Gökhan Inler

02. Juli 2014 22:48; Akt: 03.07.2014 10:49 Print

«Wir haben uns Respekt erarbeitet»

von Eva Tedesco, São Paulo - Trotz dem bitteren WM-Aus sagt Captain Gökhan Inler: «Das war das Maximum, das ich je mit der Schweizer Nationalmannschaft erlebt habe.»

Gökhan Inler am Tag nach dem WM-Out. (Quelle: 20 Minuten)
Zum Thema
Fehler gesehen?

Die Enttäuschung über das Ausscheiden gegen Argentinien umklammert immer noch fest das Herz der Spieler. Das jähe Ende hat auch ein spontanes Abendessen in einer bekannten Churrascaria in São Paulo nicht vergessen gemacht. Auch das eine oder andere Gläschen Wein nicht, das nach 120 intensiven Spielminuten wohl doppelt schnell ins Blut ging.

«Trotz meiner Erfahrung war es schwierig. Wir waren traurig nach dem Spiel, weil wir uns viel vorgenommen haben. Wir waren gut vorbereitet. Wir waren stark. Aber das hilft uns für 2016 und 2018 und gibt uns Kraft. Die Mannschaft hat sich in den letzten Jahren, und auch mit Trainer Hitzfeld, sehr gut entwickelt. Wir müssen vor niemandem Angst haben. Wir sind nicht mehr die kleine Schweiz. Wir haben uns Respekt erarbeitet in den letzten Jahren und so soll es auch weitergehen», sagte Inler gestern an der letzten WM-Pressekonferenz im Teamhotel und letztmals an der Seite von Ottmar Hitzfeld.

Letzte Pressekonferenz mit Hitzfeld

Es war die letzte Amtshandlung für Inler unter Hitzfeld, der seit heute nun Trainer-Pensionär ist. Für den Trainer und seinen Captain war das ein zusätzlich zur Art und Weise des Ausscheidens emotionaler Moment. Hitzfeld hat Inler im Sommer 2011 zu seinem Captain gemacht. Er hat ihm allen Widerständen zum Trotz den Rücken gestärkt und wurde nie müde zu betonen, wie wichtig die Persönlichkeit des Napoli-Mittelfeldspielers sei.

Inler baut intern Brücken zwischen Mentalitäten und Charakteren und geht stets als Vorbild für die Mannschaft voran. Mit seinem türkischen Hintergrund ist er wichtig für die Secondos im Team, mit seiner zurückhaltenden, besonnenen Art akzeptiert von allen.

Inlers Dank an den ganzen Staff

«Ich danke SFV-Präsident Gilliéron, Peter Stadelmann, dem Delegierten der Nationalmannschaft, und dem Trainer, denn sie haben mich auch in meinem Amt als Captain geformt. Sie haben mich zusammen mit der Mannschaft machen lassen. Auf das Spiel vom Dienstag können wir alle stolz sein, denn wir haben allen etwas bewiesen, das die Schweiz schon lange nicht mehr gemacht hat.»

«Das Spiel gegen Argentinien am Dienstag war für uns ein sehr spezielles Spiel», sagte Inler weiter. «Wir waren von der ersten bis zur letzten Minute bereit. Auf dem Spielfeld habe ich gespürt, dass die Mannschaft alles gegeben hat. Und nicht nur wir, auch der Trainer, der Staff und alle waren bereit. Wir haben auch die brasilianischen Fans gespürt, die uns unbedingt zum Sieg tragen wollten. Es war ein intensives Spiel, sehr harte Duelle – eigentlich das Maximum, das ich je mit der Schweizer Nati erlebt habe. Ich möchte auch dem Trainer ein Kompliment machen, denn es war für ihn persönlich nicht einfach, in dieses Spiel zu gehen. Ich denke, sportlich haben wir das top gemacht. Im Fussball ist es manchmal hart, wenn man dann am Schluss doch noch verliert.»