Nati-Coach. Der 65-Jährige ist mit sich im Reinen.

Der letzte offizielle Auftritt von Ottmar Hitzfeld als Nati-Coach. (Quelle: 20 Minuten)
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Ottmar Hitzfeld, welche Bilanz ziehen Sie nach sechs Jahren und 61 Spielen?
Ich hatte ja Höhen und Tiefen. Es lief nicht immer wunschgemäss. Es wurde Druck aufgebaut, mich abzuschiessen. Zum Glück wusste ich einen routinierten Verband hinter mir, der mir das Vertrauen geschenkt hat. Die sechs Jahre gingen unglaublich schnell vorbei. Ich hatte eine tolle Mannschaft mit tollen Spielern.

Was ist Ihnen nach diesem letzten Spiel als Nationaltrainer durch den Kopf gegangen?
Ich habe das schon an der Pressekonferenz nach dem Spiel gesagt: In den letzten drei Minuten der Verlängerung habe ich nochmals alle Facetten des Fussballs erleben können. Die Hoffnung, das Penaltyschiessen zu erreichen. Dann kamen der Konter und das Gegentor, das war ein Schock. Ich erinnere mich, wie mich Diego (Benaglio, die Red.) angeschaut hat, mit der Frage, ob er hinten bleiben oder nach vorne rennen soll, um irgendetwas Verrücktes zu versuchen. Das er ja dann mit seinem Fallrückzieher getan, der so zum Zuspiel auf Xherdan Shaqiri wurde. Und dann der Kopfball von Blerim Dzemaili an den Pfosten, von wo ihm der Ball ans Bein springt und ins Aus. Trotz des Ausscheidens hat meine Mannschaft eine phantastische Leistung gezeigt. Wir haben sehr professionell gespielt. Wir blieben ruhig, obwohl wir zwei gute Chancen vergeben hatten – auch als die Argentinier stärker wurden. Man könnte stundenlang über so ein Spiel sprechen, darum höre ich jetzt auf.

Wie können Sie solche Schocks verarbeiten?
Es ist nicht das erste Mal, dass mir so etwas passiert. Ich habe Pokalspiele im Elfmeterschiessen verloren. 1999 erhielten wir mit Bayern gegen Manchester United in drei Minuten zwei Gegentore und verloren den Final der Champions League. Das gehört zum Sport. Euphorie und totale Enttäuschung. Diese Emotionen bleiben: Wir haben Grossartiges geleistet. Die Schweizer Nationalmannschaft hat sehr viel gewonnen: Sympathien in aller Welt. Man wird noch in vielen Jahren von diesem Spiel sprechen.

Haben Sie viele Reaktionen aus der Heimat erhalten?
Ja, viele von Freunden, von Sportgrössen, von Herrn Burkhalter (Bundespräsident, die Red). Es ist schwierig, sie jetzt alle zu lesen. Da kommen mir fast die Tränen. Ich werde die später lesen, jetzt sind noch zu viele Emotionen.

Welches Erbe hinterlassen Sie Ihrem Nachfolger Vladimir Petkovic?
Ich bin glücklich, dass ich diesen Abschied bekommen habe. Ich möchte mich dafür bei meinem Team bedanken. Die sechs Jahre waren phantastisch: Die WM 2010, an der wir mit vier Punkten ausgeschieden sind, dann der Rückfall und jetzt diese WM in Brasilien. Die Schweiz hat sich im Fifa-Ranking hochgearbeitet, das erfüllt mich mit Stolz. Ich wünsche Vladimir Petkovic viel Erfolg. Wichtig wird sein, die ersten Spiele zu gewinnen. Ich mache jetzt keine Video-Analyse dieses Spiels mehr, vielleicht tut es ja Vladimir Petkovic. Ich werde auch weiterhin Länderspiele besuchen, wenn ich eingeladen werde (schmunzelt). Sonst kaufe ich mir ein Ticket!

Bereuen Sie Ihren Rücktritt heute?
Ich habe mir das gut überlegt. Ich treffe Entscheidungen sehr bewusst. Jetzt mit diesem Spiel aufzuhören, da empfinde ich eine grosse Dankbarkeit auch den Spielern gegenüber.

Worauf freuen Sie sich jetzt im Ruhestand am meisten?
Auf die Familie. Meine Frau hat auf unglaublich viel verzichtet in den letzten 40 Jahren. Jetzt kann ich mir Zeit für die Familie nehmen. Ausserdem habe ich ja meinen Job als Experte bei Sky und werde Vorträge halten: Langweilig wird mir nicht.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • die ganze schweiz am 02.07.2014 21:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ein ganz grosser

    ottmar einfach nur danke. der beste trainer, den alle "grossen" wollten kam zu uns und machte aus uns auch einen grossen. dir wird eines tages eine eigene briefmarke gewittwet hier; sicher!!! danke für alles!!! generationen später werden das was du geleistet hast noch hochschätzen. king hitzfeld

  • Ilona Rico am 02.07.2014 20:24 Report Diesen Beitrag melden

    Grüsse aus D

    Ich wünsche Ottmar Hitzfeld alles Gute, sowie weiterhin Gesundheit und das er seine freie Zeit nun geniessen kann, denn die hat er sich verdient.

  • Suisse am 02.07.2014 20:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Danke Ottmar!

    Ein ganz grosser geht und eine Nation sagt danke!

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Berner am 04.07.2014 10:57 Report Diesen Beitrag melden

    Trainer

    Soviele Lobeshymnen können doch eigentlich gar nicht sein. Hitzfeld ist Deutscher. Wie geht das? hier werden doch nicht etwa Rosinen gepickt?????

  • Harry am 03.07.2014 10:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Leider falscher captain

    Respekt, gut gemacht herr hitzfeld und alles gute fuer die zukunft! Leider haben sie den falschen captain gewaehlt. Inler hatte nichts besseres zu tun, als messi nach dem match fuers leibchen zu fragen. So kommt man natuerlich nicht weiter. Dieser spieler wuerde bei mir nicht mehr spielen. Mit solchen spielern kommt man nicht weiter. Wir haben viel bessere charakteren in diesem team....

  • Franz B. am 03.07.2014 09:04 Report Diesen Beitrag melden

    Face it!

    Ein Trainer kann aus einer Mannschaft nur das rausholen, was das "Spielermaterial" zulässt. Und das reicht nun einmal nicht für die Runde der besten 8 der Welt. Aber träumen dürft ihr natürlich weiter ;-)

  • Hahnenblick am 03.07.2014 08:23 Report Diesen Beitrag melden

    Einfach ein toller Mann

    Als passionierter Golfer wird er in der Ruhe der Natur sich erholen und auftanken. Alles Gute und gute Gesundheit wünschen wir Ottmar Hitzfeld.

  • josé buetler am 03.07.2014 08:15 Report Diesen Beitrag melden

    naja ...

    hitzfeld ist ein erfolgreicher trainer und wie habe ich gejubelt, als er 2008 als nachfolger von köbi präsentiert wurde. leider hat er die erwartungen mit der nati nicht erfüllen können. angsthasen-fussball mussten wir während 6 jahren erdulden. wm 2010 im honduras-spiel mit defensiver aufstellung und taktik vergeigt, em-quali 2012 total naiv vergeigt, wm 2014 war ok, sogar gut, aber kein exploit! was mich am meisten nervt, er hat jetzt 4, in buchstaben, VIER, jahre gebraucht, bis er herausgefunden hat, dass shaqiri im zentralen mittelfeld als nr. 10 am wertvollsten ist und nicht SEIN xhaka!!!