Manaus

23. Juni 2014 21:40; Akt: 23.06.2014 22:43 Print

Welcome to the Jungle

von S. Compagno & E. Tedesco, Porto Seguro - Acht Stadien schrieb die Fifa für die WM vor, Brasilien wollte unbedingt zwölf Arenen. In der umstrittensten spielt die Schweiz am Mittwoch.

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Es ist die Arena da Amazônia in der mystischen Urwald-Stadt Manaus, vier Flugstunden von Rio de Janeiro entfernt, erreichbar nur zu Wasser oder in der Luft. Rund 669 Millionen Reais (267 Millionen Franken) soll das Prestigeobjekt im tropischen Regenwald gekostet haben. Vier Arbeiter kamen ums Leben beim Bau des Stadions, in dem niemand spielen will. Der Schweizer Nationaltrainer Ottmar Hitzfeld bezeichnete den Spielort Manaus vor einigen Monaten als «unverantwortlich» und meinte die klimatischen Bedingungen mit Temperaturen von mehr als 30 Grad und einer Luftfeuchtigkeit jenseits von 80 Prozent.

Das ist die sportliche Sicht der Dinge. Doch das Grundübel der Arena da Amazônia liegt in ihrer erschütternden Nutzlosigkeit. Schweiz – Honduras ist das letzte von vier Gruppenspielen, die in Manaus stattfinden. Was danach mit dem 43'100-Plätzer passiert, ist so unbekannt wie viele Tier- und Pflanzenarten im grössten zusammenhängenden Regenwald-Gebiet der Erde. Der beste Fussballklub der 2-Millionen-Metropole, der Nacional Futebol Club, spielt in Brasiliens 4. Liga. Im Durchschnitt kommen keine 2000 Fans zu den Spielen.

Wird die WM-Arena ein Gefängnis?

Was also tun mit der Arena? Die Fantasie treibt bisweilen buntere Blüten als der Regenwald: Die schillerndste stammt von einem Richter namens Sabino Marques da Silva. Die Kriminalität in Manaus sei hoch, die Gefängnisse überfüllt. Man könne doch die Arena nach der WM in ein Gefängnis umbauen. Ob er sich vom chilenischen Militärputsch 1973 inspirieren liess? Die Generäle um Augusto Pinochet hatten damals im Estadio Nacional in Santiago ein Konzentrationslager für bis zu 40'000 politische Häftlinge eingerichtet.

Gemäss Informationen der «Welt» wurde die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young im März damit beauftragt, Pläne zu entwickeln, wie das Stadion nach der Weltmeisterschaft genutzt werden könnte. Die Ideen sollen erst nach der WM präsentiert werden, der grosse Wurf scheint den Beratern nicht gelungen. Offenbar sind die üblichen Massnahmen angedacht: etwas Musik, etwas Sport und ein paar Events.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Oswald am 23.06.2014 22:41 Report Diesen Beitrag melden

    Wenn sich doch...

    ... die Menschheit bloss so gut um den Planeten kümmern würde, wie um den Fussball... :-( Wir müssen DRINGEND unsere Prioritäten prüfen, Freunde!

  • m.h. am 23.06.2014 22:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    geld.

    3.515 mia in stadien investieren, aber im bildungs- und gesundheitswesen wird jeder cent zwei mal umgedreht.. bedenklich.

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  • Beobachter am 24.06.2014 06:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ethikkommission

    Warum befasst sich bei solchen Bauten nicht die Ethikkommission der FIFA damit? Regenwald geht uns alle an! Und die FIFA ist es ja, die Milliarden aus der WM absahnt. Da sollte sie ein bisschen mehr Verantwortung an den Tag legen und ihren Einfluss geltend machen - finde ich ...

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Die neusten Leser-Kommentare

  • german am 24.06.2014 12:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    hoffentlich

    die koffer schon parat der bus geht morgen pünktlich zum Flughafen wo die italienische azuri schon wartet und dann ist heulen angesagt und nichts wie heim... aber wenigstens habt ihr die Haare schön ;)

    • Tifoso Azzurro am 24.06.2014 15:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      gehts noch?? 

      Da muss ich dich enttäuschen die AZZURRI fahren nicht heim....aber deine deutschen werden am Mittwoch die Koffer packen....

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  • hans der kanns am 24.06.2014 09:39 Report Diesen Beitrag melden

    Ausreden vor dem Spiel

    Einmal zu heiss, dann zu kalt, dann ist mal das Stadion in zu hoher Höhe... schon traurig, dass man bereits vor dem Spiel nach Ausreden suchen muss!!! Sportlich finde ich dieses gejammere einen Witz. Wirtschaftlich und vor allem aus ökologischer Sicht ist aber das Stadion und der Standort ein Witz! Traurig, was man anstelle dieses Stadions alles hätte verbessern können mit dem gesparten Geld...

  • Skeptiker am 24.06.2014 09:27 Report Diesen Beitrag melden

    Nach 30 Minuten sind unsere Bubis

    ausgepumpt bei der Hitze und Feuchtigkeit. Ich erwarte ein Debakel, wenn sie sich nicht ein Herz fassen und Angriffsfussball ab der 1Min. spielen !

  • Fabio am 24.06.2014 08:19 Report Diesen Beitrag melden

    Manaus

    Viel Glück in der Sauna. Vielleicht versteht es nach dem Spiel auch der grösste Schweizer Laie, warum die Engländer und Italiener nach dem Spiel in Manaus fix und fertig waren. Selbst wenn die Schweiz weiterkommt, es würde Argentinien im Achtelfinale warten. Die konnten bisher immer im "kalten" Süden spielen, und dürften einiges frischer sein..

  • Peter Berner am 24.06.2014 08:18 Report Diesen Beitrag melden

    Koffer packen

    Die Bubis haben hoffentlich genug Antibrum dabei. Ihre Frisur ist wichtiger als volles Rohr zu spielen.